Der Kategorische Imperativ als Metaethik

    • Der Kategorische Imperativ als Metaethik

      Ich bin inzwischen davon überezugt, dass der Kategorische Imperativ von Kant keine Ethik im engeren Sinne darstellt, sondern dass es sich bei ihm genau besehen um eine "metaethische Position" handelt, und zwar um "die" metaethische Position schlechthin, die alle sonstigen metaethischen Positionen in sich vereinigt, und damit überflüssig macht. Der KI hat alles, was für eine wirkliche Metaethik erforderlich ist. Allein er ist in so fern keine Ethik, als dass er niemals in der Lage sein wird, ein Kriterium für das "vernüftiger Weise Gewollte" anzugeben. Und das ist auch gar nicht erforderlich. Allein der KI gibt an, wann und unter welchen Bedingungen eine Ethik überhaupt als solche bezeichnet werden darf. Das bedeutet aber auch, dass wir in der Frage nach der Ethik im engeren Sinne und der Entwicklung mehr oder weniger objektiver Kriterien für das vernüftiger Weise Gewolte erneut zuwenden müssen, denn diese Frage ist in der Philosophie bis heute nicht befriedigend beantwortet worden... Danke und Gruß Joachim Stiller Münster
    • Eine weitere metaethische Position wäre dann möglicher Weise die Konsenstheorie (KT) der Ethik, denn nur in diesem Sinne wäre auch sie verwertbar. Möglicher Weise sind aber der Kategorische Imperativ (KI) und die Konsenstheorie (KT) der Ethik nur zwei Seiten ein und derselben Medaille. In der Synthese liegt die Kraft... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Ich möchte einmal den kategorischen Imperativ (KI) etwas genauer unter die Lupe nehmen. Hier zunächst der Wiki-Artikel zum kategorischen Imperativ:

      de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativ

      Das grundsätzliche Problem, das ich sehe, ist, dass es sich beim kategorischen Imperativ (KI) um einen bloßen Zirkel handelt. Ich muss dazu sagen, dass ich selbst mich durchaus als Deontologe verstehe. Der Unterschied zu Kant ist nur der, dass ich versucht habe, den Kantschen Zirkel aufzubrechen. Was denkt ihr, wenn Ihr so etwas lest? Gruß Joachim Stiller Münster
    • Kant hat unterschiedliche Formulierungen des KI gebracuht, und mit den Formulierungen ein bischen gespielt, wie aus dem bereits bekannten Wiki-Artikel zum KI deutlich hervorgeht.

      Es ließen sich, so meine Überzeugung, noch beliebig viele weiter Formulierungen finden. Eine Formulierung, die von mir selbst stammt, lautet so:

      Handle so, dass die Maxiem deiner Handlung jeder Zeit ein allgemeines Gesetz sein kann.

      Und nun kann man theoretisch fragen, wann das denn der Fall ist. Meine Antwort darauf leustet: Wenn die Maxime einen positiven ethischen Wert darstellt. Also:

      Hanlde so, dass die Maxime deines Handlens jeder Zeit einen positiven ethischen Wert darstellt.

      Nun müsste man nur noch klären, wann das denn der Fall ist. Kant würd ejetzt vielleicht sagen, dass uns die Vernunf tdas schon sagen wird. Ich persönlich meine aber, dass die Vernunft an sich ja bestimmt eKriterien zur Verfügung stellen muss. Und diese Kriterien müssen klar und eindeutig formulierbar sein. Oder, um mit Wittgenstein zu sprechen: Alles, was sich sagen lääst, lässt sich auch klar sagen. Kant zeiht sich so ein bischne aus der Affaire. Ich werde auf das Problem der NOrmenkontrollkriterien noch einmal zu sprechen kommen. Hier nun zunächst ein Link auf eine Diskussion, die wir vor Kurzem geführt haben:

      Kant Ethik (Kategorischer Imperativ) Verständnisprobleme

      Gruß Joachim Stiller Münster

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    • Die Lösungen für das Normenkontrollproblem

      Meines Erachtens gibt es drei Lösungen für das Normenkontrollproblem des KI. Ich habe jedenfalls drei Lösungen gefunden:


      1. Man kann versuchen, die deontologische Ethik mit der teleologischen ethik zu verbindne. dann gibt man ein positives Kriterium an, nach dem festgelegt ist, was denn das Gute ist , und das Böse nicht ist. Meine eigen Formulierung eines solchen Kriteriums lautet:

      Gut ist allein, was dem Wohle aller dient.

      Der entsprechende KI lautet dann:

      Handle immer nur zum Wohle aller.

      Ich habe diesen Standpunkt, den ich lange Ziet selber vertreten habe, einen Salutarismus genannt.


      2. Man kann versuchen, ein negatives Kriterium anzugeben, nach dem festgelegt ist, was das Böse ist, und was das Gute nicht ist. Ich habe es so formuliert:

      Gutt ist allein, was niemandem schadet.

