Schriftsteller

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    • Schriftsteller

      Wenn Ihr Eure Schriften stellen wollt,
      wäre es gegenwärtig angebracht,
      über die Frage nachzudenken,
      warum Ihr Euch
      - nicht einfach Autoren nennt.

      Irgendwie klingt der Begriff des Schriftstellers hochtrabend. Als ob die Welt nur darauf wartet, dass der Schriftsteller denn nun endlich seine Schriften zur Verfügung stellt. Er lässt sich hernieder und stellt seine Schriften. Ach was müssen wir ihm dankbar sein. Jemand, der im stillen Kämmerlein gesessen hat und nur geschrieben hat – nicht jeder von denen hat wirklich was erlebt oder steht mitten im Leben, manche haben auch nur einen wohlklingenden bekannten Namen – und uns nun seine Schriften stellt. Und es gibt so viele von ihnen. Wenn sie alle so wichtig sind und ihre Schriften stellen, müssen wir sie alle lesen? Wenn doch jeder stellt, ist doch sicher jeder wichtig. Wer sagt mir, was ein richtiger Schriftsteller ist, der würdig seine Schriften stellt, sodass sie wirklich gestellt und nicht nur dahingestellt sind? Wir nennen ja auch nicht jeden, der um etwas bittet, gleich Bittsteller.
      Wird es heute angesichts der Literaturflut und Kritikflut in den Feuilletons nicht immer schwieriger, Schriftsteller von Schriftstellern zu unterscheiden? Jeder ist etwas Besonderes, jeder erzählt eine besondere Geschichte, tausende von besonderen Besonderheiten. Wo bleibt bei der Flut von Besonderheiten noch das Besondere? All diese lebenserfahrenen Schrift-Steller stellen ihre Besonderheiten aus. Und auf den Leser strömen diese tausenden Besonderheiten ein und er muss das Besondere am Besonderen erkennen. Und er muss sich anstrengen. An jeder noch so bescheuerten und langweiligen, aber vor vermeintlicher Lebenserfahrung nur so strotzenden Geschichte muss er das Besondere herausfinden.
    • Anstatt einer Entschuldigung

      Ziemlich berechtigt, dieses Thema, würde ich sagen, JörgMiddendorf,
      und da ich ja nun seit gut zehn Jahren auch zu dieser furchtbaren Spezies gehöre, macht es mich mächtig betroffen. Ich habe auch keine Ahnung, warum die Schreiberlinge so heißen, ich habe früher Schrift gesetzt, bevor ich sie stellte. War ein guter Job, vor allem gut bezahlt. Gibt's leider schon lange nicht mehr und ich hätte ihn gerne bis an mein Lebensende betrieben, weil mir Veränderungen etwas verursacht haben, was der Volksmund "Muffensausen" oder "Schiss" nennt.
      Da das Leben mir allerdings ein paar kräftige Hiebe verpasst hat, habe ich mich am Ende entschlossen, ihm zu gehorchen und da lässt es mich wenigstens in Ruhe. (Ich hatte diesen dummen Kindertraum, so dass meine Lehrerin meine Aufsätze sammelte, aber mein Vater mir klarmachte, dass "diese Sorte" zum Abschaum und den Nichtstuern gehörte.) Das bedeutet aber, dass ich nun das tun muss, was ich nie tun wollte, weil ich befürchtete, es würde mir im Leben nie das Salz in die Suppe einbringen.
      Sicherheit wäre mir lieber gewesen, ob mir das einer glaubt oder nicht. Wenn du in diesem Land nicht studiert hast, bist du ein Nichts, hast du keine Beziehungen, will dich keiner haben, kriegst du weder Stipendium noch andere Hilfen. Da willst du es dann tausendmal hinschmeißen und machst eben bloß deshalb weiter, weil dich Leute anrufen, davon schwärmen, dass sie dein Buch in einer Nacht verschlungen haben und fragen, wann endlich das nächste kommt. Selbst wenn es eben bloß zwei oder drei sind, von denen du noch lange nicht leben kannst, ist es die einzige Botschaft, die du kriegst und dann machst du weiter. Und stellst plötzlich fest, dass solche Botschaften immer häufiger werden und dass es nichts gibt, was dich mehr erfüllt oder dir mehr Freude macht. Selbst ein rattenscharfes Weib würdest du stehen oder liegen lassen, nur um die angefangene Erzählung geschickt zu Ende führen zu können...
      Es ist völlige Idiotie, fast Selbstmord, aber es ist trotzdem besser, als im Elfenbeinturm zu thronen und die Millionen zu zählen.
      Oder sagen wir's einfacher: Wer Holz liebt und Talent hat, es zu bearbeiten, sollte tischlern oder zimmern. Wer Geschichten liebt und sie so erzählen kann, dass Zuhörer begeistert und verrückt danach sind, muss eben welche schreiben, da nützt alles nichts...
      Man besuche mal Lesungen: Von 30 Lesungen sind 28 dabei, bei denen man ständig auf die Uhr sieht und gähnt, und höchstens zwei, bei denen man zuhört, und zwar nicht gezwungen, sondern weil man nicht anders kann... Das sind die, die von richtigen Schriftstellern durchgeführt werden, denn dazu braucht es Leidenschaft.
      Mit den Büchern, die veröffentlicht werden, weil es einfach ist, welche zu veröffentlichen, hat das nichts zu tun.
      Tut mir leid, dass ich kein besseres Wort weiß, es ist mir natürlich auch egal. Das Wort "Autor" bezieht sich meistens auf ein bestimmtes Buch. Und wenn es schon 14 sind oder so? - Ich würde das Ding weitermachen, auch wenn man mich vielleicht "Schlachter" nennen würde.

      Man betrachte mal spaßeshalber eine Statistik: 98% sämtlicher in deutscher Sprache erscheinenden Veröffentlichungen kommen über eine Gesamtauflage von 2000 Exemplaren nicht hinaus (und dafür kriegt auch keiner der Autoren ein nennenswertes Honorar!). Der Rest, die zwei Prozent sind die sogenannten Bestseller. Die Leser sind nicht blöd.
      Die großen, bedeutenden Verlage nehmen keine Neuen, es sei denn, sie werden von jemandem empfohlen. Jack London musste drei Jahre lang durchschnittlich 360 Ablehnungen jährlich verkraften, bis ihm ein Anfang gewährt wurde. Wer will sich das antun?
      Dass bekannte Namen zu schnellen, aber meist nur strohfeuerartigen Erfolgen führen, braucht nicht zu verwundern. Dass echtes Talent länger braucht, aber sich durchsetzt, ebenfalls nicht. Dass der größte Teil des Restes auf der Strecke bleibt, braucht nicht diskutiert zu werden. Und dass der offizielle Literaturbetrieb nur zu oft am eigentlichen Geschmack der Leser vorbeigeht, sollte eines der offenen Geheimnisse sein, weil die Gesellschaft so strukturiert ist. Denn der Buchhandel und einige ihm angeschlossene Medien brauchen Berechenbares. Deshalb werden auch Stars gemacht, mit Preisen u.ä. Was sonst noch an Fragen offen sein sollte, wird wahrscheinlich durch die Themenbereiche "Geschmack" und "Zielgruppen" erklärt.

