Philosophie des Schachspiels

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    • Philosophie des Schachspiels

      Seit meiner Jugend trage ich den Gedanken mit mir herum, das Bewusstsein durch eine Philosophie des Schachspiels darzustellen, genauer, das Verhältnis von Geist (Bewusstseinsinhalte) und Bewusstsein. Dabei stellt das Bewusstsein das Schachbrett dar, der Geist, also die einzelnen Bewusstseinsinhalte stellen dann die Figuren dar, die lediglich auf dem Schachbrett verschoben werden. Bewusstsein und Geist verhalten sich dabei wie Form und Inhalt.

      Interessant ist, dass mindestens zwei Philosophen vor mir das Bild des Schachspiels gebraucht haben, um ihre Philosophie deutlich zu machen:
      1. Machiavelli (Der Fürst) - Stichwort "Macht"
      2. Spinoza (Ethik, nach geometrischer Methode dargestellt) - Stichwort "Substanz".

      Ich werde beide Philosophien kurz vorstellen... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Machiavelli: Der Fürst

      Machiavelli nannte seinen „Fürst“ ursprünglich „Fürstenherrschaft“. Nach einer 15-jährigen
      Untersuchung der im 16. Jahrhundert herrschenden Machtpolitik schrieb er dieses Buch während
      seines Exils auf dem Lande. Es untersucht das Erlangen von Macht und den Machterhalt.
      Dabei wird vor keinem noch so schändlichen Mittel zurückgeschreckt. Ein Beispiel von vielen:
      „Ferner muss der Herr (Fürst) einer fremdländischen Provinz sich zum Oberhaupt und
      Beschützer des schwächeren Nachbarn machen und die Mächtigsten unter diesen zu schwächen
      suchen; auch muss er verhüten, dass ein Fremder, der so mächtig ist wie er selbst, bei
      irgendeinem Anlass ins Land dringt; denn immer wurden solche von Unzufriedenheit, aus
      Ehrgeiz oder aus Furcht ins Land gelassen.
      So oder so ähnlich zieht sich ein einzigartiger ideologischer Redeschwall der Macht und
      Machterhaltung durch das gesamte Werk. Es liest sich eigentlich wie eine Taktik oder Strategie für
      ein politisches Mühle-Dame-Schach-Spiel. Ich habe es interessanter Weise gleichzeitig mit
      Gedichten von Pablo Neruda gelesen, und so schlägt einem der ganze Zynismus diese demiurgischen
      Machtprinzips von Machiavelli wie Hohn ins Gesicht. Nicht umsonst ist Machiavelli der Begründer eines
      politischen Chauvinismus der schlimmsten Art. Es ist wirklich traurig, dass man in der Politik
      heute noch so viele Machiavellisten finden kann, ja, dass die ganze heuchlerische Staatspolitik
      von einigen selbst Machiavellismus genannt wird. Wir leben eben stellenweise immer
      noch im tiefsten Mittelalter. Gruß Joachim Stiller Münster
    • Spinoza: Ethik, nach geometrischer Methode dargestellt

      Ich möchte nun noch eben auf das Werk "Ethik, nach geometrischer Methode dargestellt (Ethica more geometrico demonstrata) von Spinoza eingehen, und zwar auf den 1. Teil des Werkes, der sich im Gegensatz zum 2. Teil (Ethik) mit Metaphysischen Fragen beschäftigt.

      Dazu lass ich einen kurzen Abschnitt aus dem Werk "Kleine Weltgeschichte der Philosophie" von Hans Joachim Störig folgen (6. Auflage, S.370-371):
      "Ausgangspunkt ist der Begriff der "Substanz". Darunter ist nicht, wie man nach heutigem Sprachgebrauch annehmen könnte, die Materie zu verstehen. Man kommt der Sache näher, wenn man sich vergegenwärtigt, dass das lateinische Wort Substanz wörtlich das "Darunterstehende" bedeutet. Spinoza meint mir diesem Begriff das Eine oder Unendliche, das unter oder hinter allen Dinges steht, dass alles Sein in sich vereinigt und begreift. Die Substanz ist ewig, unendlich, aus sich selbst existierend. Es gibt nichts außerhalb ihrer. So verstanden ist aber der Substanzbegriff gleichbedeutend mit dem Begriff "Gott" und als Inbegriff alles Seienden zugleich auch gleichbedeutend mit dem Begriff Natur. So steht am Anfang der Gedanken Spinozas die Gleichung

