Anschauungen ohne Begriffe sind blind

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    • Eigentlich wollte ich es in den "Arbeit am Begriff"-Thread posten - dann aber dachte ich, ein etwas besinnlicherer Bereich wäre schöner. Begriffe - könnte man sagen - strukturieren unsere Wahrnehmungen. Ohne eine solche Ordnung wären wir in gewisser Hinsicht blind. Allerdings glaube ich, dass nicht bloß Begriffe uns sehend, denkend und handelnd machen, sondern jegliche Symbolsysteme.
    • Original von _its_not_me_
      Begriffe - könnte man sagen - strukturieren unsere Wahrnehmungen. Ohne eine solche Ordnung wären wir in gewisser Hinsicht blind. Allerdings glaube ich, dass nicht bloß Begriffe uns sehend, denkend und handelnd machen, sondern jegliche Symbolsysteme.

      Der Begriff "Begriff" kommt von begreifen und sofern durch "Symbolsysteme" etwas begriffen werden kann, handelt es sich auch bei diesen um Begriffe (wobei man sich noch darüber, was "begreifen" ist und daraus abzuleitenden Kriterien für "begreifen" näher unterhalten sollte).
      Eine erste Unterscheidung wäre vielleicht die zwischen sprachlichen und nichtsprachlichen Begriffen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Verena ()

    • RE: Anschauungen ohne Begriffe sind blind

      Original von _its_not_me_
      ...
      Anschauungen ohne Begriffe sind blind (KrV)
      ...


      Einverstanden. Was nützen Anschauungen (verstanden als spezifizierte Wahrnehmungen), wenn wir sie nicht irgendwie intellektuell verarbeiten können (über Begriffe)?

      Vielleicht zur Verdeutlichung, wie das Verhältnis von Anschauungen und Begriffen funktioniert, die Aussage grade anders herum formuliert: Begriffe ohne Anschauungen. Aber diese Begriffe ohne Anschauungen sind nicht blind, so wie es die Anschauungen ohne Begriffe wären. Dies zeigt sich dadurch, dass der anschauungslose Begriff - implizit über die Verwendung im Sprachkontext, oder explizt - definiert ist. Und es gibt eine Menge anschauungsloser Begriffe; ich muss nur einen erfinden.

      Ja, ein Begriff ist niemals blind. Aber sehen wir deswegen klarer, was er meint?

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von #phritz ()

    • Wenn mans anders rum formulieren will, greift man vielleicht einfach zum Original - das geht so: Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschaungen ohne Begriffe sind blind. (hoffentlich korrekt zitiert)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von _its_not_me_ ()

    • Original von _its_not_me_
      Wenn mans anders rum formulieren will, greift man vielleicht einfach zum Original - das geht so: Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschaungen ohne Begriffe sind blind. (hoffentlich korrekt zitiert)


      Ich versuche jetzt vergebens, einen Gedanken ohne Inhalt zu denken. So vergeblich, wie: "Denk' - aber denk' dir keine Inhalte."

      Aber hier sollte man vorsichtig sein: heißt "leer" vielleicht nicht "inhaltlos", sondern "praktisch bedeutungslos"?
    • Ohne Sinnlichkeit würde uns kein Gegenstand gegeben und ohne Verstand keiner gedacht werden. Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind. Daher ist es eben so nothwendig, seine Begriffe sinnlich zu machen (d. i. ihnen den Gegenstand in der Anschauung beizufügen), als seine Anschauungen sich verständlich zu machen (d. i. sie unter Begriffe zu bringen). Beide Vermögen oder Fähigkeiten können auch ihre Functionen nicht vertauschen. Der Verstand vermag nichts anzuschauen und die Sinne nichts zu denken. Nur daraus, daß sie sich vereinigen, kann Er|kenntniß entspringen. (Kant)

      Allerdings hab ich eben nur den einen Teil des Zitats zum Wort der Woche auserkoren :)
    • Wenn ich an einen Begriff denke, dann verbinde ich damit einen mir zur Verfügung stehenden Inhalt. Einen MEnschen, ein Bild... was auch immer. Damit kann ich sozusagen meine Vorstellungen begrifflich unter einen Hut bringen.
      Aber ein solcher Begriff alleine bleibt ja nicht auf dem "Stand", den er im Moment seiner Bildung hatte. Er kann sich beliebig erweitern oder verändern.