      Herzliche Grüße,
      nanabosho
      Es gibt nur eine einzige Sünde, und zwar, wenn dein Leben kein Abenteuer ist. Osho
    • Die beiden Hauptquellen der Literatur sind das Reale und das Fiktionale. Das Fiktionale ist zugegebenermaßen das originäre Feld literarischer Gestaltung und der Kreativität des Autors sind keine Grenzen gesetzt. Hier lässt sich Sprache gezielt einsetzen, um eine bestimmte Wirkung zu entfalten. Hier lässt sich mit Sprache spielen.
      Aber Literatur, bei der das Reale im Vordergrund steht, z.B. Romane, die am tatsächlichen Leben des Autors orientiert sind, und bei dem es dem Autor darum geht, das Erlebte möglichst natur- und originalgetreu zu schildern, lebt davon, dass sie das Reale (Gegebene, Erlebte, Phänomenologische) auch tatsächlich erlebnis- und gedankengetreu (bzgl. der Erlebnisse und Gedanken in der Situation, die beschrieben wird) wiedergibt. Hier lässt sich mit Sprache nicht beliebig spielen, hier geht es darum, eine Situation in ihrem Stream of Consciousness adäquat wiederzugeben.
      Bei der Romanflut, die es heute auf dem Markt gibt, wird nur eine geringe Anzahl dieser Romane auf realen Erlebnissen basieren. Ich glaube, die heutige Zeit unterliegt der Gefahr, das Literarische mit dem Fiktionalen gleichzusetzen. Mir geht es heute beim Lesen vieler Romane so, dass ich den Eindruck habe, hier wird perfektionistisch und dreifach durchgekaut – natürlich fiktional – seitens des Autors eine Geschichte vorexerziert. Oft werden da schräge Typen beschrieben, extreme Typen, wie sie schräger nicht sein können, treffen aufeinander und es gibt das Chaos, aus dem uns der Autor dann den Weg weist. Was weiß ich, eine Künstlerin und ein Rechtsanwalt in einer komplizierten Beziehung auf 500 Seiten. Auf meinen Einwand, dass mich die Personen des Romans langweilen, sagte ein Bekannter: Tja, da musst Du durch, so ist halt unsere Gesellschaft, hier wird unsere Gesellschaft beschrieben. Ich muss also einen 500-Seiten-Roman mit Figuren, die mich langweilen, lesen, nur um etwas über den Zustand unserer Gesellschaft zu erfahren, was ich ohnehin schon aus den Medien weiß?
      Die Kommerzialisierung von Literatur (Romanflut etc.) geht mit dem einseitigen Verständnis von Literatur als rein fiktionaler Literatur einher. Fiktionale Literatur lässt sich quasi unendlich produzieren. Was für den realen Markt gilt, nämlich die Anpreisung quasi unendlich vieler Produkte, die die angeblich vorhandenen Bedürfnisse befriedigen sollen, gilt auch für den modernen kommerzialisierten Literaturbetrieb. Hier soll es unendlich viele Lesebedürfnisse geben, denen die entsprechenden Produkte (Romane) gerecht werden sollen.
      Dies funktioniert aber nur bei einem Verständnis von Literatur, bei dem einseitig das Schwergewicht auf das Fiktionale gelegt wird. Dieselben Mechanismen, die den Markt als Ganzes bestimmen, bestimmen auch den modernen Literaturmarkt. Der Leser wird entmündigt: Schau, Dir fehlt etwas in Deinem grauen Bürgeralltagsleben, lies die Bücher des Autors XY und Du wirst glücklich. Aber ein Buch reicht nicht, lies alle; ein Autor reicht nicht, lies alle. So werden heute Marktinteressen befriedigt. Was in den Büchern steht, was der Autor geschrieben hat, kannst Du in Deinem ärmlichen Leben gar nicht erlebt haben. Die Alltagswelt ist grau, flüchte Dich in fiktionale Welten und Du wirst glücklich.
      Und nun versteht man auch, warum Literatur mit dem Realen als Quelle out und Literatur mit dem Fiktionalen als Quelle in ist. Und wir unterliegen offensichtlich unbewusst diesen Mechanismen und setzen Literatur generell mit fiktionaler Literatur gleich. So wie unser Konsum im Alltag generell durch und durch organisiert ist (oder organisiert sein will, z.B. durch Werbung, die das suggeriert), ist auch unser Literaturkonsum durchorganisiert. So wie es neue Produkte (angeblich notwendig und ohne die man nicht glücklich werden kann) gibt, gibt es auch neue Romane (der neue Roman des bekannten Autors XY). Und die Konsumspirale lebt von selbst.
      Und nun versteht man auch, warum Autoren nichts von ihrem realen Leben erzählen oder schreiben. Weil dann die Quelle und damit die Selbstläuferspirale aus neuer fiktionaler Literatur und dem entsprechenden Literaturkonsum versiegen würde. Die Konsumenten würden sagen: Aber so ist der Autor ja wirklich, das steckt also dahinter, immer dieselbe Geschichte und nicht viele, wie uns der Autor weiß machen will. Und da wundert es wiederum nicht, warum viele Autoren um ihr Privatleben ein Geheimnis machen, nämlich nicht nur um des Privaten willen.
    • JoergMiddendorf schrieb:


      Dies funktioniert aber nur bei einem Verständnis von Literatur, bei dem einseitig das Schwergewicht auf das Fiktionale gelegt wird. Dieselben Mechanismen, die den Markt als Ganzes bestimmen, bestimmen auch den modernen Literaturmarkt. Der Leser wird entmündigt: Schau, Dir fehlt etwas in Deinem grauen Bürgeralltagsleben, lies die Bücher des Autors XY und Du wirst glücklich. Aber ein Buch reicht nicht, lies alle; ein Autor reicht nicht, lies alle. So werden heute Marktinteressen befriedigt. Was in den Büchern steht, was der Autor geschrieben hat, kannst Du in Deinem ärmlichen Leben gar nicht erlebt haben. Die Alltagswelt ist grau, flüchte Dich in fiktionale Welten und Du wirst glücklich.
      Und nun versteht man auch, warum Literatur mit dem Realen als Quelle out und Literatur mit dem Fiktionalen als Quelle in ist. Und wir unterliegen offensichtlich unbewusst diesen Mechanismen und setzen Literatur generell mit fiktionaler Literatur gleich. So wie unser Konsum im Alltag generell durch und durch organisiert ist (oder organisiert sein will, z.B. durch Werbung, die das suggeriert), ist auch unser Literaturkonsum durchorganisiert. So wie es neue Produkte (angeblich notwendig und ohne die man nicht glücklich werden kann) gibt, gibt es auch neue Romane (der neue Roman des bekannten Autors XY). Und die Konsumspirale lebt von selbst.