      .........................................Substanz = Gott = Natur

      Der Substanz steht der Begriff "Modus" gegenüber. Modus ist alles, was nicht wie die Substanz aus sich selbst heruas zugleich frei und notwendig besteht (denn Notwendigkeit und Freiheit fallen hier zusammen) - also alles, was durch anderes bedingt ist, wir können sagen, die Welt der Dinge im weitesten Sinne, die Welt der (endlichen) Erscheinungen. Im normalen Sprachgebrauch bezeichnen wir diese Welt eigentlich als Natur. Auch Spnoza ist das bekannt. Um hier ein Missverständnis auszuschließen, verwendet er zwei Begriffe der Natur: Natur im oben zuerst genannten allumfassenden Sinne bezeichnet er als "schaffende Natur" (natura naturans), Natur als Inbegriff der endlichen Dinge als "geschaffene Natur" (natura naturata)." (Störig)

      Anmerkung: Darüber hinaus unterscheidet Spinoza auch grundsätzlich zwei Substanzen, nämlich die geistige Substanz und die physische Substanz. Ich habe es jetzt nur mit meinen eigenen Worten gesagt. Dann kommt man eigentlich dahin, die obige Gleichung von Spinoza in zwei Gleichungen aufzuspalten, wobei sich die eine dann auf Gott, die andere auf die Natur bezieht:

      ..........................1. Formel:..Geistige Substanz = Gott= Schaffende Natur

      ..........................2. Formel:..Physische Substnaz = Natur = Geschaffene Natur

      Ich hatte eine Zeit lang den Gedanken, das Werk von Spinoza einfach neuzuschreiben. Dann hätte ich die berühmte Gleichung von Spinoza im obigen Sinne ausdifferenziert.

      "Da die menschliche Sprache keinen der Welt der mathematischen Symbole vergleichbare Zeichensprache ist, sondern ein aus unbekannter Vorzeit übernommenes Erbe organisch gewachsener Formen, so schwingt in jedem Wort, wie sehr man es auch begrifflich definieren und festnageln mag, immer vieles Ungesagte, aus der Vergangenheit des Wortes und des menschlichen Denkens überhaupt Überkommene mit. Daher geschieht es bei Spinoza - was wir auch zum Beispiel bei Kant beobachten können -, dass er sich an die von ihm festgelegten Definitionen selber oft nicht genau hält, zum Beispiel für "schaffende Natur" lieber Gott, für "geschaffene Natur" lieber Natur schlechthin gebraucht.
      Jedes endliche Ding ist also durch ein anderes bedingt. Wodurch? Spinoza selbst gebraucht zur Veranschaulichung seiner Grundbegriffe (Anm: und das ist genau der Punkt, der in diesem Thread von Bedeutung ist) folgendes Beispiel (Bild): Denkt man sich die unendliche Substanz dargestellt durch eine unermesslich große Fläche, etwa ein Blatt Papier, so entsprechen die Modi, die Einzeldinge den Figuren, die in die Fläche hineingezeichnet werden können. Teilen wir die Fläche beispielsweise in lauter kleine Quadrate ein, fassen ein bestimmtes ins Auge und fragen, wodurch dieses Quadrat bedingt sein, so ist die Antwort: durch die es umgebenden Nachbarquadrate, nicht dagegen, mindestens nicht unmittelbar, durch die ganze Fläche. Natürlich würde es nicht sein, wenn nicht zuvor diese Fläche wäre. Entsprechend lehrt Spinoza, dass jedes endliche Ding immer nur durch andere endliche Dinge bestimmt ist, dass aber kein endliches Ding Gott zu seiner unmittelbaren Ursache hat.
      Wenn kein endliches Wesen unmittelbar aus Gott folgt, mittelbar aber alles, so muss zwischen Gott als der unendlichen Substanz und den einzelnen Modi noch ein Zwischenglied sein. Welches ist dieses Glied? Kehren wir noch einmal zu unserem Beispiel (Bild) zurück. Ein bestimmtes Quadrat in der Fläche ist bestimmt durch die es umgebenden Nachbarquadrate. Diese sind wiederum durch die umgebenden Quadrate bestimmt. Gehen wir immer weiter hinauf, so stoßen wir schließlich auf die unendlich große Gesamtheit aller möglichen Quadrate, ein Umfassendes, das gleichbleibt, wie sich auch die Aufteilung der Flächen im einzelnen ändern mag. Diese absolute Summe aller Modi nennt Spinoza "unendliche Modifikation", die unmittelbar aus Gott folgt. Wir haben also eine dreifache Stufenfolge: Die unendliche Substanz (=Gott), die absolute Summe aller Modi (=alles), die einzelnen Modi (= Natur)." (Hans Joachim Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie)

