Metaphysik -Kant und der Irrtum der Transzendenz

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    • Metaphysik -Kant und der Irrtum der Transzendenz

      Kant meinte, es sei Metaphysik deshalb nicht möglich, weil sie sich auf
      die Transzendenz bezieht. Das ist aber ein Irrtum Kants. Die Metaphysik
      bezeiht sich einzig auf das Sein. Und das Sein ist eben niemals
      transzendet, sonder kann von jedem immer und überall erfahren werden.
      Warum also sollte ich mir von Kant verbieten lassen, über meine
      existentiellste Erfahrung nachzudenken? Danke und Gruß Joachim Stiller
      Münster
    • Eine Anmerkung: Eigentlich war dieser Beitrag als Antwort auf den
      letzten Beitrag von Fomalist im wissenschaftlichen Otologie-Block
      gedacht. Formalist meinte, Kants Außerkraftsetzen der Metaphysik würde
      auch mich aus meiner selbstverschuldeten Unmünsigkeit befreien. Was für
      ein Missverständnis... Allein dieser Beitrg oben ist nach hierhin
      verschoben worden, da er von den Admis wohl für unwissenschaftliche,
      und damit für rein subjektiv erachtet wurde... Auch das ein
      bedauerliches Missverständnis. Aber wir können das Eingangsposting
      gerne auch unter dem Gessichtspunkt einer korrekten Kantrezeption
      diskutieren. Dann zeigt sich nämlich, dass es sich genau so mit Kants
      Dilletantismus in der Frage nach der philosophiegeschichtlichen
      Entwicklung verhält. Und ich glaube auch, dass sich das mühelos bei
      Kant selber nachweisen lässt. Bisher hatte ich damit jedenfalls nie
      größere Schwierigkeiten damit... Und die schwache Resonanz auf meine
      Beiträge zeigt mir immer den stillschweigenden Zuspruch der User. Ist
      es nicht so?



      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Ich lasse kurz einen Auszug aus einem Wiki-Artikel folgen:

      "Kant bedeutet auch für die Metaphysik eine „kopernikanische Wende".
      Die klassische Metaphysik erscheint ihm nurmehr als eine „Worthülse“ -
      andererseits fühlt er sich dennoch ihrem universalen Anspruch verpflichtet.
      Er will eine Metaphysik begründen, „die als Wissenschaft wird auftreten können“.
      Dazu muss er untersuchen, ob und wie Metaphysik überhaupt möglich
      ist. Kants Ansatz nach sind die letzten Fragen und das allgemeine
      Gefüge der Wirklichkeit mit im Subjekt liegenden Bedingungen untrennbar
      verknüpft. Dies bedeutet für ihn, die Fundamente und Strukturen der
      menschlichen Erkenntnis systematisch zu beschreiben und die Grenzen
      ihrer Reichweite zu bestimmen, insbesondere zwischen möglichen und
      illegitimen Erkenntnisansprüchen zu unterscheiden (Kritizismus). Diese
      Analyse legt Kant mit seiner Kritik der reinen Vernunft (1781/87) vor.
      Entscheidend ist dabei die epistemologische
      Vorgabe, dass dem Menschen die Wirklichkeit prinzipiell nur so
      erscheint, wie dies durch die besondere Struktur seiner
      Erkenntnisvermögen bedingt ist. Ein Erkenntniszugriff auf "Dinge an
      sich" unabhängig von diesen Erkenntnisbedingungen ist daher unmöglich.
      Erkenntnis setzt für Kant Denken und Anschauung
      voraus. Metaphysische Gegenstände wie „Gott“, „Seele“ oder ein
      „Weltganzes“ sind aber nicht anschaulich gegeben. Die traditionelle
      Metaphysik sei daher undurchführbar." (Wiki)