      Nun, JörgMiddendorf,

      ich habe zwar stark den Eindruck, dass Du nicht im Geringsten auf meinen Beitrag eingegangen bist, aber wenn jemand über Literatur schreibt, interessiert es mich meistens, und so habe ich auch diesen Deinen Text gelesen.
      Mir scheint, in Deiner Literaturmarkteinschätzung gehst Du entweder an der Wirklichkeit stark vorbei oder Du haust in die gleiche Kerbe, die das Denken der meisten immer mehr an Marktanteilen verlierenden Verlage beeinflusst und einschränkt. Vielleicht ist es auch typisch westlich, denn es beruht auf der Idee: Wir müssen ein bestimmtes Bedürfnis künstlich schaffen, damit wir dieses oder jenes Produkt verkaufen können (also die allgemeine Kapitalismusidee). Das funktionierte ziemlich lange, und die allgemeine Werbung meint immer noch, dass es weiter funktioniert.
      Ich glaube das nun gar nicht und all meine Erfahrungen widersprechen dem. Im Augenblick ist die gesamte Welt stark in einem Prozess, den man mit einer gewissen Berechtigung als "Umbruch" bezeichnen könnte. D. h., alte Werte gelten bereits nicht mehr oder werden nicht mehr lange gelten. Neue sind nur noch nicht stark und etabliert genug, um überall und immer aufzufallen und gut wahrgenommen zu werden.
      Wer Literatur und ihren Markt so betrachtet wie Du es tust, tut am besten daran, überhaupt nichts zu lesen. Denn er hat offensichtlich Schwierigkeiten damit herauszufinden, was ihm selber liegt, worin sein Geschmack besteht usw. Kurz: er kennt sich selbst kaum oder gar nicht.
      Nun gibt es immer mehr Leute, die merken, wie vielfältig und unberechenbar das Leben ist und zu denen gehöre ich auch. Will sagen: Wenn etwas in mir ist, von dem ich weiß, dass ich es tun muss, um glücklich zu sein, interessiert mich nicht,
      1. was andere darüber denken und
      2. welche Bedingungen (z. B. am Markt) die Umwelt anscheinend dagegen stellt oder aufstellt.
      Ich tue es dann einfach und bin neugierig, was passiert.
      Wie in diesem Fall Literatur zu sein hat oder was manche denken, wie sie zu sein hat, oder wie sie bisher größtenteils war, ist für mich vollkommen irrelevant. Relevant ist allein, ob die Energie fließen kann. D. h., ich habe etwas geschrieben und es gibt auch Leute, die es lesen und sogar lesen wollen, denen ich also Vergnügen bereiten konnte und kann. Vielleicht baut sich mehr davon auf, vielleicht nicht. Wenn mich die Sache erfüllt, lebe ich gern mit allen Aufs und Abs, die damit zusammenhängen und ich bin dankbar für jedes kleine Licht, das mir zu Hilfe kommt. Wenn Schreiben für mich nicht passend wäre, hätte ich in ebenso heftigem Maße Botschaften bzw. Arschtritte des Lebens erhalten, die mir klar gemacht hätten, dass ich es sein lassen soll.
      Ich glaube also nicht an den Markt, an Trends oder ähnliche Sachen, sondern nur an Berufung. Und wenn ich berufen bin, etwas Bestimmtes zu tun, werden sich alle mit diesem meinem Tun etwa verbundenen Schwierigkeiten früher oder später in Luft auflösen. Denn es ist höheres Prinzip, dass etwas zu seinem Ziel kommt (früher hätte man gesagt: Gottes Wille).
      Um noch mal auf die Literatur selbst zurückzukommen: Es gibt ja schon seit 1000en von Jahren das Phänomen, dass Leute bestimmte Ereignisse oder auch Fantasien auf eigen Weise aufschreiben, zu welchem Zweck und für welche Zielgruppe auch immer. Es ist also keine Erfindung des heutigen kapitalistischen Marktes. Wenn es aber einen solchen Markt gibt und dessen Führer auch alle Entwicklungen steuern wollen, sollen sie es eben tun, sie haben Spaß daran oder es beruhigt sie.
      Abgesehen davon, dass auf diese Weise tatsächlich die Lesefreude vieler Menschen verdorben worden ist, gilt dennoch: ALLES IST GESCHMACKSSACHE! Einer isst gern Leberwurst, der andere Schmierseife. Einer liest gern Goethe, der andere sein Sparbuch. Einer ergötzt sich an Spinoza, ein anderer an Karl May, wieder ein anderer nur Pornos. Was ein Leser empfindet, ob er sich entmündigt fühlt oder nicht,
      entscheidet er allein. Jeder wird dabei ein anderes Gefühl haben. Ich denke, er hat allemal ein Recht zu wählen, was er liest und ob er überhaupt liest. Die meisten Leute leben nach der "Versuch-Irrtum-Methode".
      Was soll's? Alles hat seinen Stellenwert, alles ist ok, so wie es ist.
      Wenn es nicht so wäre, wäre die Welt zum Gähnen, oder?

      Herzliche Grüße,
      nanabosho
      Es gibt nur eine einzige Sünde, und zwar, wenn dein Leben kein Abenteuer ist. Osho

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von nanabosho ()

    • "ich habe zwar stark den Eindruck, dass Du nicht im Geringsten auf meinen Beitrag eingegangen bist,"

      Mein Nachtrag war als Nachtrag auf mein OP gemeint, nicht als Antwort oder ergänzenden Beitrag auf Deine Antwort, die ich durchaus gelesen habe, aber zu der mir wiederum nichts Konkretes als Antwort einfiel. Ich hatte auch nichts zu kritisieren. Ich bin nicht jemand, der auf jeden Beitrag oder jede Antwort grundsätzlich antwortet. Es müssen sich schon gedankliche Assoziationen ergeben.

      "Vielleicht ist es auch typisch westlich, denn es beruht auf der Idee: Wir müssen ein bestimmtes Bedürfnis künstlich schaffen, damit wir dieses oder jenes Produkt verkaufen können (also die allgemeine Kapitalismusidee). Das funktionierte ziemlich lange, und die allgemeine Werbung meint immer noch, dass es weiter funktioniert."

      Ist es nicht so? Willst Du mir verkaufen, dass ein Bestseller deshalb ganz oben auf der Liste steht, weil bei seinen Lesern ein wirkliches Bedürfnis erfüllt wird? Oder ist es nicht eher so, dass er gekauft wird, weil er oben steht, bekannt ist und das Bekannte gekauft wird (sonst könnte es ja nicht gekauft werden, allenfalls zufällig). Und ganz zufälligerweise findet man dann das Gelesene, was viele andere auch gut finden, ebenfalls gut. Und letztlich ist es dann auch gut. Harry Potter muss also gut sein. Punkt.

      "Wer Literatur und ihren Markt so betrachtet wie Du es tust, tut am besten daran, überhaupt nichts zu lesen."

      Das tut manchmal richtig gut. Und es bleibt Zeit für eigene Reflexionen.

      "Denn er hat offensichtlich Schwierigkeiten damit herauszufinden, was ihm selber liegt, worin sein Geschmack besteht usw."

      Nein, überhaupt nicht, er weiß nur, dass es vieles gibt, was er nicht mag und er fragt sich, warum sich dieses viele verkauft. Und letztlich fragt er sich, warum er selbst diese Dinge kritisch sieht und andere überhaupt nicht.

      "Kurz: er kennt sich selbst kaum oder gar nicht."

      Ist es wichtiger zu wissen, was man mag, als zu wissen, was man nicht mag?

      "Nun gibt es immer mehr Leute, die merken, wie vielfältig und unberechenbar das Leben ist und zu denen gehöre ich auch. Will sagen: Wenn etwas in mir ist, von dem ich weiß, dass ich es tun muss, um glücklich zu sein, interessiert mich nicht,
      1. was andere darüber denken und
      2. welche Bedingungen (z. B. am Markt) die Umwelt anscheinend dagegen stellt oder aufstellt."