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Das Schachspiel als Bild für das Bewusstsein

      Was mich an der Darstellung von Spinoza etwas stört, ist, dass er die Figuren in die einzelnen Felder hineinzeichnet, und, anstatt die Figuren auf dem Brett zu verschieben, nur die einzelnen Felder austauscht. Ich selber möchte gerne, genau wie bei einem richtigen Schachspiel auch, die dritte Dimension aufrechterhalten. Ich selber finde es so jedenfalls außerordentlich plastisch. Noch einmal: Bewusstsein und Geist (Bewussstseinsinhalte, denn Geist ist nichts anderes, als die "Inhalte" des Bewusstseins) verhalten sich wie die Form zum Inhalt. Das Bewusstsein stellt die Form dar, in der Analogie mit dem Schachspiel das Schachbrett. Der Geist (Bewusstseinsinhalte) stellt die Inhalte des Bewusstseins dar, also die einzelnen Figuren auf dem Schachbrett. Dabei können die Figuren jeder Zeit verschoben werden, wodurch das speziell prozesshafte der Bewusstseinsprozesse dargestellt wird... Danke und Gruß Joachim Stiller Münster
    • Der Steppenwolf von Hermann Hesse

      In dem Werk "Vom Unsinn des Sinns oder Vom Sinn des Unsinns" von Paul Watzlawick fand ich folgende großartige Passage:

      Der Steppenwolf ist ein am Leben verbitterter, älterer Mensch, der im Laufe des Romans von Pablo in eine ganz neue Welt eingeführt wird. eines Nachts gerät er ins Magische Theater, wo ihm Pablo erklärt, dass dieses Theater aus voelen Logen bestehe und sich hinter jeder Logentür eine vin ihm frei gewählte Wirklichkeit befinde. In der Loge, die der Steppenwolf daraufhin betritt, erklärt ihm ein Schachmeister:
      "Die Wissenschaft hat insofern recht, als natürlich keine Vielheit ohne Führung, ohne eine gewisse Ordnung und Gruppierung zu bändigen ist. Unrecht dagegen hat sie darin, dass sie glaubt, es sei nur eine einmalige, bindende, bebenslängliche Ordnung der vielen Unter-Ichs möglich. (...) Wir ergänzen daher die lückenhafte Seelenlehre der Wissenschaft durchd en Begriff, den wir Aufbaukunst nennen. Wir zeigen demjenigen, der das Auseinanderfallen seines Ichs erlebt hat, dass er die Stücke jederzeit in beliebiger Ordnung neu zusammenstellen und dass er damit eine unendliche Mannigfaltigkeit des Lebensspiels erzielen kann. Wie der Dichter aus einer Handvoll Figuren ein Drama schafft, so bauen wir aus den Figuren unseres zerlegten Ichs immerzu neue Gruppen, mit neuen Spielen und Spannungen, mit ewig neuen Situationen." (...) Dann strich er mit heiterer Gebärde über das Brett, warf alle Figuren sachte um, schob sie auf einen haufen und baute nachdenklich, ein wählerischer Künstler, aus denselben Figuren ein ganz neues Spiel auf, mit ganz anderen Gruppierungen, Beziehungen und Verflechtungen. Das zweite Spiel war dem ersten verwandt: es war dieselber Welt, dasselbe Material, aus dem er es aufbaute. Aber die Tonart war verändert, das Tempo gewechselt, die Motive anders betont, die Situationen anders gestellt.
      Und so baute der kluge aufbauer aus den Gestalten, deren jede ein Stück meiner selbst war, ein Spiel ums andere auf, alle einander von ferne ähnlich, alle erkennbar als derselben Welt angehörig, derselben Herkunft verpflichtet, dennoch jedes völlig neu.
      (Hermann Hesse: Der Steppenwolf, Suhrkamp, S.209)
      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Schachspiel-Analogie