      Mit anderen Worte, der
      Versuch einer Metaphysik als Wissenschaft muss scheitern, es gibt eine
      solche Wissenschft schlechterdings "nicht".
      Metaphysik im traditionellen Sinne ist somit undurchführbar, weil uns
      die Gegenstände der Metaphysik nicht unmittelbar gegeben sind. Und was
      ist mit dem Sein? Ist uns das Sein, also der eigentliche und einzige
      Gegenstand wahrer Metaphysik nicht eigentlich gegeben (siehe
      Aristoteles und Thomas von Aquin)? Und genau darüber sind denn auch
      Heidegger und Jaspers in den obigen beiden Zitaten gesolpert.
      Einerseits wollen sie Kant recht geben, denn Kant kann sich ja nicht
      irren (allein sie verstehen Kant nicht) andererseit haben sie eine
      instiktive Ahnung, ein instiktives Gefühl, dass da was faul ist, bei
      der kantschen Argumentation, und so helfen sie sich mit gedanklichen
      Krücken: Heidegger mit der "Erschrockenheit der Seins an sich, dass
      sich sozusagen gerne aus der Affaire zieht", und Jaspers mit dem Sein
      als einem "Nichts". Entschuldigt mal, aber wo haben die eigentlich
      ihren Verwstand gelassen? Konsequnet wäre einzig und allein gewesen,
      Kant bereits an dieser Stelle vom Sockel zu stürzen... Aber noch ist es
      dafür nicht zu spät... Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()

    • Ich könnte mir vorstellen, dass Kant von einer "kopernikanischen Wende" sprach, weil er die Hoffnung hatte, das fruchtlose "Herum-Spekulieren" der klassischen Metaphysik, zu beenden, nicht aber, weil er dies "sicher" annahm.

      Diese Spielwiese möchte sich ja auch das Forum nicht nehmen lassen.

      Auch Wittgenstein forderte später erneut: "Schweigen, worüber man nichts sagen kann".
      Auch er ohne durchschlagenden Erfolg.

      Kant hätte jedenfalls hier als Forums-Mitglied sicher keinen leichten Stand gehabt.
      Was "viel-sagend" seien könnte ...
      ... aber vermutlich in den Ohren Vieler "nichts-sagend" klingt.


      Man stelle sich vor, Kopernikus wäre heute genauso umstritten !?

      Wir würden noch "auf den Bäumen leben".

      Warum hat eine "Kant-Mißachtung" viel weniger Wirkung ?

      Vermutlich weil die meisten "philosophie-fernen" Menschen ganz instinktiv "a-metaphysisch" leben.

      Pointiert vermutet:
      Nicht Kant, sondern der "common sense", überwindet Metaphysik täglich.
      Sehr beruhigend !
    • @ Formalist,

      glaube ich nicht, eher wird Kant täglich überwunden...

      Kant ist im Unrecht, wenn er glaubt, die Metaphysik bezöge sich auf eine wie auch immer geartete Transzendenz, und könne daher in einem traditionellen Sinne nicht "wissenschaftlich" betrieben werden. Demgegenüber bezieht sich tatsächlich nur die spekulative Mystik auf die Transzendenz. Kant hätte also Recht, wenn er sagen würde, die spekulative "Mystik" bezöge sich einzig auf die Transzendenz und könne daher niemals wissenschftlich betrieben werden, obwohl sie diese immer und immer wieder beteuert hat (Stichwort Mathesis, also Mystik als exakte Mathematik). Das ist dann aber bitteschön etwas völlig anderes. Metaphysik und Mystik sind eben nicht dasselbe. allein Kant hat beide verwechselt. Gruß Joachim Stiller Münster
    • Joachim Stiller schrieb:

      Metaphysik und Mystik sind eben nicht dasselbe. allein Kant hat beide verwechselt.
      Wie schon erwähnt, Kant wäre hier genauso geschlachtet worden, wie Jeder andere auch.
      Da ist das Forum gerecht. :)

      Du hast aber auch schon Einsteins Relativitäts-Theorie geschlachtet.
      Und auch die Wirtschaftswissenschaften gerettet.
      Ebenso nanntest Du Dich Revolutionär des Schachspiels.

