Angepinnt Philosophie der Gefühle - Begriffsbestimmungen

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    • Kognition

      wissen.de schrieb:

      Oberbegriff für Wahrnehmung, Erkennen, Denken, Gedächtnis, Erinnerung oder Lernen.
      Ich verstehe darunter alles, was im weiten Sinne irgendwie mit Denken zusammenhängt, die wissen.de-Erklärung hat mich ein wenig überrascht, wegen des Stichwortes "Wahrnehmung".

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    • Hallo Nick,

      ich finde den Wiki-Artikel gar nicht so schlecht - zumindest enthält er einige Informationen. de.wikipedia.org/wiki/Kognition

      Man könnte vielleicht sagen, dass 1. eine recht enge Definition "Kognition" mit "Denken" gleichsetzt.

      Der Begriff kann dann auch auf 2. unbewusste Prozesse ausgedehnt werden, wenn er sich auch auf "Lernen" und somit auch auf die unbewussten Prozesse des Lernens bezieht.

      Und schließlich können weitere Differenzierungen vorgenommen werden - wie du sie nennst. Der Kognitionsbegriff mutiert dann 3. zu einem "reinen Informationsbegriff", der nicht nur die Wahrnehmung und das Erkennen lebendiger Wesen bezeichnet, sondern jegliche Informationsprozesse, also auch "künstliche Intelligenz", und dient damit also nicht nur als Begriff der Psychologie, sondern auch der Informatik, Linguistik, Neurowissenschaft und der Kognitionswissenschaft im weitesten Sinne.

      (PS: ich fände es ganz hilfreich, wenn wir in diesem Thread auch unterschiedliche Bestimmungen des Gefühl-Begriffs festhalten können.)

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    • Eva-Maria Engelen, Schlüsselbegriffe

      Affektprogramme
      Angeborene affektive oder emotionale Mechanismen, die durch einen für sie spezifischen Reiz ausgelöst werden. Sie legen fest, wie emotionale Reaktionen ablaufen, und sind nur bedingt durch bewusste Überlegungen und den Willen zu beeinflussen. Das sich aus dem jeweiligen Affektprogramm ergebende Reaktionsmuster läuft stets in ähnlicher Weise ab und enthält zumeist folgende Elemente: einen spezifischen Gesichtsausdruck, eine spezifische Körperhaltung sowie eine spezifische Stimmfärbung, eine Änderung des Hormonspiegels und automatische Reaktionen durch das Nervensystem.

      Axiologie
      In der Ethik eine Theorie darüber, was bedeutend und wertvoll ist, also eine Lehre von den Werten.

      Disposition, emotionale (Hintergrundgefühl)
      Fähigkeit beziehungsweise Anlage zu emotionalen oder affektiven Reaktionen. Die emotionale Disposition geht nicht während der gesamten Dauer, in der sie besteht, mit einer akuten Empfindung einher.

      Einschätzung (appraisal)
      Terminus, der aus den sogenannten Einschätzungstheorien aus der Psychologie stammt, aber auch in der philosophischen Literatur verwendet wird. Gefragt wird nach der Einschätzung oder Bewertung von Vorgängen durch emotionale Prozesse. Im Mittelpunkt dieser Überlegungen stehen die kognitiven Funktionen von Emotionen. Situationen oder Vorgänge werden hinsichtlich ihrer Bedeutung für den einschätzenden Organismus bewertet.

      Emotion, basale
      Basale emotionale Prozesse (Basisemotionen) gelten als angeborene physiologische Mechanismen. Vertreter einer Theorie sogenannter basaler Emotionen gehen davon aus, dass sie bei allen Menschen und sogar bei Primaten und anderen Säugetieren vorkommen. Emotionen wie Furcht/Angst, Wut/Zorn/Ärger, Freude, Ekel und Trauer im Sinne eines Verlustgefühls gelten gemeinhin als basal. Die Einteilung in basale Emotionen und komplexe Emotionen stellt jedoch nur einen Weg dar, Emotionen zu kategorisieren. Eine andere Möglichkeit liegt darin, von den Einschätzungen beziehungsweise Einschätzungsmechanismen auszugehen. Die Einteilung in basale Emotionen und komplexe Emotionen ergibt sich aus einer evolutionstheoretischen Betrachtung von Emotionen, die ihr Augenmerk auf die Entstehung psychischer und psychophysiologischer Mechanismen legt. Die den basalen Emotionen zugrunde liegenden Mechanismen sind in diesem Theorieansatz das Ergebnis einer natürlichen Selektion und haben eine entsprechende adaptive Funktion.

      Emotion, komplexe
      Komplexe Emotionen setzen sich aus basalen Emotionen zusammen. Sie werden im Verlauf eines Sozialisationsund Erziehungsprozesses erworben. Um komplexe Emotionen haben zu können, muss das Subjekt über ein Selbstbild verfügen, das es in Bezug zu anderen Subjekten setzen kann.