      Du möchtest keine "Philosophie des Schachspiels" darstellen, du möchtest das Bewusstsein als Schachspiel-Analogie darstellen. Schade, habe mich schon gefreut, denn auch ich bin dem Schachspiel zugeneigt. Vielleicht öffne ich selber demnächst ein entsprechendes Thema. Bedauerlich, dass der passende Name dafür nun schon vergeben ist.
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind. (A. Camus)
    • Ich kenne Sid Sackson. Er ist einer der größten Spielesammler in den USA. Ich habe sein Buch gehabt. Und daher kenn ich auch das Spiel Focus. Das ist als Strategiespiel gar nicht so übel... Mach echt Spaß...

      jstiller.js.funpic.de/download/spielspass1.pdf

      Das Glasperlenspiel von Hesse ist was ganz anderes. Ich persönlich halte aber nichts vom "Glasperlenspiel". Auch wenn es Hesses einziger umfassender Roman ist, so halte ich es doch für sein mit Abstand schlechtestes Werk... Mir persönlich ist es zu säkularisiert. Denn das in dem Buch thematisierte Glasperlenspiel spielt in dem Roman von Hesse nur im Diesseits. In meiner eigenen Vorstellungswelt - es gibt das Galsperlenspiel tatsächlich - existiert es nur nachtodlich, also im Jenseits. Es gibt im himmlischen Jerualem eine Halle des Wissens. Dort kann man sich unter das Galsperlenspiel stellen, und wird unter den kosmsichen Klängen des Spiels - eine Art Kristall des Wisssens - von Liebe und Weisheit nur so überflutet. Das ist jedenfalls meine Vorstellung vom Gasperlenspiel. In meinr Zeit als Schriftsteller wollte ich immer einmal ein klassisches Theaterstück schreiben, das dieses himmlische Glasperlenspiel einmal thematisiert, einschleißlich verschiedener Reisen vom Diesseits in Jenseit und zurück, vergleichbar den bekannten Nahtodeserfahrungen, in denen stellenweise besagtes Glasperlenspiel auch als Nebenmotiv auftaucht... Wie gesagt, das Glasperlenspiel von Hesse ist in dieser rein exoterischen Form einfach miserabel... Es untergräbt praktisch die gesamte spirituelle Phyntasie des Menschen... Schade...


      Das himmlische Jerusalem

      Ich steh auf einem hohen Berg,

      Und sehe in die Ferne;
      Ich sehne mich nach fremdem Land,
      Es leuchten mir die Sterne.

      Ich wär‘ so gern im Andersland,

      In einer fremden Stadt;
      Im himmlischen Jerusalem,
      Das goldne Dächer hat.

      Es hat auch einen Stein aus Glas,

      Aus dem es Weisheit regnet;
      Überall wächst grünes Gras,
      Gott hat die Stadt gesegnet.