      Wie ist es eigentlich mit Kopernikus ?
      Hatte der ausnahmsweise mal Recht ?
    • Ich möchte mich kurz korrigieren. Auch die Metaphysik enthält solche rein spekukativen Elemente, die sich auf die Transzendenz beziehen. Jeder Scholastiker weiß das. Allein ihr Kerngeschäft ist das nicht. Im Kern bezieht sich die Metaphysik auf das Sein, und damit auf die wahrnehmbare Wirklichkeit, von der sie abstrahiert. Metaphysik erhebt somit keineswegs den Anspruch, rein aus dem Verstande gewonnen zu sein... Gruß Joachim Stiller Münster
    • In Bezug auf die Kritik der reinen Vernunft (KdrV) möchte ich einmal drei Problemkreise unterscheiden. Zunächst einmal ist das die Kritik von Rudolf Steiner an der Unterscheidung von analytischen und synthetischen Urteilen. Dieser Problemkreis steht sozusagen in der Mitte. Die gesamte Anthroposophie gründet sich praktisch auf dieser Kritik. Ich selber bin allerdings der Auffassung, dass diese Kritik ins Leere läuft, zum Steiner später eine ganz ähnlich Unterscheidung trifft, nämlich die zwischen Beobachtungserkenntnis, und leibfreier Erkenntnis des reinen Denkens. Ich lasse den in Frage kommenden Aufsatz von Steiner aus GA 3 kurz folgen:

      anthroweb.info/kants_grundfrage.html

      Der Zweiter Problemkreis, er kommt, sagen wie einmal, von der linken Seite, bezieht sich auf das Ding an sich. Dazu vertrete ich die die Grundposition des Realismus. Kant hätte das sicherlich auch gut zu Gesicht gestanden. Zum Ding ans sich siehe auch den "Ding an sich Thread" im Hauptforum.

      Der Dritte Problemkreis ist der, der Thema dieses Threads ist, nämlich die Frage, das Metaphysik keine Sache des reinen, leibfreien Denkens ist, sondern sich auf die wahrgenommen Dinge selber bezieht, und von diesen lediglich abstrahiert. Zumindest meistens. Dieser Problemkreis lehnt sich nun von der rechten Seite an Kant an. Genaueres nachdenken über diesen Problemkreis führt dazu, dass Metaphysik im klassischen Sinne eben doch möglich ist, und das trotz Kritik der reinen Vernunft, einfach weil diese in Bezug auf die Metaphysik völlig ins Leere läuft. Der einzige Vorteil der KdrV ist, dass Kant geklärt hat, was denn genau vor jeder Erfahrung im Verstande liegt, und was nicht... Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()

    • Zur Rehabilitation der Metaphysik

      Kant macht in der Kritik der reinen Vernunft eine wichtige Voraussetzung. Er behauptet, metaphysische Urteile seien synthetische Urteile a priori. Das ist aber gar nicht unbedingt der Fall. Metaphysische Urteile sind in Wahrheit "entweder" analytische Urteile a priori, "oder" synthetische Urteile a priori. Im letzteren Fall wären sie nicht gültig, im ersteren Fall hingegen schon. Das muss dann aber bitte im Einzelfall entschieden werden... Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()

    • Nur mal hier so ganz allgeimein reingeworfen. Natürlich ist das vollkommen falsch, zu behaupten, Ontologie wäre das Kerngeschäft der Metaphysik. DIe Metaphysik spaltet sich klassisch in Ontolgoie und natürliche Theologie auf. Fertig. Und da niemand Ontologie ungefähr schon seit Aristoteles aber schon gar nicht mehr seit Kant in reinform betreiben will, wurde und wird viel nat. Theologie betrieben in der Metahpysik.
      War on the Saints.
    • Apostasis schrieb:

      [...] wird viel nat. Theologie betrieben in der Metahpysik.

      Quelle:
      Die theologia naturalis also die natürliche Theologie ist innerhalb der Theologie die Lehre von Gott die aus natürlichen Quellen schöpft.