      Einverstanden, dasselbe tue ich auch. Ich weiß z.B., was ich nicht lesen will, und habe dadurch mehr Zeit für andere Dinge, z.B. für Bücher, die ich lesen will. Da man sich aber oft unsicher ist, unsicher sein muss, welcher der vielen neuen Romane denn aktuell wirklich lesenswert sind, weil man sie unmöglich alle lesen kann, spielt dieses Nichtlesenwollen oft eine größere Rolle als das Lesenwollen, denn es gibt ja noch gar kein Kriterium dafür, warum ich denn nun diesen neuen Roman unbedingt lesen will oder lesen sollte. Wenn ich aber weiß, dass es ein Autor ist, der mich schon früher langweilte, werde ich eher zu einem anderen Buch greifen, die Erfahrung und die Gesetze der Wahrscheinlichkeit sind schon ein Auswahlkriterium.

      "Wie in diesem Fall Literatur zu sein hat oder was manche denken, wie sie zu sein hat, oder wie sie bisher größtenteils war, ist für mich vollkommen irrelevant."

      Fakten interessieren mich in soziologischer Hinsicht schon, z.B. Bestsellerlisten, die nun einmal, weiß der Teufel warum, in der Welt sind. Und die Frage, warum Millionen Menschen dieselben Bücher kaufen und warum gerade diese.

      "Relevant ist allein, ob die Energie fließen kann. D. h., ich habe etwas geschrieben und es gibt auch Leute, die es lesen und sogar lesen wollen, denen ich also Vergnügen bereiten konnte und kann. Vielleicht baut sich mehr davon auf, vielleicht nicht. Wenn mich die Sache erfüllt, lebe ich gern mit allen Aufs und Abs, die damit zusammenhängen und ich bin dankbar für jedes kleine Licht, das mir zu Hilfe kommt. Wenn Schreiben für mich nicht passend wäre, hätte ich in ebenso heftigem Maße Botschaften bzw. Arschtritte des Lebens erhalten, die mir klar gemacht hätten, dass ich es sein lassen soll.
      Ich glaube also nicht an den Markt, an Trends oder ähnliche Sachen, sondern nur an Berufung. Und wenn ich berufen bin, etwas Bestimmtes zu tun, werden sich alle mit diesem meinem Tun etwa verbundenen Schwierigkeiten früher oder später in Luft auflösen. Denn es ist höheres Prinzip, dass etwas zu seinem Ziel kommt (früher hätte man gesagt: Gottes Wille)."

      Sollten sich also auch die, die auf Bestsellerlisten stehen, unbedingt berufen fühlen? Wer hilft ihnen bei diesem Sich-berufen-Fühlen? Nicht doch der Markt?

      "Um noch mal auf die Literatur selbst zurückzukommen: Es gibt ja schon seit 1000en von Jahren das Phänomen, dass Leute bestimmte Ereignisse oder auch Fantasien auf eigen Weise aufschreiben, zu welchem Zweck und für welche Zielgruppe auch immer. Es ist also keine Erfindung des heutigen kapitalistischen Marktes. Wenn es aber einen solchen Markt gibt und dessen Führer auch alle Entwicklungen steuern wollen, sollen sie es eben tun, sie haben Spaß daran oder es beruhigt sie.
      Abgesehen davon, dass auf diese Weise tatsächlich die Lesefreude vieler Menschen verdorben worden ist, gilt dennoch: ALLES IST GESCHMACKSSACHE! Einer isst gern Leberwurst, der andere Schmierseife. Einer liest gern Goethe, der andere sein Sparbuch. Einer ergötzt sich an Spinoza, ein anderer an Karl May, wieder ein anderer nur Pornos. Was ein Leser empfindet, ob er sich entmündigt fühlt oder nicht, entscheidet er allein."

      Aber warum gibt es so viele, die einen bestimmten Geschmack haben, z.B. eine unstillbare Leselust auf Harry Potter? So vielfältig, wie Du die Welt beschreiben willst, ist sie dann wohl doch nicht.

      "Jeder wird dabei ein anderes Gefühl haben. Ich denke, er hat allemal ein Recht zu wählen, was er liest und ob er überhaupt liest."

      Und dieses Wählen findet oft unter der Prämisse von Bestsellerlisten statt bzw. nach dem, was in Buchhandlungen so auffällig ausliegt. Wenn sich jemand für ein Thema interessiert, wird er Informationen einholen und gezielter lesen. Und ich behaupte, dass diese zweite Gruppe gegenüber der ersten in der Minderheit ist und ich frage mich, warum das so ist.

      "Die meisten Leute leben nach der "Versuch-Irrtum-Methode"."

      Wie soll das denn bei der Romanflut heute möglich sein?

      Ich las kürzlich einen Roman, der mir von jemand anderem empfohlen wurde. Mit einer gewissen Pflicht las ich ihn, las ich ihn weiter, auch wenn er mich langweilte. Nach 100 Seiten kam eine Seite, bei der ich plötzlich 100% dabei war. Es ging um eine philosophische Reflexion über den Tod.
      Beim nächsten Mal frage ich mich, ob ich wegen eines singulären Ereignisses wieder einen dicken Roman lesen soll, der mich auf 100 Seiten langweilt und ob ich nicht eher eigene Reflexionen über den Tod anstellen soll oder gezielt nach Literatur über den Tod suchen soll. Und so geht es mir mit vielen Büchern. Die Dinge, die mich interessieren, habe ich vorher schon im Kopf, interessieren mich per se irgendwo philosophisch. Es sind die wesentlichen Dinge. Ich brauche nicht immer eine komplizierte Geschichte X in einem Beziehungsgefüge mit Person Y oder Z, um mir über Dinge des Lebens Gedanken zu machen. Und dann gibt es Autoren, die überhaupt nicht philosophisch reflektieren können und die nur in diesem Beziehungskram verharren. Und es langweilt mich einfach, wenn ich dies hier in einem philosophischen Forum mal sagen darf, auch wenn es vielleicht elitär klingen mag.

      "Was soll's? Alles hat seinen Stellenwert, alles ist ok, so wie es ist.
      Wenn es nicht so wäre, wäre die Welt zum Gähnen, oder?"