      Der entsprechende KI lautet:

      Handle so, dass Du niemandem schadest.

      Ich habe diesen Standpunkt eine negative Ethik genannt.


      3. Man kann versuchen, die deontologischen Ethik, also den KI mit der goldenen Regel zu verbinden. So machen es übrigens die meisten Menschen, allerdings wohl eher aus Unkenntnis des KI. Und trotzdem bin ich der Meinung, dass diese Menschen hier einer ganz richtigen Eingebung folgen.

      Die godene Regel lautet: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Die erste Formulierung der goldenen Regel in der Geschicht stammt meines Wissens von Thales, und lautet etwa so:

      Tue niemals das, was Du an anderen verurteilst.

      Mir persönlich ist diese Formulierung des "ersten Weisen Griechenlands" sogar sympathischer, als die Versform, weil sie viel kürzer und stringenter ist.

      Es handelt sich herbei natürlich ebenfalls um eine negative Ethik. Ich formuliere:

      Gut ist allein, was man an keinem anderen verurteilt.


      Das läuft am Ende wieder auf die godene Regel hinaus:

      Tue niemals das, was Du an anderen verurteilst.

      Drei Sichtweisen, drei Lösungen für das Normenkontrollproblem des KI bei Kant. Ihr habt die freie Auswahl, aber Ihr müsst Euch entscheien. Und? Was denkt Ihr?

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Eine Formulierung des KI, die von mir selbst stammt, lautet - ich sagte es bereits - so:

      Handle so, dass die Maxime deiner Handlung jeder Zeit ein allgemeines Gesetz sein kann.

      Oder etwas elegeanter:

      Hansdle so, dass die Maxime deiner Handlung jeder Zeit ein allgemeines Gesetz zu sein für sich in Anspruch nehmen kann.


      Und nun kann man theoretisch fragen, wann das denn der Fall ist. Meine Antwort darauf leustet: Wenn die Maxime einen positiven ethischen Wert darstellt. Also:

      Hanlde so, dass die Maxime deiner Handelung jeder Zeit einen positiven ethischen Wert darstellt.

      Auch hier geht es noch etwas eleganter:

      Handle so, dass die Maxime deiner Handlung jeder Zeit einen positiven ethischen Wert zu sein für sich in Anspruch nehmen kann.

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Oder: Handle so, dass dein Handeln zu jeder Zeit positive Ethische Werte hervorruft(,)? unter der Vorraussetzung das zum Ziele zu haben?.
      "Sprachliche Kommunikation ist: Prozessieren von Sinn im Medium der Lautlichkeit" Luhmann
      "Jedes Erkennen ist Tun, und jedes Tun ist Erkennen" Maturana/Varela


      "Da es keine Maßeinheit Für Größe, sprich Länge und Breite, als die vom Menschen erfundene [vorgestellte] gibt, sind Dinge, oder 'Objekte', sicher nicht losgelößt vom Bewusstsein als solche eine bestimmte 'Größe' in einer Realität an sich". Blacky

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    • Ja, das würde Kant wahrscheinlich ablehnen. Denn er - Kant - will ja den Grunde alles Moralische durch sich selbst, also in der eigenen Vernunft begründet wissen, und damit a priori. Allein die Vernunft soll Regentin eines dann guten Willens sein, was eben die Autonomie des Willens zur Folge hat, unter der Voraussetzung, dass es überhaupt so etwas, wie Freiheit gibt. Der Grund für das sittlich gute Handlen soll also im Menschen selbst liegen, und nicht außerhalt, etwa im Ziel oder Zweck einer Hanldung, oder in der entsprechenden Absicht, die ich verfolge. Es muss von allem Äußerlichen absehen, und damit auch von allem Konkreten. Und, fragt Kant weiter, was bleibt dann übrig? Die bloße Form aller nur denkbaren kategorischen Imperative, oder eben der dann "allgemeine" kategorische Imperativ als Sittengesetz. Dieser findet nun wieder Anwendung auf jeden einzelnen und konkreten Fall. Würdest Du hingegen bei der Beurteilung des Sittleichen auf die Ziele, Zwecke und Beweggründe der sittlichen Handlungen gehen, dann wärest Du notwendig ein Anhänger der teleologischen Ethik. In diesem Fall des Utilitarismus. Wie gesagt, Kant selbst hat damit keinen Vertrag. Das heißt aber nicht, dass man nicht auch Utilitarist sein kann. Ich selber, ich sagte es bereits an anderer Stelle, war die längste Zeit Salutarist (der Ausdruck stammt von mir):

      Handle immer nur zum Wohle aller.

      Das ist zwar nett, aber eben "nur" Teleologie... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Literaturhinweis

      Hier noch eben ein Literaturhinweis:

      - Ralf Ludwig: "Kant für Anfänger - Der kategorische Imperativ" (Leseeinführung von Ralf Ludwig - dtv)

      Vom selben Autor und in der selben Reieh bei dtv erschienen:

      - "Knat für Anfänger - Die Kritik der reinen Vernunft"

      - "Kant für Anfänger - Die Kritik der Urteilskraft"

      Die Reihe "Philosophie für Anfänger" ist überhaut sehr gut. Ich empfehle sie gerne weiter.

