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    • Ich will hier zwei Sachen notieren, die mir gestern noch in den Sinn kamen, die aber keinen direkten Bezug zu Hastedt haben:

      Was sind (bzw.: gibt es) neue oder alte Gefühle? Damit meine ich Gefühle - mal platt gesagt - die unsere Vor/Nachfahren nicht mehr haben werden oder solche die in anderen Kulturkreisen unbekannt sind. Sind das Gefühle, die denjenigen, die sie nicht haben, ganz verschlossen sind oder müsste man sie lernen können? Was wären Beispiele?

      Was heißt: Sprachgefühl?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Spirit ()

    • Vor einiger Zeit hatte ich vorgeschlagen mal einen Philosophen ins Forum einzuladen. Vielleicht könnte man diesen Gedanken "warm" halten :) Für einen Lesethread böte sich das an, oder? Möglich wäre auch ein Fragen-/Thesen- oder sonstiges Papier zusammen zu stellen und Hastedt zu senden. Natürlich erst, wenn wir einigermaßen "vorwärts" gekommen sind ...

      Zudem fände ich es sinnvoll, den "Ursprungssthread" hierher zu verschieben.
    • Wie wäre es mit dem Gefühl von "burnout", das Gefühl was sich einstellen kann wenn man permanent zu hoch belastet wird. Dieses Gefühl gibt es doch vorallem in industralisierten Regionen, in Kulturkreisen die dies noch nicht sind sollte dies ein unbekanntes Gefühl sein.

      Oder dem Gefühl von "zuwenig" social Networking bzw. die Abhängigkeit davon. Das sollte unseren Nachfahren vor 20 Jahrenn auch nicht geläufig sein :)
    • Jörn schrieb:

      Was sind (bzw.: gibt es) neue oder alte Gefühle? Damit meine ich Gefühle - mal platt gesagt - die unsere Vor/Nachfahren nicht mehr haben werden oder solche die in anderen Kulturkreisen unbekannt sind. Sind das Gefühle, die denjenigen, die sie nicht haben, ganz verschlossen sind oder müsste man sie lernen können? Was wären Beispiele?


      ein Beispiel, das mir hier einfällt, ist der "Null Bock"-Begriff.

      de.wikipedia.org/wiki/Null-Bock-Generation

      Ich habe diese Generation voll miterlebt :) ... es war so mitte der 80er Jahre, als dieser Spruch aufkam "Kein Bock". Damals war ich ca. 12 Jahre alt.
      Meine Schwester - 4 Jahre älter - hatte zu dieser Welt keinen Zugang - ihre Sozialisation war noch wesentlich konservativer ( Ende 70er, Anfang 80er Jahre: konservative Gegenbewegung zu den 60ern).

      Mit dieser Aussage war es möglich, ein ganz besonders "Lebensgefühl" zum Ausdruck zu bringen. Es war möglich, sich gegen jegliche soziale Erwartungen zu stellen: "Kein Bock." ... und dies aus einem rein hedonistischen Prinzip. Die Eltern durften nicht mehr "schlagen", sondern mussten damit irgendwie zurecht kommen. Der Pubertätskonflikt bekam auf diese Weise eine besondere Ausdruckskraft.
      Der Jugendliche setzte sich einfach vor seinen Commodore 64, träumte von seinem VW-Golf und ... .
    • Spirit schrieb:

      ein Beispiel, das mir hier einfällt, ist der "Null Bock"-Begriff.

      Ein Beispiel, das ich gestern livehaftige (bei zwei jungen Männern) gesehen habe, ist die Haltung (im wahrsten Sinne des Wortes) der Coolness. Ich weiß nicht wie alte diese Haltung ist und welche Vorläufer sie hat ... aber viel mehr als 30 Jahre wird sie nicht auf dem Buckel haben, oder?
    • ilmenau.com schrieb:



      Bei einem seiner insgesamt 28 Aufenthalte in Ilmenau übernachtete Goethe, nach einer Wanderung durch die Ilmenauer Berge, allein in der kleinen Schutzhütte auf dem Gipfel des Kickelhahns. Fasziniert vom anbrechenden Abend und der absoluten Stille schrieb er mit einem Stift an die Holzplanken der Hütte:

      Über allen Gipfeln
      Ist Ruh'
      In allen Wipfeln
      Spürest Du
      Kaum einen Hauch;
      Die Vögelein schweigen im Walde
      Warte nur, balde
      Ruhest Du auch.

      Jahre später, am 27. August 1831 ist Goethe wieder in Ilmenau. Es ist der Vorabend seines 82. Geburtstages. Ihm wird ein besonderer Wunsch erfüllt, als er mit dem Berginspektor Mahr auf den Kickelhahn fährt. Jede Hilfe abwehrend erklimmt er die steilen Stufen zum Obergeschoss der Schutzhütte und sucht das kleine Gedicht. Johann Christian Mahr schilderte die Szene wie folgt:

      "Goethe überlas diese wenigen Verse, und Tränen flossen über seine Wangen. Ganz langsam zog er sein schneeweißes Taschentuch aus seinem dunkelbraunen Tuchrock , trocknete sich die Tränen und sprach in einem sanften, wehmütigen Ton: 'Ja, warte nur, bald ruhest du auch!' , schwieg eine halbe Minute, sah nochmals durch das Fenster in den düstern Fichtenwald und wendete sich darauf zu mir, mit den Worten: Nun wollen wir wieder gehen!".
    • Ernst Florey - Neurophysiologe - in Kunstforum Bd. 126 - 1994 - "Große Gefühle" schrieb:

      Fast bin ich versucht, zu sagen: "Gefühlsmäßig wissen wir, was ein Gefühl ist." Dieser Satz ist durchaus charakteristisch für eine weitverbreitete Einschätzung des Gefühls als eines nichtsprachlichen Wissens.

