War Platon revolutionär? (Erörterung einer weiteren Sloterdijk-These)

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    • War Platon revolutionär? (Erörterung einer weiteren Sloterdijk-These)

      Hallo Leute!

      Auf S. 470f. seines aktuellen Werkes, das einigen Konformisten "weglegenswert" erscheint, möchte ich gerne über einen weiteren Sprengsatz diskutiert sehen: Ich verkürze, um das Wesentliche prägnant erkennbar zu machen:

      Pädagogik a la Platon ist anch diesen harmlos erscheinenden Ausführungen von mir revolutionär! Als Pionier der neuen Sichtweise hat sich der Meister aus der Kollektivhöhle den Weg ins Freie gebahnt und sich dann bereitgefunden, zu den falsch Eingestellten ins Schattenkino hinunterzusteigen. Hier wird der Philosoph zum "Konvertit", zum "Umgedrehten". Würde er sein Wissen auf eigene Rechnung machen wollen, könnte er sich natürlich in seinem Privatglück sonnen. Wird er aber von der Sorge um den Staat ergriffen, muss er vom Privatismus abrücken und seine Erleuchtung (!, anderer thread, Anm. von mir) mit den Vielen zu teilen suchen.

      Frage: Versteht Sloterdijk Platon unangemessen? Rückt er ihn als Alt68er einfach zu weit nach "links"?
      "Man kann den Menschen nichts beibringen. Man kann ihnen nur helfen, es in sich selbst zu entdecken." (Galileo Galilei)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Hellmut ()

    • Hi.



      Es ist bei Platon weniger die Sorge um den Staat an sich als vielmehr die Sorge um das Wissen/die Weisheit/die kollektive Schau der Ideen. Allerdings kann man da ein Stück "Nächstenliebe" drin sehen, da bei Platon anders als bei Aristoteles (dort das gute Leben) die zur individuellen Schau der Ideen notwendigen Tugenden weniger auf das Soziale/die Anderen aus Notwendigkeit ausgerichtet sind.



      Gruß
    • Ich weiß auch nicht, ob man wirklich „sozialer“ sagen kann – auch wenn das bei mir oben anklingt. Wenn man sich die platonische Staatsphilosophie im Ganzen anschaut, ist das über weite Strecken nicht wirklich sozial, andererseits spielt wieder die Gerechtigkeit eine enorme Rolle (die aber wiederum anders als heute verstanden wird). Ich denke, wenn man hier wirklich eine Antwort möchte, müsste man alles noch einmal Stück für Stück durchkauen. Und zumindest aus einer oberflächlichen Betrachtung heraus, wird man dann auch nicht zu einem eindeutigen Schluss kommen.

      Was das Revolutionäre angeht: hier muss man glaube ich unterschiedliche Perspektiven berücksichtigen. Von der Außenwirkung kann man das durchaus als „revolutionär“ betrachten, von dem eigentlichen Antrieb her wissenschafts- und philosophiehistorisch sowie erkenntnistheoretisch schon, sozialphilosophisch (eher) nein.

      Gruß

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von T1982 ()

    • T 1982- ich gehe nochmal von Sloterdijks Ausgangspunkt aus: Er sagt: Wer ein Höhlengleichnis schreiben kann, gibt wohlbegründeten Vermutungen Nahrung, selbst den Blöff des im Dunkelraum gezeigten Lebens-Ersatz-Kinos durchschaut und außerhalb der Höhle das pure Sonnenlicht (=Leben pur) erlebt zu haben...Glaubst Du Platon?

      Wenn ja, hätte er doch was vom einem Revoluzzer, nicht?



      P.S.: Manche produzieren aus ähnlichen Beobachtungen den Satz: Glaubst Du an den Erzähler solcher Mythen? Zu solcher traditionellen Überhöhung tendiere ich nicht.
      "Man kann den Menschen nichts beibringen. Man kann ihnen nur helfen, es in sich selbst zu entdecken." (Galileo Galilei)

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    • Hellmut schrieb:


      T 1982- ich gehe nochmal von Sloterdijks Ausgangspunkt aus: Er sagt: Wer ein Höhlengleichnis schreiben kann, gibt wohlbegründeten Vermutungen Nahrung, selbst den Blöff des im Dunkelraum gezeigten Lebens-Ersatz-Kinos durchschaut und außerhalb der Höhle das pure Sonnenlicht (=Leben pur) erlebt zu haben...Glaubst Du Platon?

      Wenn ja, hätte er doch was vom einem Revoluzzer, nicht?

      Das war das, wo ich Platon - wie erwähnt - erkenntnistheoretisch als Revoluzzer sehe (ontologisch z.B. nicht, da gab es zu viele Vorarbeiten). Ob ich ihm glaube? Dass er es so "empfunden" hat: ja. Dass es so ist? Naja - tendenziell (sogar) schon...



      Gruß