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Wissenschaftliche Lietratur zum kategorischen Imperativ

      Das klassische Standardwerk für Studenten, die wissenschaftlich über den kategorischen Imperativ, wie er in der "Grundlegung" abgehandlet ist, arbeiten wollen, ist:

      - H. J. Patson: "Der kategorische Imperativ"

      Wer ausführlich über den kategorischen Imperativ, wie er in der "Kritik der praktischen Vernunft " abgehandlet ist, arbeiten will, kann lesen:

      - L. W. Beck: "Kants Kritik der praktischen Vernunft"

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Kants Ethik in Kurzform

      Hier einmal die Ethik Kants in Kurzform (was nicht von einer echte Lektüre - vor allem der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (GMS) - abhalten soll:

      "Die Moralphilosophie Kants in vier langsamen Schritte:

      Erster Schritt:
      Neben unserer sichtbaren Welt, in der die Gesetze der Natur walten, gibt es nocheine Welt, oder besser: einen Bereich, der darüber hinausgeht und der sich mir nur in Gedanken erschließt. Darin ist die Idee der Freihiet zu Hause, eine Idee, die nicht bewiesen werden kann und die nicht im Gegensatz zur Natur steht.
      Gibt es in diesem Bereich auch eine Gesetzlichkeit, ähnlich der in der Natur? Ja, denn wenn es schon Gesetze im Bereich der Natur gibt, müsste es auch Gesetzmäßigkeiten bei den Urteilen über die Frage der Moral, welches Handeln richig oder falsch ist, geben.

      Zweiter Schritt:
      Dies zu beantworten ist Aufgabe der Vernunft. Die Vernunft ist das Vermögen, den Bereich der Sinne und der Natur zu übersteigen; nachdem sie diese Aufgabe in der Kritik der reinen Vernunft für die Erkenntnis des Menschen in Angriff genommen hatte, bekommt sie dieselbe aufgabe für die Moral zugeteilt: den Willen des Menschen zu bestimmen und damit die sinnliche Natur des Menschen zu übersteigen. Dieses Feld der Willensbestimmung darf die Vernunft nicht unserer Erfahrung überlassen, deshalb hat sie sich zum Programm gemacht, zur Bestimmung des moralisch Guten die Willensbestimmung von sämtlichen Erfahrungen und Neigungen radikal zu säubern.

      Dritter Schritt:
      Die Vernunft kommt nun bei der Frage nach Gut und Böse zu folgendem Ergebnis: Gut an sich ist nicht der mögliche Gegenstand des Willens (Mut, Tapferkeit, Glück...), sondern nur der gute Wille selbst, der einer Handlung zu Grunde liegt. Gut ist eine Handlung dann, wenn sie nicht pflichtgemäß ist (dies ist der Bereich der Legalität), sondern wenn sie aus Pflicht geschieht (dies ist der Bereich der Moralität). Ferner sit eine Handlung dann gut, wenn sie aus Achtung für das Sittengesetz erfolgt.

      Vierter Schritt:
      Diesem Sittengesetz kann ich auf die Spur kommen, wenn ich die Maxime meines Handelns einer bestimmten Gesetzmäßigkeit unterziehe, die apriorisch für alle Menschen allgemein und notwendig wie ein Naturgesetz gilt. Die Formel dieser Gesetzmäßigkeit aber ider der kategorische Imperativ. Dieser besagt:
      Ich denke meine beabsichtigte Handlungsweise versuchsweise als Vorschrift, die nicht nur für mich und für heute gilt, sondern die als angenommenes Gesetz für alle widerspruchswfrei gelten kann.
      Der Grund dafür, dieses Gesetz für mich erlassen zu können, liegt in der Selbstbestimmung des Willens. Der Grund dafür aber liegt in der Freiheit." (Kant für Anfänger - Der Kategorische Imperativ von Ralf Ludwig, S.120-121)

      Hier noch einmal die allgemeinste Formulierung des KI, die sogenannte Universalitätsformel:

      Handle nur nach derjenigen Maxiem, durch die Du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gestz werde.

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Zur Metaethik

      Hier noch einmal der Artikel zur Metaethik:

      de.wikipedia.org/wiki/Metaethik

      Ich wollte in diesem Thread eigentlich darauf hinaus, dass es sich bei Kants Ethik eigentliche um eine Metaethik handelt. Auf die Frage, wie sich Kants Ethik als Metaethik in das übliche Schema der Metaehik einfügt, möchte ich einmal dieses behaupten

      1. Kant wäre wohl Kognitivist

      2. Kant wäre wohl Realist (in welcher Spielart auch immer, das müsste man dann noch mal etwas genauer betrachten)

      Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()