Willensfeiheit - ja oder nein?

    • Joachim Stiller schrieb:

      Du machst den Fehler, anzunehmen,
      Ich mache niemals Fehler. *zwinkert* Ich gehe mal davon aus, dass Deine Antwort mir galt, also habe ich mir nochmals Deinen Ausgangstext durchgelesen..

      Wenn ich Dich also richtig verstehe, siehst Du durch die Selbstreferenziertheit des Verstandes/der Vernunft die (natürlich) relative Freiheit des Willens begründet, sofern man den Willen als "Teil" der Vernunft bzw. ihr untergeordnet betrachtet. Da stimme ich Dir auch teilweise zu. Nur bin ich mir gerade nicht so sicher, was Du dann eigentlich unter Willensfreiheit verstehst. Ich sehe Freiheit, egal wozu sie in Relation steht (also egal ob Willens- oder Handlungsfreiheit) immer auch als Entscheidungsfreiheit - also die Möglichkeit eine Option oder Alternative zu wählen. Die Entscheidungen fällt aber entweder der Verstand oder der Reflex - also bewusste oder unbewusste Entscheidung [meine Lektüre-Empfehlung an der Stelle: Plessners Einführung in die philosophische Anthropologie]. Demnach müsste man nur noch erörtern, inwieweit unser Denken frei ist - denn meines Erachtens ist natürlich auch jeder Gedankengang kausal induziert.

      Jedoch, wie oben schon erwähnt, wird der Wille (auch wenn man ihn in Relation zum Verstand setzt) auch von anderen Faktoren beinflusst - die noch recht junge Philosophie der Gefühle gibt da ganz gute Ansätze. Wenn man von einem starken Gefühl getrieben wird (z.B. Hass) ist der Verstand zwar nicht gänzlich ausgeschalten, doch hat er nicht mehr die 'normale Kontrollfunktion'. Die Frage ist dann, was genau entscheidet, wie wir uns in einer Situation entscheiden. Und hier kommt meines Erachtens wieder der Wille selbst ins Spiel - ja er ist relativ - aber diese Relation ist nicht singulär.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.

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    • Freiheit gibt es nicht.
      Vernunft kann auch vernünftig falsch liegen (habe mit meiner Vernunft die letzte Matheschulaufgabe geschrieben und trotzdem ne 4 bekommen ;( ).
      Wille ist auch nicht alles, denn, wie schon 100 mal wiedergekäut, was ich will kann durch äußerliche Faktoren beeinflusst werden (wenn man jemandem lange genug suggeriert, dass die neue Barbie totaaaal toll ist, will es diese Barbie auch irgendwann, obwohl es eig. nicht mit Puppen spielt. So funktioniert Werbung).


      Auch keine Gefühle,....


      Das einzige, was Freiheit bedingen könnte, ist Wissen.
      Ich könnte sagen, dass ich freiwillig in dieser Galaxie lebe, aber solange ich nicht gesehen habe, wie andere Galaxien aussehen und ich nicht die Möglichkeit habe, in diese zu reisen, bin ich unfrei.


      Allerdings ist "Wissen" nie absolut. Wahrheiten sind absolut, aber der Mensch kann diese nicht wahrnehmen.
      (Ist das Matrix-Phänomen, Neo glaubte auch zu wissen, dass seine Welt real sei).


      Wenn ich jetzt alle Galaxien gesehen habe, weiß ich nicht, ob mir nicht vllt. noch eine vorenthalten wird, ob ich eine übersehen habe,...




      Ein Wesen, von dem sicher ist, dass es alles weiß, ist frei.




      LGBlue
      Wenn du jemanden nicht überzeugen kannst, verwirre ihn.
    • Hi,

      Bluedragon schrieb:

      Freiheit gibt es nicht. ...
      Vernunft kann auch vernünftig falsch liegen

      Auch keine Gefühle,....

      Das einzige, was Freiheit bedingen könnte, ist Wissen.

      Allerdings ist "Wissen" nie absolut. Wahrheiten sind absolut, aber der Mensch kann diese nicht wahrnehmen.
      (Ist das Matrix-Phänomen, Neo glaubte auch zu wissen, dass seine Welt real sei).


      Naja, als Weg doch nicht übel. Du müsstest also die menschlichen Erkenntnisformen analysieren.

      Gefühle bspw. sind (zum überwiegenden Teil) das resultierende Steuersignal aus Erkenntnissen des Unbewussten.
      ( also der Teil des Erkenntnisapparates den wir mit den höheren Tieren gemeinsam haben) -> ich nenne das in meiner Phil dreidimensionale Kognition (da es kein Sinnesorgan für die Zeit gibt sondern selbige nur über den Verstand (erweitertes Bewusstsein -> vierdimensionale Kognition) rekapituliert wird.