      Leider machen mich viele Romane das. Ich kann sagen, dass ich nur jeden 10. Roman, den ich lese, wirklich gut finde. Und das ist alles Zeit, die für gute philosophische Literatur flöten geht. Am schlimmsten ist es, wenn ich ein interessantes philosophisches Werk lese und zeitgleich einen langweiligen Roman. Nicht auszuhalten dieser Gegensatz. Deshalb mag ich Romane im Stil von Pascal Mercier/Peter Bieri, da gibt es Raum zum philosophischen Durchatmen.
    • OK, JörgMiddendorf,
      jetzt kommen wir langsam in interessantere Gewässer.
      Also noch mal Literaturmarkt usw.: Ich hatte da mal viele Illusionen, mache meins ja nun schon gut 10 Jahre. Grundsätzlich ist der Markt so eingerichtet wie Du beschreibst: Es werden bestimmte Bücher durch bestimmte Medien hochgelobt und verkaufen sich deshalb, weil sich viele Leute nach dem richten, was man liest. Deshalb sind die Bestsellerlisten die Bestsellerlisten.
      Es gibt auch bestimmte Interessen, also Trendströmungen, die durch Medien gefördert werden, um wiederum weitere Trends vorzubereiten oder eine "Breitenmeinung" zu schaffen. Das ist für mich - wie schon beschrieben - nicht maßgebend, aber nicht zu ändern.
      Nun gibt es aber neben dem Literaturmarkt noch einen Literaturmarkt. Wenn Dir das zu blöd klingt, sagen wir mal:
      Es gibt einen "gemachten" Literaturmarkt und einen, der von selbst entsteht (sei es durch das, was zu bestimmten Zeiten sehr viele gerade suchen oder die morphogenetischen Felder oder wie auch immer) und der gelegentlich - vom "gemachten" durchaus unerwünscht, weil unkontrollierbar!! - ebenfalls Bestseller produziert. Ein solcher war HARRY POTTER, ob es Dir nun schmeckt oder nicht. Und: Ich habe die vier ersten Harry-Potter-Bände gelesen und muss bestätigen, dass
      1. Mrs. Rowling ihre Sache erstklassig versteht und ihren Erfolg verdient und
      2. sie sogar so gut schreiben kann, dass sie viele Leute - vor allem junge Menschen, bei denen sonst längst alles verloren war - wieder zum Lesen bringen konnte und gebracht hat und
      3. die Romane selbst von philosophischen, psychologischen und spirituellen Botschaften nur so strotzen, was allerdings nur der wahrnimmt, der ein wenig Bildersprache versteht.
      Bei der Lektüre von HARRY POTTER entstand in mir ein Gefühl von Erfüllung, abgesehen von Spannung, Heiterkeit usw. Auch ist zu merken, dass JK Rowling dennoch von sich selbst geschrieben hat, nur eben in dieser Bildersprache, von der viele meinen, sie sei etwas, was mit dem konkreten Leben nichts zu tun hätte. Die Autorin hatte auch viele Fehlschläge hinzunehmen gehabt bei der Suche nach einem Verlag, und der erste Druck, der überhaupt erschien, war so etwas wie eine "Gnadenauflage" von 500 Exemplaren. Dass es so schnell nach oben und um die Welt ging, ist in ihrem Fall eindeutig dem Interesse ihrer Leser zuzuschreiben. Wenn man den Lebenslauf der Frau betrachtet, sagt er genügend auch über das aus, was ich Berufung nenne (es ist eher ein Weg, den die meisten lieber nicht gehen würden).
      Immer wieder gibt es ähnliche Fälle.
      Berufung: Man kann nicht von den Bestsellerlisten ausgehen, überhaupt nicht. Vielleicht sind zwei oder drei Sachen dabei, die von Berufenen geschrieben wurden. Der Mensch weiß meistens erst dann wirklich um seine Berufung, wenn er versucht hat, mehreren Wegen zu folgen, die n i c h t mit ihr zu tun hatten und gemerkt hat, dass er wie durch Zauberhand (meist sind es eher unsanfte Tritte) beharrlich in eine Richtung geschoben wird. Er kann praktisch nicht mehr ausweichen, so gern er es immer noch möchte. Wer Ereignisse des Alltags sehr gut beobachtet, erkennt dann auch ihre Botschaften... Denn es gibt keinen Zufall.
      Wer natürlich aus reiner Ego-Pflege etwas schreiben möchte, vielleicht auch gerade deswegen studiert, ist meistens nicht berufen. Er kann es dennoch weit bringen, zumal die Welt so eingerichtet ist, dass vor allem diesen Leuten alle Türen offen stehen, nur eben meist die letzte, entscheidende nicht, die in ihrer Annahme beim Publikum besteht.
      Wie ich schon erwähnte: Ich glaube, dass jeder Mensch etwas in sich hat, was "sein ureigenstes Ding" ist, und wenn er dem folgt, wird er automatisch glücklich. Wenn er aber anderem folgen möchte, weil er meint, dass ihm das mehr einbringt (an Geld, an Anerkennung, diesem oder jenem), mag er auch Erfolgserlebnisse haben, wird sich aber dennoch immer frustriert fühlen.
      Das meine ich.
      Woher dann so eine zielgerichtete Leselust von vielen kommt? Teilweise ist sie der Zieleinlauf, der bei einer Berufung stattfindet (auch das ein KANN, nicht MUSS, es gibt viele Möglichkeiten). Teilweise ist sie auch aus einem Hunger, einer Sehnsucht von vielen gespeist, und so trifft eines auf das andere. Die allzu rational empfundene Welt war einseitig geworden, verlangte nach einem Ausgleich, dem GEHEIMNIS nämlich, nach etwas, was sich nicht wissenschaftlich erklären lässt. So etwa.
      Auch würde ich davor warnen, als Philosoph das "Beziehungsgefüge" zu verachten oder allzu sekundär zu setzen, denn die menschliche Beziehung ist mein Spiegel und zeigt mir unbarmherzig das, was ich bei mir nicht sehen möchte. Sie zwingt mich u. U. zu voller Ehrlichkeit. (Weil wir das wissen, versuchen wir sie ja tunlichst zu vermeiden.)
      Also: Wer eben mit Romanen nichts anzufangen weiß, braucht sie nicht zu lesen. Es gibt genügend Sachbücher für Leute, die trotzdem lesen wollen, und die laufen am Markt auch anerkanntermaßen besser. Niemand kann Dir sagen, was Du lesen sollst. Normalerweise weißt Du, was Du lesen willst (oder auch nicht).
      Herzliche Grüße,
      nanabosho
      Es gibt nur eine einzige Sünde, und zwar, wenn dein Leben kein Abenteuer ist. Osho
    • "Nun gibt es aber neben dem Literaturmarkt noch einen Literaturmarkt. Wenn Dir das zu blöd klingt, sagen wir mal:
      Es gibt einen "gemachten" Literaturmarkt und einen, der von selbst entsteht (sei es durch das, was zu bestimmten Zeiten sehr viele gerade suchen oder die morphogenetischen Felder oder wie auch immer) und der gelegentlich - vom "gemachten" durchaus unerwünscht, weil unkontrollierbar!! - ebenfalls Bestseller produziert."

      Ich könnte mir vorstellen, das dies eine Wunschvorstellung noch nicht bekannter Schriftsteller ist, die bekannter werden wollen und sich den großen Abstand zum großen Literaturmarkt nicht eingestehen wollen. Nach dem Motto: Ich schreibe etwas, was eigentlich alle wünschen, aber was noch nicht auf dem Markt ist.

      "Ein solcher war HARRY POTTER,"

      Das bestreite ich. Ich bestreite, dass es ein morphogenetisches Feld oder Ähnliches gab, also quasi eine Wunschvorstellung ("Das wollten Wir alle immer schon lesen!").

      "ob es Dir nun schmeckt oder nicht."

      Im Prinzip habe ich nichts gegen HP. Ich wundere mich nur über diese Hysterie, die selbst Erwachsene befällt. Ich finde, dass HP seinen Platz hat, aber irgendwo als Buch für Jugendliche einer bestimmten Altersgruppe.

      "Und: Ich habe die vier ersten Harry-Potter-Bände gelesen und muss bestätigen, dass
      1. Mrs. Rowling ihre Sache erstklassig versteht und ihren Erfolg verdient und
      2. sie sogar so gut schreiben kann, dass sie viele Leute - vor allem junge Menschen, bei denen sonst längst alles verloren war - wieder zum Lesen bringen konnte und gebracht hat und
      3. die Romane selbst von philosophischen, psychologischen und spirituellen Botschaften nur so strotzen, was allerdings nur der wahrnimmt, der ein wenig Bildersprache versteht."

