Grundlegung zur Metaphysik der Sitten - Eine Anknüpfung

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    • Grundlegung zur Metaphysik der Sitten - Eine Anknüpfung

      Der Hauptteil des Buches beginnt mit dem Satz: „Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt
      auch außerhalb derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könne
      gehalten werden, als allein ein guter Wille“.
      Der Wille nun, dessen eigentliche Beschaffenheit der Charakter ist, hat nun die Vernunft zu
      ihrer eigentlichen Regentin. Und nun wird der Begriff der Pflicht eingeführt, womit es bereits
      hier problematisch wird. Kant gibt nun der Pflicht gegenüber der Neigung den Vorzug. So
      sagt er: „Allerdings gerade da hebt der Wert des Charakters an, der moralisch und ohne alle
      Vergleichung der höchste ist, nämlich dass er wohltue, nicht aus Neigung, sondern aus
      Pflicht.“ Goethe und Schiller erwiderten später, und das zu recht: „Ich tue das Gute auch,
      doch tue ich es aus Neigung, nur.“
      Nun folgt ein weiterer Satz: „Eine Handlung aus Pflicht hat einen moralischen Wert nicht in
      der Absicht, welche dadurch erreicht werden soll, sondern in der Maxime, nach der sie beschlossen
      wird, (also) dem Prinzip des Willens.“
      Diese Maxime ist nach Kant das subjektive sittliche Prinzip. Der dritte Satz nun lautet:
      „Pflicht ist Notwendigkeit einer Handlung aus Achtung fürs Gesetz.“
      Daraus entwickelt Kant die erste Fassung des kategorischen Imperativs: „Ich soll niemals
      anders verfahren, also so, dass ich auch wollen könne, meine Maxime (Prinzip des Willens)
      solle ein allgemeines Gesetz sein.“ Dies ist nach Kant das objektive Sittengesetz.
      Im zweiten Abschnitt des Buches folgt nun ein Traktat über die Notwendigkeit der Pflicht und
      über den kategorischen Imperativ, der nun wie folgt formuliert wird: „Handle nur nach derjenigen
      Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
      Am Ende gibt es noch einige Ausführungen über die Autonomie und die Heteronomie des
      Willens und im dritten Abschnitt wird der Begriff der Freiheit entwickelt und mit dem Willen in
      einen kausalen Zusammenhang gebracht.
      Was am Ende bleibt, ist der kategorische Imperativ als moralisches Gesetz oder Sittengesetz.
      Dieses Sittengesetz hat aber nun den Anspruch objektives Gesetz des sittlich Guten zu sein.
      Warum nicht einfach so: Tue das Gute, und lasse das Böse. Ethische Maxime des sittlich Guten
      kann doch immer nur eine Maxime von ethischem Wert sein, nicht aber irgendeine Maxime,
      wie religiöse Maximen, ästhetische Maximen. Maxime des sittlich Guten kann demnach
      nur das sittlich Gute selber sein. Wenn schon ein kategorischer Imperativ, dann so: Handle
      immer nur nach derjenigen Maxime, die zugleich eine ethische ist. Das bringt uns aber wieder
      zurück auf das altbekannte Sittengesetz, das auch ohne Kant schon existiert hat: Tue das Gute
      und lasse das Böse. Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Fliege () aus folgendem Grund: Der ursprüngliche Threadtitel "Grundlegung der Metaphysik der Sitten" ist in Einvernehmen mit dem Threadstarter dahingehend geändert worden, dass Kants Werktitel "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" Berücksichtigung findet. Die Threadtitel-Ergänzung um "... - Eine Anknüpfung" ist von der Moderation festgelegt worden.

    • Wenn du das Gute tust, um damit etwas zu erreichen, das deiner Neigung dient, ohne dass du dem Guten sozusagen ins Antlitz schaust, dann bist du in kantischer Hinsicht nicht moralisch.
      Kant verwendet einige Mühe auf den Unterschied zwischen legal und moralisch. Das Gute zu tun, ist noch lange nicht gut. Der gute Wille erst heißt ihm, Kant, gut. Das ist ein Problem in der Definition, da "gut" auf beiden Seiten steht, sich das Gute durch ein besonderes Gutes definiert.
      Kant besagt mit dem k.I., man solle so handeln, als wolle man damit ein Naturgesetz zum Ausdruck bringen. Diese selbstgewählte Natur muss aber einem Universalanspruch genügen.
      Der kantische Volutarismus wendet die ewige Idee des Guten auf die Welt des Vergänglichen an. Das Gute lässt sich als guter Wille von Herzen tun.
    • @ m d,