      Evaluationsmechanismus
      Einschätzungsprozess, der Bestandteil emotionaler Prozesse ist. Eine Situation oder ein Ereignis wird eingeschätzt oder bewertet.

      Formalobjekt
      Ein formales Objekt ist eine Eigenschaft (zum Beispiel furchterregend), die eine Emotion (zum Beispiel Furcht) ihrem Zielobjekt (zum Beispiel Hund) implizit zuschreibt. Mit diesem Konzept sollen verschiedene Emotionen, die sich rein aufgrund ihrer physiologischen Erscheinungsformen (Schweißausbruch, Herzklopfen, Zittern) nicht unterscheiden lassen, als spezifische Emotionen (Angst, Freude, Verliebtheit) bestimmen lassen.

      Intentionalität
      Gerichtetheit eines psychischen - also auch eines emotionalen - Prozesses auf eine Situation, einen Sachverhalt, ein Objekt.

      James-Lange-Theorie
      Emotionen sind nach dieser Theorie Repräsentationen von physischen Vorgängen. Das Gehirn registriert die physiologischen Vorgänge und repräsentiert sie als Emotion. Der Ansatz von Antonio Damasio fußt auf dem Modell von William James und Carl Gustav Lange. Nach Damasios Theorie sind Emotionen und Gefühle neuronale Repräsentationen von Veränderungen im Körper eines Menschen.

      Kognitivismus
      In Emotions- und Gefühlstheorien wird damit eine Position bezeichnet, nach der Emotionen und Gefühle durch Einschätzungen, Bewertungen, Urteile, Wünsche oder Überzeugungen mitkonstituiert werden.

      Marker, somatischer
      Begriff von Antonio Damasio, der Repräsentationen im Gehirn bezeichnet, die meist unbewusst bestimmte Vorgänge als gut oder schlecht, angenehm oder unangenehm, gefährlich oder ungefährlich bewerten beziehungsweise »markieren«.

      Philosophie des Geistes
      Philosophische Theorieansätze zur Klärung psychischer Phänomene werden unter dem Begriff der Philosophie des Geistes zusammengefasst. Insbesondere Fragen des Verhältnisses von Körper und Geist, Gehirn und Bewusstsein werden unter dieser Bezeichnung diskutiert, aber auch die Frage, welche Funktionsweisen das Bewusstsein hat und wie Sinnesqualitäten, Bewusstsein und Subjektivität erklärt werden können.

      Qualia
      Die mit Empfindungen einhergehenden speziell erlebten Eindrücke. Bei einer Emotion oder einem Gefühl ist damit die Art und Weise, wie es sich anfühlt, ein bestimmtes Gefühl oder eine bestimmte Emotion zu haben, gemeint.

      Qualität, phänomenale
      Wenn auf die phänomenale Qualität von Emotionen und Gefühlen hingewiesen wird, wird damit hervorgehoben, dass es sich in einer bestimmten Weise anfühlt, eine Emotion oder ein Gefühl zu empfinden, während das etwa bei Absichten, Wünschen oder Wahrnehmungen nicht der Fall ist. Es fühlt sich beispielsweise nicht in einer bestimmten Art und Weise an, eine Wahrnehmung zu haben.

      Rahmenproblem
      Damit wird die Frage bezeichnet, wie und woher wir wissen, welche Informationen für eine Schlussfolgerung relevant sind und welche nicht. Das menschliche kognitive Vermögen filtert die erforderlichen relevanten Informationen meist automatisch heraus. Weitgehend unklar ist, wie das geschieht.

      Reiz-Reaktionsmuster
      Auf bestimmte Auslösereize hin automatisch ablaufende physiologische Prozesse.

      Repräsentation, mentale
      Annahme, dass mentale Zustände andere Zustände wie etwa äußere Situationen darstellen und insofern einen Gehalt haben.

      Tugenden
      Im Zusammenhang der Ethik werden damit die verschiedenen vorzüglichen Eigenschaften einer Person bezeichnet, die es erlauben, sie als gut zu bezeichnen.

      Wert, extrinsisch
      Zweckrelativer Wert, der bezüglich der Erfüllung eines bestimmten Zwecks gilt.

      Wert, intrinsisch
      Gilt nicht nur mit Blick auf die Erfüllung eines bestimmten Zwecks, sondern aufgrund der in der Sache liegenden Eigenschaften.

      Zustand, mentaler
      In der Philosophie des Geistes werden unter mentalen oder psychischen Zuständen die folgenden gefasst: Gedanken, Empfindungen und Wahrnehmungen.