      Vielleicht deshalb, weil unsere Gesellschaft so vom Bildhaften reizüberflutet ist, dass sie dieses Bildhaften bedarf, um nur ansatzweise zu Reflexionen zu gelangen. Und dies spiegelt ein trauriges Bild unserer Gesellschaft wieder. Selbst in der Literatur muss also das Bildhafte und die Bildersprache dominant sein, damit Leute überhaupt zum Lesen kommen. Wie traurig. Die HP-Filme bestätigen eigentlich meinen Eindruck, dort zeigt die unterschwellige Bilddominanz ja dann wieder ihr wahres Gesicht, auf mich wirken sie jedenfalls reizüberflutend, die Möglichkeiten von Software werden hier im Übermaß ausgenutzt.
      Philosophische Reflexion gibt es immer nur ansatzweise, letztlich siegen wieder die Bilder. Und wenn man durch ein Bild zum Nachdenken angeregt wird, kommt gleich wieder das nächste. Ja nicht abstrakt reflexiv denken. Aber wirkliche Reflexion geht über das Bildhafte hinaus.

      "Bei der Lektüre von HARRY POTTER entstand in mir ein Gefühl von Erfüllung, abgesehen von Spannung, Heiterkeit usw. Auch ist zu merken, dass JK Rowling dennoch von sich selbst geschrieben hat, nur eben in dieser Bildersprache, von der viele meinen, sie sei etwas, was mit dem konkreten Leben nichts zu tun hätte. Die Autorin hatte auch viele Fehlschläge hinzunehmen gehabt bei der Suche nach einem Verlag, und der erste Druck, der überhaupt erschien, war so etwas wie eine "Gnadenauflage" von 500 Exemplaren. Dass es so schnell nach oben und um die Welt ging, ist in ihrem Fall eindeutig dem Interesse ihrer Leser zuzuschreiben."

      Oben schreibst Du noch: "viele Leute - vor allem junge Menschen, bei denen sonst längst alles verloren war" (ich formuliere es hier mal ein wenig böswillig auf deutsch: Also diejenigen, wenn sie auch nicht selbst schuld daran sind - Gesellschaft etc., warum auch immer - fast zu blöd zum richtigen Lesen sind). Nun schreibst Du, dass diese Leute auf einmal wirkliche Interessen haben. Was denn nun? Das "Interesse" könnte doch nur eine Bestätigung dafür sein, dass diese Leute das Bildhafte ihrer medialen Umgebung (Fernsehen, Filme, etc.) nun in Büchern bestätigt sehen. Das Bildhafte, nicht wirklich Reflexive, wird für sakrosankt erklärt. Diese Bilderwelt der äußeren Sinnesreize ist also wirklich, und wo man in der Bilderwelt des Fernsehens und der Filme eigentlich keine Zeit zum Nachdenken über diese Bilder hat, kann ich nun wenigstens ansatzweise durch das Lesen von HP über Bilder, die auf mich einwirken, nachdenken. Aber ist dieses ansatzweise Nachdenken, dieses ansatzweise Denken nach den Bildern, wirkliche Reflexion? - Von philosophischer Reflexion, die sich irgendwann einmal notwendig, wenn sie als solche authentisch sein soll, von Bildern und dem Bildhaften verabschieden muss, ganz zu schweigen.

      "Wenn man den Lebenslauf der Frau betrachtet, sagt er genügend auch über das aus, was ich Berufung nenne (es ist eher ein Weg, den die meisten lieber nicht gehen würden).
      Immer wieder gibt es ähnliche Fälle."

      Ich gönne dieser Frau ihren Erfolg.

      "Wer natürlich aus reiner Ego-Pflege etwas schreiben möchte, vielleicht auch gerade deswegen studiert, ist meistens nicht berufen."

      Finde ich auch. Germanisten, die perfektionistisch antike Mythen auf eine moderne Handlung in Paris oder Berlin übertragen und sich intellektuell auskotzen und ihre Bildung raushängen lassen, langweilen mich zu Tode. Die sind zu weit vom Leben weg. Darauf spielte ich auch mit meinem Nachtrag an.

      "Wie ich schon erwähnte: Ich glaube, dass jeder Mensch etwas in sich hat, was "sein ureigenstes Ding" ist, und wenn er dem folgt, wird er automatisch glücklich."

      Man kann sich das aber auch einbilden. Jemand kann Spaß an einer Sache haben, aber dennoch Dilettant dabei sein. Vielleicht ist es da nur allzu ehrlich, ihn einmal auf die dilettantische Seite seines Tuns aufmerksam zu machen, damit er ein Feedback bekommt. Er kann dann natürlich mit seiner glücklichmachenden Tätigkeit weiter machen, aber wenn ihm die reflexive Außenperspektive des Kritikers völlig fehlt, bezweifle ich, dass dies wirklich ein komplett glücklicher Mensch ist. Denn zum Glück gehört auch irgendwo das Denken.

      "Wenn er aber anderem folgen möchte, weil er meint, dass ihm das mehr einbringt (an Geld, an Anerkennung, diesem oder jenem), mag er auch Erfolgserlebnisse haben, wird sich aber dennoch immer frustriert fühlen."

      Einverstanden.

      "Das meine ich.
      Woher dann so eine zielgerichtete Leselust von vielen kommt? Teilweise ist sie der Zieleinlauf, der bei einer Berufung stattfindet (auch das ein KANN, nicht MUSS, es gibt viele Möglichkeiten). Teilweise ist sie auch aus einem Hunger, einer Sehnsucht von vielen gespeist, und so trifft eines auf das andere. Die allzu rational empfundene Welt war einseitig geworden, verlangte nach einem Ausgleich, dem GEHEIMNIS nämlich, nach etwas, was sich nicht wissenschaftlich erklären lässt."

      Ja, aber ist dieses Geheimnis nicht etwas, was sich per se nicht im Bildhaften und in einer Bildersprache erschöpft? ;)
      Das Bild kann ein Symbol für ein Geheimnis sein.
      Aber wir streben durch Reflexion, auch wenn sie aussichtlos ist, auch wenn sie endlos und unendlich ist, danach, uns dem Geheimnis zu nähern. Das ist Philosophie. Ich denke, die Philosophie muss im Verhältnis zur Literatur stark gemacht werden. Der Wert der Philosophie ist im Vergleich zu Romanen und der Literatur in den Medien und in der Öffentlichkeit viel zu unterbewertet. Allenfalls führt das Philosophische in den meisten Romanen ein Nischendasein. Ausnahmen sind z.B. Thomas Mann (man denke an den Zauberberg und die Philosophie der Zeit), Pascal Mercier (man denke an das Problem der Willensfreiheit und der Freiheit des Ichs, das sich durch all seine Romane zieht) oder Irvin Yalom ("Und Nietzsche weinte"). Erst so langsam nimmt die Philosophie mehr Raum in Romanen ein. Aber die große Masse der Romane ist Beziehungskramselbstgeilheit:

      "Auch würde ich davor warnen, als Philosoph das "Beziehungsgefüge" zu verachten oder allzu sekundär zu setzen, denn die menschliche Beziehung ist mein Spiegel und zeigt mir unbarmherzig das, was ich bei mir nicht sehen möchte. Sie zwingt mich u. U. zu voller Ehrlichkeit. (Weil wir das wissen, versuchen wir sie ja tunlichst zu vermeiden.)
      Also: Wer eben mit Romanen nichts anzufangen weiß, braucht sie nicht zu lesen. Es gibt genügend Sachbücher für Leute, die trotzdem lesen wollen, und die laufen am Markt auch anerkanntermaßen besser. Niemand kann Dir sagen, was Du lesen sollst. Normalerweise weißt Du, was Du lesen willst (oder auch nicht)."