      Du scheinst nicht zu verstehen. Es ist ein Unterschied, ob ich das Gute nur aus Pflicht (Gehorsam) tue, oder aus Neigung. Damit meine ich, das Gute "immer" aus Neigung zu tun. Ich meine also das, was Kant selber einen heiligen Willen nennt.
      Nun bewertet aber Kant die Pflicht (den Gehorsam) höher, als den heiligen Willen, das Gute auch ohne Pflicht immer und überall zu tun, und das Böse zu lassen. Und eben gegen diesen unsinnigen Kantschen Pflichtbegriff wenden sich später Goethe und Schiller. Sehr zu Recht, wie ich finde... Danke und Gruß Joachim Stiller Münster
    • Joachim Stiller schrieb:


      Nun bewertet aber Kant die Pflicht (den Gehorsam) höher, als den heiligen Willen, das Gute auch ohne Pflicht immer und überall zu tun, und das Böse zu lassen. Und eben gegen diesen unsinnigen Kantschen Pflichtbegriff wenden sich später Goethe und Schiller. Sehr zu Recht, wie ich finde...



      Der heilige Wille ist göttlicher Wille. Dieser wird nicht von Neigung oder Hang affiziert oder verdorben. Für den Menschen hingegen ist der gute Wille bzw. die Pflicht entscheidend. Nur deshalb bewertert ihn Kant höher.
      Der Gehorsam, das Aufhorchen, gilt der Stimme der Vernunft oder des Gewissens.
    • Pflicht gegenüber der Vernunft würde ich gelten lassen, denn das würde ja dem entsprechen, was ich die Neigung eines heiligen Willens genannt habe. Warum aber soll ein solcher heiliger Wille nur Gott zukommen. Glaubst Du nicht, dass nicht auch die Heiligen einen solchen heiligen Willen hatten und haben? Ich selber glaube das... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Hallo Leute,

      ich möchte gerne nach Ostern die "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" etwas ausführlicher besprechen. Hier einmal ein Link auf den Volltext:

      zeno.org/Philosophie/M/Kant,+I…zur+Metaphysik+der+Sitten

      Wer Interesse an einer solchen Diskussion hat, kann sich den Volltext ja schon einmal etwas genauer ansehen.... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Die Vorrede zu dem Werk "Grundlegung der Metaphysik der Sitten" beginnt mit folgenden aufschlussreichen Worten:

      "Die alte griechische Philosophie teilte sich in drei Wissenschaften ab: Die Physik, die Ethik, und die Logik. Diese Einteilung ist der Natur der Sache vollkommen angemessen, und man hat an ihr nichts zu verbessern, als etwa nur das Prinzip derselben hinzu zu tun, um sich auf solche Art teils ihrer Vollständigkeit zu versichern, teils die notwendigen Unterabteilungen richtig bestimmen zu können. Alle Vernunfterkenntnis ist entweder material, und betrachtet irgend ein Objekt; oder formal, und beschäftigt sich bloß mit der Form des Verstandes und der Vernunft selbst, und den allgemeinen Regeln des Denkens überhaupt, ohne Unterschied der Objekte. Die formale Philosophie heißt Logik, die materiale aber, welche es mit bestimmten Gegenständen und den Gesetzen zu tun hat, denen sie unterworfen sind, ist wiederum zwiefach. Denn diese Gesetze sind entweder Gesetze der Natur, oder der Freiheit. Die Wissenschaft von der ersten heißt Physik, die der andern ist Ethik; jene wird auch Naturlehre, diese Sittenlehre genannt.
      Die Logik kann keinen empirischen Teil haben, d.i. einen solchen, da die allgemeinen und notwendigen Gesetze des Denkens auf Gründen beruheten, die von der Erfahrung hergenommen wären; denn sonst wäre sie nicht Logik, d.i. ein Kanon für den Verstand, oder die Vernunft, der bei allem Denken gilt und demonstriert werden muß. Dagegen können, sowohl die natürliche, als sittliche Weltweisheit, jede ihren empirischen Teil haben, weil jene der Natur, als einem Gegenstande der Erfahrung, diese aber dem Willen des Menschen, so fern er durch die Natur affiziert wird, ihre Gesetze bestimmen muß, die erstern zwar als Gesetze, nach denen alles geschieht, die zweiten als solche, nach denen alles geschehen soll, aber doch auch mit Erwägung der Bedingungen, unter denen es öfters nicht geschieht.
      Man kann alle Philosophie, so fern sie sich auf Gründe der Erfahrung fußt, empirische, die aber, so lediglich aus Prinzipien a priori ihre Lehren vorträgt, reine Philosophie nennen. Die letztere, wenn sie bloß formal ist, heißt Logik; ist sie aber auf bestimmte Gegenstände des Verstandes eingeschränkt, so heißt sie Metaphysik.
      Auf solche Weise entspringt die Idee einer zwiefachen Metaphysik, einer Metaphysik der Natur und einer Metaphysik der Sitten. (...)"

      Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich nun - so Kant - um die Grundlegung einer ssolchen "Metaphysik der Sitten". Es geht dabei um den rein rationalen Teil der Ethik, um das Sitten-A-Priorie eines allgemeinen Gesetzes, das Kant beabsichtigt, in der vorliegenden Schrift herauszuarbeiten. Wir dürfen also gespannt sein.... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Erster Abschnitt: Übergang von der gemeinen sittlichen Vernunfterkenntnis zur philosophischen

      Ich lasse nun den Zeno-Volltext zum ersten Abschnitt der GdMdS folgen, der überschrieben ist, mit: "Übergang von der gemeinen sittlichen Vernunfterkenntnis zur philosophischen":

      zeno.org/Philosophie/M/Kant,+I…ntnis+zur+philosophischen

      Ich werde den ersten Abschnitt in Kürze zuerst zusammenfassen, und dann können wir den Text gerne einmal etwas genauer besprechen. Ich würde mich übrigens freuen, wenn sich noch einige andere an einer solchen Dsikussion beteiligen würden.... Gruß Joachiom Stiller Münster
    • Der erste Abschnitt der GdMdS beginnt mit folgenden berühmten Worten:

      "Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille. Verstand, Witz, Urteilskraft, und wie die Talente des Geistes sonst heißen mögen, oder Mut, Entschlossenheit, Beharrlichkeit im Vorsatze, als Eigenschaften des Temperaments, sind ohne Zweifel in mancher Absicht gut und wünschenswert; aber sie können auch äußerst böse und schädlich werden, wenn der Wille, der von diesen Naturgaben Gebrauch machen soll und dessen eigentümliche Beschaffenheit darum Charakter heißt, nicht gut ist."

      Und etwas weiter heißt es:

      "Der gute Wille ist nicht durch das, was er bewirkt, oder ausrichtet, nicht durch seine Tauglichkeit zu Erreichung irgend eines vorgesetzten Zweckes, sondern allein durch das Wollen, d.i. an sich, gut, und, für sich selbst betrachtet, ohne Vergleich weit höher zu schätzen, als alles, was durch ihn zu Gunsten irgend einer Neigung, ja, wenn man will, der Summe aller Neigungen, nur immer zu Stande gebracht werden könnte."

      Nun folgen einige längere Ausfühurngen über die Vernunft und ihr Verhältnis etwa zum glück, die ich hier übergehen möchte. Die Ausführungen habe in erster Linie vorbereitenden Charakter.

      Und nun führt Kant den Begriff der "Pflicht" ein. Kant grenzt dabei das Handeln aus Pflicht vom Handlen aus Neigung ab. Letzteres hält er für selbstsüchtig. Er sagt nun, man solle das Gute aus Pflicht tun, nicht aus neigung, denn ansonsten fehle der Maxime der Handlung (dem Grundsatz) der sittliche Gehalt. Kant stuft also die Pflicht höher ein, als die Neigung. Er meint etwa, wenn jemand eine Handlung tue, ohne jede Neigung, allein aus Pflicht, "als dann hat sie allererst ihren echten moralischen Wert."

      Und weiter heißt es:
      "Allerdings! gerade da hebt der Wert des Charakters an, der moralisch und ohne alle Vergleichung der höchste ist, nämlich dass er wohltue, nicht Neigung, sondern aus Pflicht."

      Und nun folgt der zweite Satz:

      "Eine Handlung aus Pflicht hat ihren moralischen Wert nicht in dr Absicht, welche dadurch erreicht werden soll, sondern in der Maxime, nach der sie beschlossen wird, hängt also nicht von der Wirklichkeit des Gegenstandes der Handlung ab, sondern bloß von dem Prinzip der Willens, nach welchem die Handlung, unangesehen aller Gegenstände des Begehrungsvermögens geschehen ist."

      Der dritte Satz nun lauter: "Pflicht ist die Notwendigkeit einer Handlung aus Achtung fürs Gesetz."

