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    • Christoph S. Herrmann, Michael Pauen, Byoung Kyong Min, Niko A. Busch und Jochem W. Rieger schrieb:


      Eine neue Interpretation von Libets Experimenten aus der Analyse einer Wahlreaktionsaufgabe
      Wir möchten in diesem Artikel ein Experiment vorstellen, dessen Resultate eine neue Interpretation der bereits in anderen Kapiteln dar gestellten Libet-Experimente erlauben.' Benjamin Libet hatte experimentelle Daten erhoben, die nahe legen, dass die Willensfreiheit des Menschen eine Illusion ist. Wenn Probanden eine motorische Reaktion ihrer Hand einleiten sollen, stellte Libet fest, dass das im Elektroenzephalogramm (EEG) gemessene Bereitschaftspotenzial früher auftrat als die bewusste Entscheidung, den Knopf zu drücken. Wir führten ein Experiment durch, in dem die Probanden einen Reiz auf einem Computerbildschirm wahrnahmen und dann in Abhängigkeit von Reiztyp einen von zwei Knöpfen entweder mit der rechten oder der linken Hand drücken sollten. Wir konnten vor der motorischen Reaktion eine ähnliche neuronale Aktivität wie in Libets Experimenten feststellen. Diese Aktivität setzte jedoch schon ein, bevor die Reize dargeboten wurden, und somit bevor die Versuchspersonen wissen konnten, welchen Knopf sie drücken sollten. Aus diesem Grund argumentieren wir, dass diese Aktivität nicht auf spezifische Weise bestimmt, was der Handelnde tut; es ist plausibler, diese Aktivität als Widerspiegelung einer allgemeinen Erwartung aufzufassen. Diese Interpretation würde der Vorstellung der Willensfreiheit nicht widersprechen.

      ...

      Ich finde zwar, dass die Libetexperimente der Vorstellung der Willensfreiheit eh nicht widersprechen, aber sei's drum. Der gesamte Artikel befindet sich in "Hermann/Pauen/Rieger/Schicktanz (Hg.) Bewusstsein."
    • Jörn schrieb:

      Ich finde zwar, dass die Libetexperimente der Vorstellung der Willensfreiheit eh nicht widersprechen

      danke für den Text. Ich teile die Meinung, dass die Experimente bestimmten Konzeptionen der Willensfreiheit nicht widersprechen. Würde mich interessieren, weshalb sie aus deiner Sicht dieser nicht widersprechen. Vielleicht ist es ja auch mal wieder Zeit für einen Willensfreiheit-Thread.
    • Das zufällige (!) Heben eines Fingers hat wohl nicht viel mit Willensfreiheit zu tun. (Zudem basiert das Experiment natürlich - wenn man so möchte - auf der Willensfreiheit, also der Freiwilligkeit und natürlich auch der Ehrlichkeit der Probanten ...) Ich sag mal mit Augenzwinkern, das Experiment gehört nach Descartes "ich denke also bin ich" als Spitzenreiter bestimmt in die Top Ten der am besten widerlegtesten Dinge :-) Mir ging es aber im wesentlich um dieses Nachfolgeexperiment, welches überhaupt eine andere Auslegung der besagten Potenziale Nahe zu legen scheint (nämlich "Widerspiegelung einer allgemeinen Erwartung").

      Ein Thread zu Willensfreiheit? Hmmm ... vielleicht mit folgendem Titel: wie hat Pauen Roth rumgekriegt? :-))

      [IMG:http://bilder.buecher.de/produkte/23/23845/23845239n.jpg]
    • je nach Art und Grad der Verbindung

      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Deutsche Zeitschrift für Philosophie

      Band 59, Heft 3 (Juni 2011)

      Einführung in den Schwerpunkt
      370 Schwerpunkt: Kritische Philosophie der Neurowissenschaften
      Christoph Demmerling

      375 Perspektiven einer kritischen Philosophie der Neurowissenschaften
      Jan Slaby


      391 Neuropolitik und plastische Gehirne. Eine Fallstudie des adoleszenten Gehirns
      Lutz Fricke und Suparna Choudhury


      403 Neuroökonomie und Neurokapitalismus. Am Beispiel des Vertrauens
      Martin Hartmann


      419 Bestimmte Unbestimmbarkeit. Über die zweite Natur in der ersten und die erste Natur in der zweiten
      Philip Hogh und Julia König
    • Für mich unterscheiden sich beide Experimente voneinander.
      Da ich keine Neurobiologin bin, möchte ich mich über die neurobiologischen Folgen dieser Unterschiede
      nicht äußern. Philosophinnen wie ich beziehen zwar wissenschaftliche Ergebnisse in ihre
      Überlegungen mit ein, ich bin aber keine wissenschaftliche Enzyklopädie auf zwei Beinen.
      Ich halte die Unterschiede für irgendwie relevant und frage mich, inwieweit die beiden
      unterschiedlichen Schlussfolgerungen in der Sache kompatibel sein können.