      Sind Beziehungen (und damit auch Kompromisse in Zweisamkeit, Dreisamkeit, ...) wichtiger als philosophische Reflexionen (in kompromissloser Einsamkeit)? ;)

      Ich finde, es sollte ein gesundes Maß geben. Ich denke, dass in den meisten Romanen lediglich zum Ausdruck kommt, dass Beziehungen wichtig sind und unser Leben ausmachen (ausmachen sollen). Das Element der Einsamkeit und der philosophischen Reflexion kommt mir in vielen, vielen Romanen viel, viel zu kurz.


      Gruß
      Jörg

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von JoergMiddendorf ()

    • Nun, JörgMiddendorf,

      ich weiß nicht so recht, ob ich auf das, was Du nun unbedingt rüberbringen willst, noch antworten kann. Mir scheint, Du willst das Philosophische überall und immer anerkannt wissen, aber das funktioniert so nicht und niemals.
      Wir müssen damit leben, dass viele Menschen nicht philosophisch d e n k e n, obwohl sie - z. T. jedenfalls - philosophisch (also weise) leben. Ich halte das auch für gut, denn der Körper weiß besser als der Verstand, was dem Menschen gerade gut tut, während es der Verstand nur zu oft entweder übersieht oder nicht ausdrücken kann. Wenn es anders wäre, könnte man mit dem eigenen Denken z. B. Krankheiten vermeiden.
      Um es deutlicher zu machen: Das Unbewusste ist immer stärker, wird uns immer ein Bein stellen, wo wir es nicht erwarten.
      Deshalb sollte ich mich besser mit dem Unbewussten verbünden statt mit meiner logischen Analysefähigkeit.
      Es kann mir helfen, Wege zu finden, wo mein Verstand längst aussetzt und nichts mehr weiß. Ob nun in Literatur oder sonstwo.

      Und was ich abstreite, was eine ziemlich willkürliche Interpretation von Dir ist: Ich habe niemals jemanden als "blöd" bezeichnet, würde es nicht mal von ihm denken, wenn er nicht oder nichts liest. Im Gegenteil, ich weiß, dass häufig Analfabeten über mehr Weisheit und Lebenskenntnis verfügen als so mancher Akademiker.
      Es ging mir darum, zu zeigen, dass vor JK Rowling immer mehr junge Leute das allzu Bequeme vorzogen, z. B. Fernsehen und Computer. Die eingeschränkte Leselust verursacht am Ende auch Schreibunfähigkeiten und andere Probleme.
      Ein Buch zu lesen - vor allem einen Roman oder eine Erzählung - bedeutet nicht einfach, ein vorgefasstes Bild nachzuzeichnen, sondern jede beschriebene Szene in der eigenen Fantasie neu zu erschaffen. Denn jeder einzelne Leser hat bei ein und demselben Satz eine völlig andere Vorstellung. Ein Film schafft jedoch so etwas wie eine "vorgekaute Mahlzeit". Die Fantasie wird zu bequem, sich das Bild selbst zu erschaffen und nimmt das vorgegebene.
      Soviel auch zur Bildersprache überhaupt. Unsere Gesellschaft kann mit Bildersprache fast gar nichts mehr anfangen, weil sie es verlernt hat, Bilder aus Symbolen zu schaffen, sondern einfach die konsumiert, die da sind. Will sagen, sich mit der Oberfläche begnügt.
      Und was für den Literaturmarkt gilt, gilt auch für alle anderen Märkte. Es gibt immer einen offiziellen und einen inoffiziellen, einen der fernab des Rampenlichts funktioniert. Und das ist auch gut so, weil das "Rampenlicht" allzu manipulativ vorgeht.
      So werden offiziell, auf dem "gemachten" Markt z. B. Rheumatabletten verkauft, aber da es immer wieder Rheumatiker gibt, die tatsächlich gesund werden wollen und Heilung suchen, werden sie auch auf Kneippkuren u.ä. Methoden stoßen, von denen die Fernsehwerbung nichts vermeldet. Und hier und da entsteht dann sogar das Phänomen, dass sich der "gemachte" Markt von dem "spontanen" bedroht fühlt und irgendwelche krumme Thesen in die Welt verstreut, um diesen eventuell einzudämmen. Was aber meistens nicht klappt.
      Zufrieden? Wahrscheinlich nicht, aber trotzdem
      die besten Grüße,
      nanabosho

      P.S.: Ach so, was die Beziehungen betrifft: Alleinsein ist in meinen Augen gleichwertig mit einer Beziehung. Aber es ist erst dann wachstumsförderndern, wenn ich eine "alte Seele" bin, also nicht mehr unbedingt auf Spiegel angewiesen. Die innere Herabstufung aber einer Beziehung gegenüber dem Alleinsein bezeichnet man im Allgemeinen als "Arroganz".
      Es gibt nur eine einzige Sünde, und zwar, wenn dein Leben kein Abenteuer ist. Osho

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von nanabosho ()

    • "Mir scheint, Du willst das Philosophische überall und immer anerkannt wissen"

      Nein. Es ging um das Auftauchen bzw. Fehlen des philosophisch Gehaltvollen in der modernen Literatur und den Büchern der Bestsellerlisten.
      Ich konstatierte dort einen Mangel an Philosophischem, dessen Existenz ich schade finde, da ich meine, dass das Philosophische ein wichtiges Gut ist, auch für Literatur. Mir ging es um einen Ausgleich. Das Leben an sich mit all seinen Beziehungswelten schätze ich, aber ich denke, dass es jenseits dieser Dinge auch noch die berechtigte reflexive Welt des Philosophischen gibt. Und die kommt mir in moderner Literatur zu kurz. Und ich denke, dass der Literaturkonsum mit den Bestsellerlisten einen Spiegel unserer Gesellschaft darstellt, in der das Philosophische out zu sein scheint. Es ist ja auch dasjenige, das hinterfragt, z.B. den Konsum von etwas. Und das stört die etablierten Kräfte des Marktes nur.

      "Wir müssen damit leben, dass viele Menschen nicht philosophisch d e n k e n,"

      Das müssen wir nicht. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass sie das tun. Andernfalls wäre ich ein Sklave von Kräften in diesem kapitalistischen System, die ein Interesse daran haben, den Konsumenten für dumm zu halten. Wer unkritisch ist, kauft unkritischer.

      "Ich halte das auch für gut, denn der Körper weiß besser als der Verstand, was dem Menschen gerade gut tut, während es der Verstand nur zu oft entweder übersieht oder nicht ausdrücken kann. Wenn es anders wäre, könnte man mit dem eigenen Denken z. B. Krankheiten vermeiden."

      Ich bestreite, dass der Körper näher am Leben ist als das Denken. In meiner Existenzialität meines Lebens hat das Denken, zumal das phänomenologische Denken, das sehr nah an den Dingen, wie sie mir erscheinen, ist, seinen unanzweifelbaren festen Platz. So wie mein Auge sieht, nimmt mein sinnesnahes Denken das Gesehene präreflexiv und dann reflexiv wahr. Hier können die unphilosophischen Lebensbejaher und Körperanbeter von der Philosophie lernen.