      Das Gefühl als nicht-sprachliches Wissen. Und das Sprachgefühl? Ja, könnte passen :)
    • Spirit schrieb:

      Mit dieser Aussage war es möglich, ein ganz besonders "Lebensgefühl" zum Ausdruck zu bringen. Es war möglich, sich gegen jegliche soziale Erwartungen zu stellen: "Kein Bock." ... und dies aus einem rein hedonistischen Prinzip.

      ...wobei ein solches Gefühl möglicherweise aber doch etwas älter als der spezifische Ausdruck und die entsprechende Jugendkultur sein könnte? Eine andere kulturelle (und körperleibliche) Variante der älteren Generation vielleicht ;) ?:

      Schade nur, dass ich lesen kann.
      (H. Schreiber)

      Es ist und bleibt das gleiche allerorten – man sagt am Ende nichts, in vielen Worten.
      M. Kaléko

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Bartleby ()

    • Bartleby schrieb:

      ...wobei ein solches Gefühl möglicherweise aber doch etwas älter als der spezifische Ausdruck und die entsprechende Jugendkultur sein könnte? Eine andere kulturelle (und körperleibliche) Variante der älteren Generation vielleicht ;) ?:


      vielleicht kann man hier von einer "Verwandtheit" sprechen?

      Ich verstehe den Wandel so, dass sich sprachlich und körperleiblich bestimmte Ausdrucksformen in Generationen etablieren. Nachfolgende Generationen beziehen sich in eigenständiger Weise daraufhin, entwickeln neue Ausdrucksformen, etc. . Oft tauchen dann in späteren Generationen "verwandte" Ausdrucksformen auf. Taucht man hier (methodisch) hermeneutisch ein, dann könnte man eventuell sagen, dass hier bestimmte Ausdrucksbedürfnisse zugrunde liegen. ... ...das Thema kommt jetzt im 5-6 Kapitel Hastedt auf, scheint es mir. Finde ich sehr spannend.
    • nein ich klinke mich gleich wieder aus, für mich war nur der Natur-Kultur-Dualismus interessant, da ich schon immer der meinung war, das dies ein interdepenter PROZESS ist, man kann in einem gewissem aspekt sagen, das natur genetisch gespeicherte kultur ist oder sein kann ...

      bin schon wieder raus aus dem tread...
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      Azam Ali - Endless Reverie

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von BigBang ()

    • ach wie süß.... :D

      mann sollte dort nur mitmischen wenn man das buch auch ließt, daher war es nur eine letzte zuckung....es hat mich halt meine natur übermannt, oder war es doch meine (fehlende) kultur...? oder beides? was würde wohl Hastedt dazu sagen? und welches gedicht würde fliege darauf reimen....und überhaupt..... ;)
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    • BigBang schrieb:

      es hat mich halt meine natur übermannt, oder war es doch meine (fehlende) kultur...? oder beides? was würde wohl Hastedt dazu sagen? und welches gedicht würde fliege darauf reimen...

      Hastedt zitiert (S. 73) eine Gewährfrau mit den Worten, (kulturell konstituierte) "Gefühle sind langsam". Sollten Gefühle allerdings langsam bis zur Reglosigkeit sein, dürfen wir wohl von fehlender Kultur ausgehen.

      Nun können wir die Behauptung wagen,
      dass Übermannung uns entlastet vom Kulturversagen.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Fliege schrieb:

      Hastedt möchte allerdings späterhin ausschließlich von einem Wir ausgehen (in Kapitel 5: Zur kulturellen Konstitution der Gefühle).
      Deshalb vermeidet es Hastedt auch schon vorher, Gefühle einem Ich zuzuerkennen (selbst in Kapitel 1: Was sind Gefühle?). So sagt er (Kapitel 1, S. 19): "Es ist nicht möglich, keine Gefühle zu haben. Gefühle prägen uns immer."

      Schaut man sich die Publikationen an, sieht man, dass Hastedt dem Ich nicht zugeneigt ist und totaltotal auf das Wir setzt: Klar wird das schon allein bei dem voll ironischen Titel: "Heiner Hastedt: Der Wert des Einzelnen. Eine Verteidigung des Individualismus;"
    • Hastedt (Kapitel 6, S. 92):
      Ein wohlverstandener Konstruktivismus impliziert keineswegs willkürliche, individuelle Konstruktionen. Realität ist eine sozial und kulturell geteilte Konstruktion, auf die wir nicht verzichten können [...].
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).