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Joachim Stiller schrieb:

      In dem Werk "Vom Unsinn des Sinns oder Vom Sinn des Unsinns" von Paul Watzlawick fand ich folgende großartige Passage:

      Der Steppenwolf ist ein am Leben verbitterter, älterer Mensch, der im Laufe des Romans von Pablo in eine ganz neue Welt eingeführt wird. eines Nachts gerät er ins Magische Theater, wo ihm Pablo erklärt, dass dieses Theater aus voelen Logen bestehe und sich hinter jeder Logentür eine vin ihm frei gewählte Wirklichkeit befinde. In der Loge, die der Steppenwolf daraufhin betritt, erklärt ihm ein Schachmeister:
      "Die Wissenschaft hat insofern recht, als natürlich keine Vielheit ohne Führung, ohne eine gewisse Ordnung und Gruppierung zu bändigen ist. Unrecht dagegen hat sie darin, dass sie glaubt, es sei nur eine einmalige, bindende, bebenslängliche Ordnung der vielen Unter-Ichs möglich. (...) Wir ergänzen daher die lückenhafte Seelenlehre der Wissenschaft durchd en Begriff, den wir Aufbaukunst nennen. Wir zeigen demjenigen, der das Auseinanderfallen seines Ichs erlebt hat, dass er die Stücke jederzeit in beliebiger Ordnung neu zusammenstellen und dass er damit eine unendliche Mannigfaltigkeit des Lebensspiels erzielen kann. Wie der Dichter aus einer Handvoll Figuren ein Drama schafft, so bauen wir aus den Figuren unseres zerlegten Ichs immerzu neue Gruppen, mit neuen Spielen und Spannungen, mit ewig neuen Situationen." (...) Dann strich er mit heiterer Gebärde über das Brett, warf alle Figuren sachte um, schob sie auf einen haufen und baute nachdenklich, ein wählerischer Künstler, aus denselben Figuren ein ganz neues Spiel auf, mit ganz anderen Gruppierungen, Beziehungen und Verflechtungen. Das zweite Spiel war dem ersten verwandt: es war dieselber Welt, dasselbe Material, aus dem er es aufbaute. Aber die Tonart war verändert, das Tempo gewechselt, die Motive anders betont, die Situationen anders gestellt.
      Und so baute der kluge aufbauer aus den Gestalten, deren jede ein Stück meiner selbst war, ein Spiel ums andere auf, alle einander von ferne ähnlich, alle erkennbar als derselben Welt angehörig, derselben Herkunft verpflichtet, dennoch jedes völlig neu.
      (Hermann Hesse: Der Steppenwolf, Suhrkamp, S.209)
      Gruß Joachim Stiller Münster

      Ich kenne zwar den "Steppenwolf", aber diese Passage ist mir gar nicht so bewußt.

      Das mit den Ichs ist ja eine aktuelle Diskussion mit Prechts: "Wer bin ich. Und wenn ja, wie viele."

      Aufbaukunst: Soll das die Philosophie leisten?

      Macky
      "Und der Haifisch, der hat Zähne ..." (B. Brecht)
      "EUROPA wird christlich oder es wird überhaupt nicht mehr sein" (Romano Guardini).
      "LEHRER: Warum sollen sie Beamte sein?" (Macky)
    • Kannst Du etwas näher erklären, was Du meinst? Ich bin durchaus interesssiert... Gruß Joachim Stiller Münster

      Übrigens, ich habe das Werk von Richard David Precht nicht gelesen, und ich habe auch nicht die Absicht, aber so viel ich weiß, geht es darin keineswegs um viele Ichs. Der Titel ist nur ein Werbegag für eine prophane Einführung in die Philosophie... Hintergurnd: In seiner Jugend, oder genauer, seiner Studentenzeit gingen er und sein Freund oft auf Kneipentouren, und einmals schlugen sie wohl etwas über ihre Stränge. Und da machte sich Precht wohl Sorgen um das Befinden seines Freundes, aber dieser begann auf Nachfragen einen Tanz über die Straße und rief aus vollem Hals: "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele!" Und da wusste Precht, dass seinen Freund nicht fehlte... Jedenfalls erzählt Precht diese Geschichte im Vorwort... Danach hatte ich keine Lust mehr, weiterzulesen... Das Rätsel war gelöst... ev-) Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()

    • Joachim Stiller schrieb:

      Seit meiner Jugend trage ich den Gedanken mit mir herum, das Bewusstsein durch eine Philosophie des Schachspiels darzustellen, genauer, das Verhältnis von Geist (Bewusstseinsinhalte) und Bewusstsein. Dabei stellt das Bewusstsein das Schachbrett dar, der Geist, also die einzelnen Bewusstseinsinhalte stellen dann die Figuren dar, die lediglich auf dem Schachbrett verschoben werden. Bewusstsein und Geist verhalten sich dabei wie Form und Inhalt.