      Kant fragt nun, was das für ein Gesetz sein kann. Und nun folgt die erste Formulierung des Sittengesetzes:

      "(...) ich soll niemals anders verfahren, als so, dass ich auch wollen könne, meine Maxime (mein Grundsatz) solle ein allgemeines Gestzt werden."

      Dieses Gesetz passt, eben wegen seines bloß formalen Charakters, auf jeden beliebigen Inhalt. Wenn ich schwanke, ob ich einen begehrten Gegenstand einem andern wegnehmen soll, so brauche ich mich nur zu fragen: Kann ich wollen, dass alle Menschen stehlen? Das würde jeden Besitz, den ja auch ich erstrebe, unmöglich machen. Wenn es mir in einer bestimmten Lage schwerfällt, die Wahrheit zu sagen, so brauche ich mich nur zu fragen: Kann ich wollen, dass alle Menschen das Lügen zu ihrem Prinzip machen?"

      Man muss sich nur immer fragen: "Kannst Du auch wollen, dass Deine Maxime (Dein Grundsatz) ein allgemeines Gesetz werde? Wo nicht, da ist sie verwerflich.


      So weit der erste Abschnitt. Und, was denkt Ihr? Wie verhält sich das mit der Pflicht und der Neigung? Hat Kant recht? Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()

    • Aus diesem ersten Abschnitt ergeben sich für mich zwei Problemkreise:

      1. Ist die Pflicht wirklich höher zu bewerten, als die Neigung?

      2. Ist Kant wirklich in der Lage, Normenkontrollkriterien für den KI anzugeben.

      Punkt 2 würde ich gerne zu einem späteren Zeitpunkt im Parallelthread zum Kategorischen Imperativ (KI) diskutieren.

      Hier also nur in paar Anmerkungen zu Punkt 2, bevor wir zum zweiten Abschnitt kommen.

      Kant bewertet die Pflicht höher als die Neigung. Darauf entgegneten sowohl Schiller, als auch Goethe: Ich tue das Gute auch, doch tue ich es aus Neigung nur..."

      Diese Aussage von Schiller und Goethe gibt eigentlich schon den richtigen Hinweis. Nehmen wir an, die Menschen stehen sittlich-charakterlich auf unterschiedlichen Stufen, dann ist es nur zu verständlich, dass es Menschen gibt, die sich schwer damit tun, Gutes zu tun und Böses zu lassen. Und moralisch gefestigte Menschen mit einem hohen sittlichen Ideal werden das Gute immer auch freiwillig tun. Letztere tun das Gute also aus Neigung, weniger gefestigte Menschen müssen sich noch dazu zwingen. Die Pflicht ist hier zwar notwendig, sie ist aber allein ein Indiz für einen schwachen Charakter. Daher gebe ich Schiller und Goethe unbedingt in dem Punkte recht, dass die Neigung hier entschieden höher zu bewertet ist, als die "bloße" Pflichterfüllung in Ansehung des Gesetzes... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Zweiter Abschnitt: Übergang von der populären sittlichen Weltweisheit zur Metaphysik der Sitten

      Wir machen dann mit dem zweiten Abschnitt weiter. Hier der Link auf den Zeno-Volltext:

      zeno.org/Philosophie/M/Kant,+I…zur+Metaphysik+der+Sitten

      Ich werden den Abschnitt in Kürze wieder zusammenfassen... Bis dann...

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Zusammenfassung des zweiten Abschnitts:

      Zunächst dreht und wendet Kant noch einmal den Begriff der Pflicht, der ihm so ungeheuer wichtig ist. Ich hatte ja schon etwas aus meiner ganz persönlichen Perspektive gesagt. Als nächstes kommt Kant auf das a priori aller sittlichen Begriffe zu sprechen. So sagt er etwa:

      "Aus dem Angeführten erhellet: dass alle sittlichen Begriffe völlig a priori in der Vernunft ihren Sitz und Ursprung haben,..."

      Als nächstes stellt Kant fest, dass es die Vernunft ist, die den Willen bestimmt:

      "... der Wille ist ein Vermögen, nur dasjenige zu wählen, was die Vernunft, unabhängig von der Neigung, als praktisch notwendig, d.i. aös gut erkennt."

      Und weiter:

      "Die Vorstellung eines objektiven Prinzips, sofern es für einen Willen nötig ist, heißt Gebot (der Vernunft) und die Formel des Gebots heißt Imperatoiv."