      Wenn ich an einer Diskussion o.ä. teilnehme, dann kann es ja durchaus sein, dass ich etwas dazulerne. Begriffe können in einem andern Kontext Neues für mich beinhalten, meinen Horizont also (für diesen einzelnen Begriff) erweitern. Der Begriff kommt schlicht weg einen zusätzlichen Inhalt. Man muss aber dazusagen, dass er das alleine nicht zu erreichen scheint.
      Es ist eher der Kontext, in dem der Begriff verwendet wird.

      its:
      [...] Allerdings glaube ich, dass nicht bloß Begriffe uns sehend, denkend und handelnd machen, sondern jegliche Symbolsysteme.


      Vielleicht lernen wir somit gar nichts aus den Begriffen selbst, sondern aus den Systemen, die deren Verwendung festlegen.
    • Original von _its_not_me_
      Ohne Sinnlichkeit würde uns kein Gegenstand gegeben und ohne Verstand keiner gedacht werden. Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind. Daher ist es eben so nothwendig, seine Begriffe sinnlich zu machen (d. i. ihnen den Gegenstand in der Anschauung beizufügen), als seine Anschauungen sich verständlich zu machen (d. i. sie unter Begriffe zu bringen). Beide Vermögen oder Fähigkeiten können auch ihre Functionen nicht vertauschen. Der Verstand vermag nichts anzuschauen und die Sinne nichts zu denken. Nur daraus, daß sie sich vereinigen, kann Er|kenntniß entspringen. (Kant)

      Allerdings hab ich eben nur den einen Teil des Zitats zum Wort der Woche auserkoren :)


      Das hört sich fast so an wie: Die Grenzen der Sprache sind die Grenzen meiner Welt (sinngemäß nach L. W.) War das nicht ein Gedanke, den Du im Thread xxx strikt von Dir gewiesen hast?
    • Oh doch. Schau' nur mal in den Thread "Was wir brauchen", zweite Seite ff.

      Dort meintest Du, dass Du mit mir über diese Behauptung (Sprache = Welt) nicht streiten könntest, da uns der gemeinsame Boden fehlen würde.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von #phritz ()

    • Wenn ich das richtig sehe, dann würde ich mit Frege antworten - der Gedanke ist der Sinn, d.h. der Inhalt eines Begriffs.


      Wie meint Frege das, aqvileia?

      "Der Gedanke ist der Sinn, Inhalt eines Begriffes" (nicht in Zitat-Form gedacht).

      Wäre damit der Gedanke immer noch rein durch das Subjekt geprägt? Es hat sowas von einem "Neutralen".
      Hab bis jetzt noch nichts von ihm gelesen.. trotzdem würde es mich interessieren.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nansen ()

    • Oh doch. Es ging bereits in der ersten Seite um diese Frage der Weltgrenzen, und Du hast mir auf meine Behauptung geantwortet


      Hast du schon mal Kausalität wahrgenommen?
      Hast du schon mal das "reine Schema" Hund gesehen?
      Hast du schon mal einen schieren Wert gesehen?


      Ohne jeden Zweifel Begriffe ohne Anschauungen, wie?

      Aber ist jetzt auch egal. Eine solche Debatte ist jetzt nicht zielführend für dieses Thema.

      Insgeheim interessiert mich nur die Frage, warum es uns peinlich ist, oder warum überhaupt ärgerlich, wenn wir uns widersprichen.