      Interessant ist, dass mindestens zwei Philosophen vor mir das Bild des Schachspiels gebraucht haben, um ihre Philosophie deutlich zu machen:
      1. Machiavelli (Der Fürst) - Stichwort "Macht"
      2. Spinoza (Ethik, nach geometrischer Methode dargestellt) - Stichwort "Substanz".

      Ich werde beide Philosophien kurz vorstellen... Gruß Joachim Stiller Münster

      Das ist ein interessanter Gedanke. Ich kann da nur auf Emanuel Lasker verweisen:

      Emanuel Lasker: "Machologie"

      Macky
      "Und der Haifisch, der hat Zähne ..." (B. Brecht)
      "EUROPA wird christlich oder es wird überhaupt nicht mehr sein" (Romano Guardini).
      "LEHRER: Warum sollen sie Beamte sein?" (Macky)
    • Joachim Stiller schrieb:

      Kannst Du etwas näher erklären, was Du meinst? Ich bin durchaus interesssiert... Gruß Joachim Stiller Münster


      Ich beziehe mich auf den "Steppenwolf":

      "Die Wissenschaft hat insofern recht, als natürlich keine Vielheit ohne Führung, ohne eine gewisse Ordnung und Gruppierung zu bändigen ist. Unrecht dagegen hat sie darin, dass sie glaubt, es sei nur eine einmalige, bindende, bebenslängliche Ordnung der vielen Unter-Ichs möglich. (...) Wir ergänzen daher die lückenhafte Seelenlehre der Wissenschaft durchd en Begriff, den wir Aufbaukunst nennen. Wir zeigen demjenigen, der das Auseinanderfallen seines Ichs erlebt hat, dass er die Stücke jederzeit in beliebiger Ordnung neu zusammenstellen und dass er damit eine unendliche Mannigfaltigkeit des Lebensspiels erzielen kann"

      Was wird da gesagt?

      Gesagt wird, dass die Wissenschaft behaupte: "keine Vielheit ohne Führung". Und hier wird der Wissenschaft Recht gegeben.

      Ob die Wissenschaft so etwas behauptet, sei dahingestellt.

      Falsch liegt die Wissenschaft angeblich darin, daß sie nur eine Ordnung der Unter - Ichs propagiere.

      Daher sei eine Ergänzung nötig: Aufbaukunst.

      Einmal wird also der Wissenschaft unterstellt, sie wolle Führung. Ein andermal sie sei für "Unter - Ichs", d.h. es fehle die Integration.

      Ganz plausibel ist mir das nicht.

      Macky
      "Und der Haifisch, der hat Zähne ..." (B. Brecht)
      "EUROPA wird christlich oder es wird überhaupt nicht mehr sein" (Romano Guardini).
      "LEHRER: Warum sollen sie Beamte sein?" (Macky)
    • "Aufbaukunst: Soll das die Philosophie leisten?"

      Was sonst? Kunst kommt von künstlich - so was wie eine techné. Also Philosophen werdet kreativ und hört endlich auf, alles hinterfragen zu wollen.
      Insofern spielt ihr das falsche Spiel, daß ihr glaubt, ein Kant würde heute nicht anders, sondern so wie zu seiner Zeit schreiben. Kant ist tot.
    • @ Macky,