      "Um es deutlicher zu machen: Das Unbewusste ist immer stärker, wird uns immer ein Bein stellen, wo wir es nicht erwarten.
      Deshalb sollte ich mich besser mit dem Unbewussten verbünden statt mit meiner logischen Analysefähigkeit.
      Es kann mir helfen, Wege zu finden, wo mein Verstand längst aussetzt und nichts mehr weiß. Ob nun in Literatur oder sonstwo."

      Man kann sich aber auch einbilden, dass einen das Unbewusste leitet und vorzeitig seinen Verstand abschalten, wo dieser noch aktiv werden könnte.

      "Und was ich abstreite, was eine ziemlich willkürliche Interpretation von Dir ist: Ich habe niemals jemanden als "blöd" bezeichnet, würde es nicht mal von ihm denken, wenn er nicht oder nichts liest. Im Gegenteil, ich weiß, dass häufig Analfabeten über mehr Weisheit und Lebenskenntnis verfügen als so mancher Akademiker."

      Das weiß ich auch. Mir begegnen auf der Straße in meinem Alltag auch ständig Menschen, die auf den ersten Blick einfach erscheinen, aber wo eine große Erkenntnistiefe festzustellen ist. Solche Menschen müssen wir zu einer Literatur führen, die ihrer Erkenntnistiefe gerecht wird, nämlich zu einer philosophisch gehaltvollen Literatur. Es wäre schade, wenn solche Menschen durch Marketingmenschen bei Harry Potter stehen blieben und etwas Anderes erst gar nicht in die Hand nehmen.

      "Es ging mir darum, zu zeigen, dass vor JK Rowling immer mehr junge Leute das allzu Bequeme vorzogen, z. B. Fernsehen und Computer. Die eingeschränkte Leselust verursacht am Ende auch Schreibunfähigkeiten und andere Probleme."

      Gut, aber dann müssen wir dafür sorgen, dass sie auch Anderes als HP lesen. Nicht, dass sie dahin gelangen, dass sie neben ihrer Welt moderner Medien an Literatur nur noch solches im Stile von HP lesen. Dann hätten wir nichts gewonnen. Wir müssen sie also schon irgendwo vom rein Bildhaften, symbolisch Gehaltvollen, ansatzweise Reflexiven, zum wirklichen Reflexiven und philosophisch Gehaltvollen bringen. Ist HP also in dieser Hinsicht ein Fluch oder ein Segen? Ich weiß es nicht. Ein Fluch ist er, wenn HP der Maßstab von Literatur für den modernen, durch die elektronischen Medien beeinflussten jungen Menschen überhaupt ist. Und sich dieser dann mit anderer, nicht an für ihn an HP herankommender Literatur nicht mehr auseinandersetzt.

      "Ein Buch zu lesen - vor allem einen Roman oder eine Erzählung - bedeutet nicht einfach, ein vorgefasstes Bild nachzuzeichnen, sondern jede beschriebene Szene in der eigenen Fantasie neu zu erschaffen. Denn jeder einzelne Leser hat bei ein und demselben Satz eine völlig andere Vorstellung. Ein Film schafft jedoch so etwas wie eine "vorgekaute Mahlzeit". Die Fantasie wird zu bequem, sich das Bild selbst zu erschaffen und nimmt das vorgegebene."

      Ja, aber Lesen erschöpft sich nicht in der Konstruktion von Szenerien, von Bildern und Symbolen, sondern es ist von zeitgleicher Reflexion begleitet.

      "Soviel auch zur Bildersprache überhaupt. Unsere Gesellschaft kann mit Bildersprache fast gar nichts mehr anfangen, weil sie es verlernt hat, Bilder aus Symbolen zu schaffen, sondern einfach die konsumiert, die da sind. Will sagen, sich mit der Oberfläche begnügt."

      Ich glaube, dass sie schon einen Draht zu Bildern hat, auch zu der Symbolik in Bildern, aber dass sie sich mit dem Bildhaften und darüber hinaus Symbolhaften zufrieden gibt, und die Reflexion über diese Bilder unterlässt bzw. vernachlässigt.

      "Und was für den Literaturmarkt gilt, gilt auch für alle anderen Märkte. Es gibt immer einen offiziellen und einen inoffiziellen, einen der fernab des Rampenlichts funktioniert. Und das ist auch gut so, weil das "Rampenlicht" allzu manipulativ vorgeht."

      Dann bleibt für mich nur zu hoffen, dass philosophisch gehaltvolle Literatur des inoffiziellen Marktes in den offiziellen hinüber schwappt. Denn wenn sich gesellschaftlich etwas bewegen soll, wäre dies ein notwendiger Schritt. Vielleicht ist die Situation auch gar nicht so schlimm, wenn man an den Erfolg von Kehlmann und seine Vermessung denkt. Hier hat ein philosophisch gehaltvolles Buch den Sprung in die Bestsellerlisten geschafft, ähnlich wie bei Mercier und seiner Reise nach Lissabon. Aber ich denke, dass die Masse der Literatur vom philosophisch Gehaltvollen entfernt ist, und das finde ich schade. Vielleicht wissen viele Menschen ja noch nicht mal, welche philosophischen Adern sie haben. Stattdessen verharren sie im Äußerlichen, Bildhaften, Symbolischen, Beziehungsmäßigen, Kompromittierenden, oder wie auch immer. Man muss sich auch ein Stück weit der Einsamkeit eines Philosophen stellen und das für sich persönlich umsetzen und nicht immer danach schauen, was die Anderen machen und was gerade so in ist. Denn das will der große Markt, auch wenn es einen kleinen Markt jenseits des großen geben mag.

      "Ach so, was die Beziehungen betrifft: Alleinsein ist in meinen Augen gleichwertig mit einer Beziehung. Aber es ist erst dann wachstumsförderndern, wenn ich eine "alte Seele" bin, also nicht mehr unbedingt auf Spiegel angewiesen."

      Nein, irgendwann muss jeder das erste Mal durch richtige Einsamkeit durch, egal ob alte oder junge Seele. Und daran wächst er/sie.

      "Die innere Herabstufung aber einer Beziehung gegenüber dem Alleinsein bezeichnet man im Allgemeinen als "Arroganz"."

      Das Umgekehrte würde ich auch als Arroganz bezeichnen. In einer freien Gesellschaft darf es keine Präferenz einer bestimmten individuellen Lebensführung geben. Ob sich jemand für Einsamkeit entscheidet (das soll es tatsächlich geben, warum auch nicht) oder für Beziehungen. Arrogant finde ich die Haltung von Politikern, die in Sonntagsreden im Hinblick auf Wahlerfolge zu oft das abgegriffene Stichwort "Familie" (so ähnlich wie sie sich auch bei Rentnern anbiedern) in den Mund nehmen. Arrogant gegen diejenigen, die gar nicht in einer Familie leben wollen, vielleicht noch nicht mal einen Partner wollen, sondern einfach nur - im wesentlichen - allein leben wollen. Das heißt natürlich nicht, dass sie nicht Kontakt zu anderen Menschen haben wollen und de facto auch haben, mit denen sie sich austauschen können.

      Gruß
      Jörg