      Ich lasse nun einmal einen Abschnitt folgen, der ganz aufschlussreich für alles Weitere ist:

      "Alle Imperativen werden durch ein Sollen ausgedruckt, und zeigen dadurch das Verhältnis eines objektiven Gesetzes der Vernunft zu einem Willen an, der seiner subjektiven Beschaffenheit nach dadurch nicht notwendig bestimmt wird (eine Nötigung). Sie sagen, daß etwas zu tun oder zu unterlassen gut sein würde, allein sie sagen es einem Willen, der nicht immer darum etwas tut, weil ihm vorgestellt wird, daß es zu tun gut sei. Praktisch gut ist aber, was vermittelst der Vorstellungen der Vernunft, mithin nicht aus subjektiven Ursachen, sondern objektiv, d.i. aus Gründen, die für jedes vernünftige Wesen, als ein solches, gültig sind, den Willen bestimmt. Es wird vom Angenehmen unterschieden, als demjenigen, was nur vermittelst der Empfindung aus bloß subjektiven Ursachen, die nur für dieses oder jenes seinen Sinn gelten, und nicht als Prinzip der Vernunft, das für jedermann gilt, auf den Willen Einfluß hat.

      Ein vollkommen guter Wille würde also eben sowohl unter objektiven Gesetzen (des Guten) stehen, aber nicht dadurch als zu gesetzmäßigen Handlungen genötigt vorgestellt werden können, weil er von selbst, nach seiner subjektiven Beschaffenheit, nur durch die Vorstellung des Guten bestimmt werden kann. Daher gelten für den göttlichen und überhaupt für einen heiligen Willen keine Imperativen; das Sollen ist hier am unrechten Orte, weil das Wollen schon von selbst mit dem Gesetz notwendig einstimmig ist. Daher sind Imperativen nur Formeln, das Verhältnis objektiver Gesetze des Wollens überhaupt zu der subjektiven Unvollkommenheit des Willens dieses oder jenes vernünftigen Wesens, z.B. des menschlichen Willens, auszudrücken.

      Alle Imperativen nun gebieten entweder hypothetisch, oder kategorisch. Jene stellen die praktische Notwendigkeit einer möglichen Handlung als Mittel, zu etwas anderem, was man will (oder doch möglich ist, daß man es wolle), zu gelangen, vor. Der kategorische Imperativ würde der sein, welcher eine Handlung als für sich selbst, ohne Beziehung auf einen andern Zweck, als objektiv-notwendig vorstellte." (Kant: GdMdS)

      Und nun folgt nach einigen weiteren Untersuchungen die Universalisierungsformel des KI:

      "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gestz werde."

      Dann folgt fast unmittelbar die Naturgestzformel des KI:

      "Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetz werden solle (Anm: könne)."

      Zum Ende des zweiten Abschnitts entwickelt Kant die berühmte Selbstzweckformel des KI:

      "Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person, als auch in der Person eines jeden andern, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest."

      Am Ende untersucht Kant noch einmal die Autonomie des Willens und die von ihm als unabdingbar vorausgesetzte Willensfreiheit. Es folgt eine Untersuchung über Autonomie und Heteronomie des Willens, und damit leitet Kant praktisch schon zu dem erheblich kürzeren dritten Abschnitt über. Ich werde in Kürze darauf eingehen.

      Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()

    • Kant hat unterschiedliche Formulierungen des KI gebracuht, und mit den Formulierungen ein bischen gespielt, wie aus dem bereits bekannten Wiki-Artikel zum KI deutlich hervorgeht:

      de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativ

      Es ließen sich, so meine Überzeugung, noch beliebig viele weiter Formulierungen finden. Eine Formulierung, die von mir selbst stammt, lautet so:

      Handle so, dass die Maxiem deiner Handlung jeder Zeit ein allgemeines Gesetz sein kann.

      Leider ahbe ich in der GdMdS die Reich-der-Zwecke-Formel nicht gefunden. Findet die jemand von Euch?

      Danke und Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()

    • Die einzelnen Abschnitte des dritten und letzten Teils der GdMdS tragen folgende Überschriften, die ich einmal ganz für sich sprechen lassen möchte:

      - Der Begriff der Freiheit ist der Schlüssel zur Erklärung der Autonomie desw Willens. (Absolute Zustimmung)
      - Freiheit muss als Eigenschafte des Willens aller vernüftiger Wesen vorausgesetzt werden. (Absolute Zustimmung)
      - Von dem Interesse, welches den Ideen der Sittlichkeit anhängt.
      . Wie sit ein kategorischer Imperativ mögliich.
      - Von der äußersten Grenze aller praktischen Philosophie.