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    • Vier unterschiedliche Emotionen-Typen:

      Emotionen: Das neue Modell von Albert Newen - ein neues Modell der Emotionen

      Albert Newen und seine Mitarbeiterin Alexandra Zinck vom Institut für Philosophie der Universität Bochum haben ein neues Modell entwickelt, das hilft, die Entstehung von Emotionen zu klären. Das Modell, das in Heft 1/2008 der Synthese vorgestellt wird, nutzt entwicklungspsychologische Erkenntnisse und klassifiziert alle menschlichen Emotionen nach ansteigender Komplexität in vier Entwicklungsstufen: in PräEmotionen, Basisemotionen sowie primäre und sekundäre kognitive Emotionen. Auf diesem Wege entsteht zum Beispiel aus einem vagen Wohlbefinden erst Freude, dann Zufriedenheit und schließlich Stolz.

      Die erste Stufe der Emotionen, die sog. PräEmotionen, drücken spontan nur Wohlbefinden oder Unbehagen aus. Zwar sind bei diesen unfokussierten Vorformen schon alle Aspekte von Emotionen vorhanden:
      - die physische Erregung,
      - eine schnelle Bewertung der Situation
      - der physiognomische Aus druck
      - das dazugehörige Gefühl.
      Aber PräEmotionen bleiben unspezifisch und sind nicht mit einer Handlungsabsicht verbunden. Eine Situation wird nur positiv oder negativ bewertet, ohne dass sie näher gedanklich analysiert wäre.

      Die PräEmotionen differenzieren sich auf der nächsten Stufe in eine der vier Basisemotionen: Freude im positiven Fall, Trauer, Angst oder Ärger im negativen. „Diese Emotionen sind entwicklungspsychologisch betrachtet universelle Basisemotionen“, erklärt Newen. „Der Gesichtsausdruck verrät sie, und zwar unabhängig vom kulturellen Umfeld.“ Die basalen Emotionen sind grundlegende Affektprogramme, die unabhängig von der bewussten Reizverarbeitung und auch unabhängig von langsameren kognitiven Prozessen wie Gedanken ablaufen. Sie fokussieren unmittelbar die Aufmerksamkeit und rufen eine schnelle Reaktion hervor: Wir haben Angst noch bevor wir z.B. wissen, ob ein Objekt eine Schlange oder ein Stock ist. Das ermöglicht es uns, unverzögert auf etwas zu reagieren, das wir als „gefährlich“ vermuten und das bei uns ein Fluchtverhalten auslöst. Die langsamere, bewusste Verarbeitung eines Reizes läuft parallel über die Großhirnrinde, den sog. Neokortex, ab. Wir sehen bewusst die Schlange oder den Stock – und werden durch diesen Eindruck bestätigt oder entwarnt. Trotzdem sind wir dann schon zur Seite gesprungen. Aus den Basisemotionen entstehen im Zuge der bewussten Verarbeitung des Reizes Verhaltensreaktionen: Gefahr erzeugt Angst und entsprechendes Fluchtverhalten; aus der Erfahrung von Trennung und Verlust entsteht Traurigkeit; Frustrationen und Hindernisse verursachen Ärger; schließlich entsteht mit der Erfahrung des Erfolges eigener Mühe sowie sozialer Akzeptanz das Gefühl von Freude.

      Zur körperlichen Reaktion kommt in der nächsten Entwicklungsstufe, bei den primären kognitiven Emotionen, nun der Inhalt von Gedanken hinzu. „Wenn wir beim Beispiel der Angst bleiben, so wird die basale Emotion Angst allein dadurch erzeugt, dass es eine unbewusste Bewertung einer Situa¬tion als gefährlich gibt. Die primäre kognitive Emotion dagegen schließt die bewusste Überzeugung ein, dass die Situation gefährlich ist. Dann sprechen wir von Bedrohung“, erläutert Newen. Mit der bewussten Überzeugung wird eine feinkörnigere Bewertung der Situation vorgenommen. Im Fall der Freude wäre die primäre kognitive Emotion die Zufriedenheit, wenn jemand feststellt, dass alles gemäß seinen Erwartungen verläuft und zudem noch die Sonne scheint.

      Bei den sich daran anschließenden sekundären kognitiven Emotionen ist nicht nur eine Überzeugung, sondern gleich eine Minitheorie über soziale Beziehungen mit im Spiel. „So kann zur Dimension der Angst als sekundäre kognitive Emotion die Eifersucht hinzukommen – als die Angst, den Partner zu verlieren“, so Newen. Hier wirkt eine Minitheorie über soziale Erwartungen und Normen, zu der ein Selbstkonzept, Meinungen über soziale Relationen zu bestimmten Individuen und allgemeine soziale Normen, sowie Erwartungen und Hoffnungen in Bezug auf die Zukunft gehören. Daher sind diese komplexen Emotionen besonders abhängig
      von kultureller Einbettung und persönlicher Erfahrung. Deshalb unterscheiden sie sich auch sehr stark, sowohl zwischen Individuen als auch zwischen Kulturen. Scham und Stolz zum Beispiel unterscheiden sich sowohl was die Anlässe, als auch was das Verhalten oder die Bewertung dieser Emotion selbst angehen, stark zwischen westlichen und asiatischen Kulturen.