      Spinoza/Engels:

      Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit und das Handeln danach.


      ich übersetze das in etwa so:

      Freiheit ist das Produkt aus Wissen (Erkenntnis) und erkenntnisbasiertem Handeln.... o.s.ä.

      mag Philzer
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • "Fröhlichkeit und Zorn, Kummer und Freude, Sorgen und Bedauern, Zaudern und Verzagtheit, Unsicherheit und Verzweiflung, Offenheit und Betroffenheit.
      Sie alle sind wie das Klingen von leeren Röhren, wie Pilze, die aus bloßer Feuchtigkeit sprießen.
      Tag und Nacht wechseln sie sich in uns ab, doch niemand weiß, woher sie kommen.
      Genug! Genug!
      Im Augenblick, wo du Dies erfasst, begreifst du, woher sie kommen!
      "
      Das Buch der Spontaneität - Über den Nutzen der Nutzlosigkeit und die Kultur der Langsamkeit
      Wenn wir Sprache und Denken aufgeben, können wir über alles hinausgehen. (Meister Sosan)
      „Langfristig gesehen sind wir alle tot“ (Meister Keynes)
    • Philzer schrieb:


      Spinoza/Engels:

      Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit und das Handeln danach.


      Ich finde dies eine der treffendsten Definitionen über Freiheit.

      Denn es besagt in erster Linie, dass sich der freiheitliche Mensch bewusst ist, dass es "auch anders sein könnte".
      Unabhängig inwiefern Menschen die tatsächliche Realität wahrnehmen können und unabhängig davon, wie reich der Wissensschatz ist - er weiss dass sich die Dinge auch anders gestalten könnten.
      Das sollte einfach mal gesagt werden
    • @Joachim
      Na Klasse - ich red von der höcht-denkbaren Freiheit des Mystikers und Du kommst mit irgendeiner proletarischen Tusse.
      Patsch - das erdet unwahrscheinlich! lol

      Freiheit ist eine Frage des Bewußtseins. Mit einem veränderten Bewußtsein gegenüber dem Normal-Bewußtsein wie es zB. bei der tibetischen Versenkung erreicht wird sieht das schon ganz anders aus.

      Das Thema BEFREIUNG wurde auch noch nicht angesprochen. Wahrscheinlich wegen der Unfreiheit in der abendländischen Philosophie gefangen zu sein. :-9

      siehe das als Stichwort hier z.B. pub.uni-bielefeld.de/download/2304881/2304884

      LG
      W.

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    • Die Freiheit ist ein wundersames Tier

      Wieder einmal muss ich beobachten, wie weltanschauliche Differenzen in persönliche Angiftungen umschlagen. Da finde ich den Spruch von Rosa Luxemburg sehr passend zu (bei manchen Beteiligten stört mich auch das Layout ihrer Texte, das den Lesefluss behindert). Und er weist in eine Richtung, die auch für das Thema hier zielführend ist.

      Neben allen Unterschieden können wir alle zwei Aspekte unserer Existenz feststellen:
      Erstens unsere Determiniertheit, also unsere Verflochtenheit mit der Welt, das komplexe Geflecht der Abhängigkeiten, in das wir alle verwickelt sind (ich denke, ihr wisst, was ich meine, daher führe ich das nicht weiter aus).
      Zweitens, die geistige Dimension unserer Existenz. Ich meine Geist als natürliches Phänomen, also nicht als metaphysisches Konstrukt. Es gibt da offenbar Personen, die sich als Einheit ansehen, die in einen Dialog mit sich selbst treten können, die ihren Fokus der Aufmerksamkeit lenken können, und so weiter. Ganz offensichtlich sind wir nicht bloße Marionetten irgendwelcher Einflüsse, sondern können auch selber als Akteur ins (geistige) Geschehen eingreifen.

      Wie passt das zusammen? Ist das nicht ein Widerspruch? Nein, wir müssen weder unsere wissenschaftlichen Grundlagen aufgeben (wie z. B. die unbestreitbare Tatsache, dass die Physiologie des Gehirns Einfluss nimmt auf unsere geistigen Prozesse), noch unsere Überzeugung, eine gewisse Freiheit in unserem Denkeln und Handeln zu haben.

      Das Geflecht, in das wir eingebunden sind, ist nicht absolut. Es lässt Spielräume, Freiheitsgrade, die genutzt werden können. Und das ist kein Zufall, wir sind so "konstruiert" (es ist von Vorteil), dass wir uns wechselnden Umweltbedingungen flexibel anpassen können. Das spiegelt sich nicht nur in der Plastizität des Gehirns und in dem langen Zeitraum wider, den ein Mensch benötigt, um seine geistigen Potentiale zu entwickeln. Auch die Qualitäten der geistigen Eigenschaften sind optimal für diesen Zweck geeignet.

      Ich denke, das reicht fürs erste, um die Schärfe aus der Diskussion zu nehmen. Bleibt locker, wir haben immer die Möglichkeit, bestimmte Aspekte unserer Existenz fokussiert zu betrachten. Keiner davon schließt andere Aspekte aus. Freiheit und Unfreiheit sind nichts Besonderes, sondern selbstverständliche Grundbedingungen unserer Existenz. Ja sogar allen Seins.
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind. (A. Camus)