      ich persönlich halte überhaupt nichts von irgendeiner "Aufbaukunst" etwa im Sinne von: "Du kannst Sein, wer Du sein willst. Du musst Dich nur als denjenigen "erfinden", der Du gerne sein willst". Solches wird ja im Prinzip auch von dem amerikanischen Propheten Neale Donald Walsch in seinen Gesprächen mit Gott behauptet. Meine eigene Lebenserfahrung ist hingegen, dass das unmöglich ist. Das Ich, der eigene Charakter, der innere Wesenskern des Menschen ist eine Konstante, die praktisch nicht mehr veränderbar ist... Würde der Mensch in immer neue Rollen schlüpfen wollen, hieße das nur, sich immer neue "Maken" aufzusetzen. Aber es sind eben nur "Masken" und ich lehne das, genau wie das Schminken und Verkleiden vieler Frauen, mit aller Entschiedenheit ab... Warum drehen wir den Spieß nicht einfach um, und stellen fest, dass der Mensch nicht nur eine festgelegte Identitätt hat, sondern auch nur eine einzige Identität. Dann kann es nämlich, anders als Neals Donald Walsch uns weismachen will, nur noch darum gehen, möglichst im Einklang mit sich selbst, mit seinem innersten Wesen zu leben. Ich habe einmal gesagt:

      Leben immer im Einklang mit Dir selbst, dann lebst Du auch im Einklang mit Deinem Schicksal.

      youtube.com/watch?v=Ci4ZA6Nd6-E

      Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()

    • Du bist eben ein Schachspieler , nicht ein Fokusspieler.
      Aber Fokusspieler können auch Schachspieler sei, wenn sie die Fokus-"Türme" zu feststehenden Qualitäten machen und sich eigene, andere Spielregeln geben, die dann auch mal durchbrochen werden.
    • Joachim Stiller schrieb:

      Vielleicht... Gruß Joachim Stiller Münster


      Die lähmende Gewöhnung an das Elend heißt nicht wirklich leben zu wollen. Und Du hast einen starken Willen, warum fängst DU nicht an zu leben und hörst auf mit dem rauchen, anstatt Dich damit selbst zu zerstören ? Verschenk Dein Schachspiel und Deinen Fernseher und werde frei im Geist.
      Ich habe mein Schachspiel damals weggeworfen , um niemanden damit zu verletzen und den Fernseher verschenkt an einsame Arme.

      Sieh Dir mal die "Ähnlichen Themen" an, das würde mich ärgern so eingestuft zu werden vom System hier.
      Und vergiß den Spinoza.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Collegium Philiazoétarum ()

    • Du wirst lachen: Ich habe meine beiden Schachspiele und auch den Fernseher zwar nicht verschänkt, aber 1. spiele ich kein Schach mehr, und 2. sehe ich schon lange kein Fern mehr... Nur mit dem Rauchen... Na ja... Das hält mich aber nicht vom Leben ab... Und das Leben, das ist für mich die Philosophie... So einfach ist das... Manchmal muss man sich im Leben entscheiden. Und ich habe mich entschieden... Ich habe mal überlegt, im Alter in ein Kloster zu gehen... Vielleicht mache ich das noch mal. In Tibet würde ich es sofort tun... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Ja super.

      Dann schreib jetzt Deine Eigenphilosophie des Joachim Stiller auf und zeig mir das zur Durchsicht.

      :finger:

      ich mein mit Deinen Aphorismen haste ja schoon Einiges vorgelebt. nur könntest DU das mal etwas zusammenhängend schreiben.


      und ich sehe - Du hast als einer der wenigen hier die Forenregeln umgesetzt:

      Das Forum wird als Philosophie-Forum geführt, da jeglicher zwischenmenschlicher Austausch ein Ausdruck der eigenen Philosophie darstellt,

      übrigens : zu einer Philosophie des Fokus würd ich gern mitmachen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Collegium Philiazoétarum ()

    • 1. bin ich - wie schon Marx - ein ausgesprochener Eklektiker, und 2. ist die Zeit der philosophischen Systeme vorbei. Ich hatte auch mal den Traum, ein eigenes System zu schaffen, aber das ist heute nicht mehr drin... Heute werden eigentlich nur noch Einzelgedanken oder Einzeltheorien produziert, die dann meistens relativ zusammenhangslos nebeneinanderstehen. So auch bei mir... Hier mein erstes Hauptwerk (von zweien):

      jstiller.js.funpic.de/philosophie2.html

      Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()