      Die Schlussfolgerungen, die erwähnt werden, könnten aus meiner Sicht daher in der Sache nur begrenzt für
      den philosophischen Diskurs brauchbar sein.
      Benjamin Libet hatte experimentelle Daten erhoben, die nahe
      legen, dass die Willensfreiheit des Menschen eine Illusion ist. ...

      Aus diesem Grund argumentieren wir, dass diese Aktivität
      nicht auf spezifische Weise bestimmt, was der Handelnde tut;
      es ist plausibler, diese Aktivität als Widerspiegelung einer
      allgemeinen Erwartung aufzufassen.
      Aus meiner Sicht enthalten beide Schlussfolgerungen hohe hypothetische Anteile , sodass sie schon
      wieder untauglich sein könnten, da sie Ungeklärtes mitschleppen. M. E. wird hier vor allem das
      Bemühen deutlich, eigene Positionen um jeden Preis zu behalten. Es wäre
      interessant darüber nachzudenken, was sich für das Philosophieren ändert, wenn
      diese Schlussfolgerungen miteinbezogen werden.

      M. E. haben die neurobiologischen Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte ergeben: Menschliche
      Neuronen sind immer aktiv. Wie auch diesem Experiment zu entnehmen ist. Daraus
      schlussfolgere ich, es geschieht mehr, als unsere Schulweisheit (Bewusstsein) zu ergründen vermag und dass die Behauptung,
      der Mensch (Geist) entscheide allein darüber, was er tue, nicht nur durch Philosophen, Psychologen,
      Lernforscher … etc. in Frage gestellt ist, sondern auch durch die Neurobiologie. Diese aus vielen
      Wissenschaften kommende Infragestellung scheint mir philosophisch relevant.

      Ich kann auf Grund eigener Beobachtungen feststellen, dass ich vorausgeplante Entscheidungen nicht einhalten kann.
      Meine Berufstätigkeit macht Planen zu einem notwendigen Umstand für erfolgreiches Lernen, so habe ich
      gelernt. Diese Lehrpläne, die fälschlicherweise als Lernpläne angesehen werden, sind m.
      E. nicht zielführend. Denn z.B. ungeplante Ereignisse, das Verhalten aller am gemeinsamen Lernen Beteiligten - Schüler und
      Lehrerin - machen situative Anpassungen nötig, die man nur mit fragwürdigen Mitteln und negativen Folgen für alle verhindern kann.

      Es ist für mich daher eher von Belang, darüber nachzudenken, wie es kommt, dass Willensfreiheit
      – und zwar eine ganz bestimmte Auffassung davon – gehalten werden soll.

      flores :)
      Jedes Lebewesen möchte seinen eigenen Impulsen folgen. (Rolf Reinhold)
    • Philosophie des Bewusstseins

      Bevor ich jetzt alle 15 oder 16 Vorträge der Vortragsreihe "Philosophie des Bewusstseins" von Thoams Metzinger verlinke, nur eben ein kurzer Hinweis: Ihr googelt einfach "Philosophie des Bewusstseins" und geht dann auf den Ordner YouTube, und dann gebt ihr oben im Suchfeld nur noch die Vortragsziffer zu dem Titel dazu, als 1, 2, 3, 4 odr 5 usw. Ich persönlich kann Euch die Vortragsreihe wärmstens empfehlen. Sie ist unglaublich informativ. Ich habe selten so schnell derart viel dazugelernt... Gruß Joachm Stiller Münster
    • Meine eigenen Beiträge zur Philosophie des Geistes

      Hier einmal eine vorläufige Darstellung meiner eigenen Beiträge zur Philosophie des Geistes. Ich habe sich ala Anhang angehängt...

      Gruß Joachim Stiller Münster
      Dateien