      Diesen Eindruck habe ich auch.
      "Wir alle, die wir in freien und offenen Gesellschaften leben wollen: Wir alle haben ein Problem mit dem Islam" (Heiko Heinisch; in: European, 20. Januar 2015). — "Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal hat kürzlich als Zeuge vor Gericht in Paris gesagt, der Antisemitismus sei Teil der islamischen Kultur, er werde im Koran, in den Moscheen und in den Familien verbreitet" (FAZ, 11. Dezember 2017). — "Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht verwirkt" (Sahra W.).
    • Ja. Ist doch vollkommen richtig die Definition. Ich weiss grad nicht, wie dein Post gemeint ist, sorry. ;/

      Also hier hat Gott nichts mit dem Gott der Offenbarungstheologie zu tun. Gott meint nämlich in der natürlichen Theoligie die Frage nach der Allgemeinheit. Sozusagen die denkerische Durchdringung des Weltzusammenhanges mit wissenschaftlichen Methoden.

      Das hat überhaupt nichts mit Religion oder Glaube zu tun, und wie der Begriff Gott dort verwendet wird. Hier gehts um die metaphysica specialis!
      War on the Saints.
    • No, da muss ich widersprechen. Ich selber betreibe Metaphysik ausschließlich als Ontologie. Ich muss das einfach einmal feststellten. Und die Neuscholsastik tut es, zumindest in erster Linie, auch. Könnte es sein, dass es sich da bei Euch um ein reines Vorurteil handelt, dass eigentlich nur dem Kantschen Missverständnis geschuldet ist? Gruß Joachim Stiller Münster
    • Wenn ich diesen Thread überfliege, scheint es mir, dass es ein grundsätzliches Missverständnis gibt: Kant hat keineswegs die Unmöglichkeit von Metaphysik behauptet oder deren Abschaffung gefordert. Mit der KrV wollte er, wie auch in der Vorrede zur 2. Auflage klargestellt wird, die Metaphysik zur wahren Wissenschaft machen, die sichere Erkenntnisse erlangen kann, indem sie durch den transzendentalen Idealismus auf eine methodische Grundlage gestellt wird, die Antinomien und damit das Hindernis für die Entstehung eines fundierten Lehrgebäudes der Metaphysik beseitigt.
    • Jazzman schrieb:

      Kant hat keineswegs die Unmöglichkeit von Metaphysik behauptet oder deren Abschaffung gefordert. Mit der KrV wollte er, wie auch in der Vorrede zur 2. Auflage klargestellt wird, die Metaphysik zur wahren Wissenschaft machen, die sichere Erkenntnisse erlangen kann, indem sie durch den transzendentalen Idealismus auf eine methodische Grundlage gestellt wird, die Antinomien und damit das Hindernis für die Entstehung eines fundierten Lehrgebäudes der Metaphysik beseitigt.

      Die Frage wäre nun, ob die von Kant gewählte Methodik und die damit erzielten Ergebnisse brauchbar sind.
      "Wir alle, die wir in freien und offenen Gesellschaften leben wollen: Wir alle haben ein Problem mit dem Islam" (Heiko Heinisch; in: European, 20. Januar 2015). — "Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal hat kürzlich als Zeuge vor Gericht in Paris gesagt, der Antisemitismus sei Teil der islamischen Kultur, er werde im Koran, in den Moscheen und in den Familien verbreitet" (FAZ, 11. Dezember 2017). — "Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht verwirkt" (Sahra W.).
    • Joachim Stiller schrieb:

      Was meinst Du selber zu der Frage. Ich bin auf Deine Antwort gespannt.

      Kant sagt, Erkenntnis interessiert mich nicht: mich interessiert nur eine Fantasie von Erkenntnis (siehe Flieges ansonsten dargestellte Auffassungen).
      "Wir alle, die wir in freien und offenen Gesellschaften leben wollen: Wir alle haben ein Problem mit dem Islam" (Heiko Heinisch; in: European, 20. Januar 2015). — "Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal hat kürzlich als Zeuge vor Gericht in Paris gesagt, der Antisemitismus sei Teil der islamischen Kultur, er werde im Koran, in den Moscheen und in den Familien verbreitet" (FAZ, 11. Dezember 2017). — "Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht verwirkt" (Sahra W.).