      Ich möchte einmal die ersten beiden Untertitel des dritten teils noch etwas zuspitzen:

      Freiheit - insbesondere Freiheit des Willens - ist die Grundvoraussetzung für jede nur denkbare Sittlichkeit. Freiheit ist also nicht nur die Möglichkeit zum Bösen, sie ist auch die Möglichkeit zum Guten überhaupt, und damit der Möglichkeit, dass der Mensch Gott gleich werde.

      Und am Ende folgt dann noch die Schlussanmerkung.

      Vielleicht noch ein kurzes Wort zur "Kritik der praktischen Vernunft" (KdpV), die ich ursprünglich noch in diesem Projekt ganz lesen wollte: Ich persönlich würde immer auf die Grundlegung der Metaphysik der Sitten zurückgreifen. Meines Erachtens ist diese kleine, aber feine Schrift absolut ausreichend. So viel andres steht in der KdpV nämlich auch nicht drin. Soie sit nur erheblich länger... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Was am Ende bleibt?

      Was bleibt am Ende? Am Ende bleibt eigentlich nur der Kategorische Imperativ von Kant (KI). Eine Formulierung des KI, die von mir selbst stammt, lautet - ich sagte es bereits - so:

      Handle so, dass die Maxime deiner Handlung jeder Zeit ein allgemeines Gesetz sein kann.

      Oder etwas eleganter:

      Hansdle so, dass die Maxime deiner Handlung jeder Zeit ein allgemeines Gesetz zu sein für sich in Anspruch nehmen kann.


      Und nun kann man theoretisch fragen, wann das denn der Fall ist. Meine Antwort darauf leustet: Wenn die Maxime einen positiven ethischen Wert darstellt. Also:

      Hanlde so, dass die Maxime deiner Handelung jeder Zeit einen positiven ethischen Wert darstellt.

      Auch hier geht es noch etwas eleganter:

      Handle so, dass die Maxime deiner Handlung jeder Zeit einen positiven ethischen Wert zu sein für sich in Anspruch nehmen kann.

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Zwei Problemkreise

      Mit der Ethik von Kant und dem Kategorischen Imperativ sind für mich genau zwei Problemkreise verbunden:

      1. Der erste Problemkries dreht sich um die Frage, ob denn die Pflicht tatsächlich höher zu bewerten ist, als die Neigung. Ich hatte ja schon gesagt, dass ich persönlich diese Frage absolut verneine, und ich befinde mich mit dieser Kritik in guter Gesellschaft.

      2. Der zweite Problemkreis dreht sich um die Frage nach den Normenkontrollkriterien des KI, für die Kant keine wirklich Lösung anbietet. Anstatt das Kant auch nur einen einzigen Nagel einschlägt, hängt er den KI praktisch in der Luft auf. Man sieht sich selber so leicht dahinschweben, wie ein Feder, die allerdings schon vom kleinsten Windstoß verweht wird. Wir können die Frage nach den Normenkontrollkriterien sehr gerne weiterdiskutieren, aber ich möchte eine solche Diskussion gerne im Thread zum kategorischen Imperativ fortsetzen... Danke und Gruß Joachim Stiller Münster
    • Kategorischer Imperativ

      Hallo,

      ich bin neu hier und habe eine Frage zum KI. Den Thread dazu konnte ich leider nicht finden, daher schreibe ich hier.

      Im Buch "Kant für Anfänger" bringt der Autor Ralf Ludwig das Beispiel mit dem Schwarzfahren:
      Wenn ich Geld sparen möchte, darf ich dann schwarzfahren?
      Gesetz: Jeder der Geld sparen möchte, soll per Gesetz schwarzfahren.
      Kann ich das wollen? Nein.

      So weit ist das klar. Wie wäre es aber, wenn ich das Beispiel ändere:
      Wenn ich kein Geld habe (weil ich arm bin), darf ich dann schwarzfahren?
      Gesetz: Jeder der arm ist, soll schwarzfahren.
      Kann ich das wollen? Ja! (Mancher würde hier aber auch nein sagen, da dies etwa auf Kosten der Öffis gehen würde oder wegen vermeintlicher Gleichberechtigung oder...)

      Habe ich das richtig verstanden, dass hier ein Problem besteht, was durch den KI nicht gelöst werden kann?

      Vielen Dank und viele Grüße!