Unterscheidungen

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    • Original von Trist
      Du meinst also, daß Freiheit nicht zur Natur des Menschen gehört?


      Ich denke (Entscheidungs)Freiheit entsteht nur in einer (sozialen) Gemeinschaft. Jup, is ne holistische Ansicht, aber man sollte nicht ausser Acht lassen das erst in diesem Holismus überhaupt Unterscheidungen zwischen Natur - Kultur entstehen können und nichts weiter sind diese als verschiedene Perspektiven die sich überschneiden, aber auch entgegenlaufen können.
      Diese beiden Dinge zu defninieren (die ja nur gedachte Dinge sind) stößt denk ich später immer auf Probleme, inwieweit ist Kultur durch Natur bestimmt.... ist die Freiheit dann überhaupt noch brauchbar als Entscheidungskriterium usw.
      Man fährt glaubig besser diese Unterscheidung ganz praktikabel nur auf konkrete Dinge anzuwenden bei denen so eine Unterscheidung wichtig ist.

      Unterscheidungen sind möglicherweise (1) eine (ausschließliche?) Funktion des kulturgeschichtlichen Horizonts - aber das Unterscheidbare (das Substrat der Unterscheidung) sicher nicht.
      Dh: Auch wenn es eine Zeit in der Menschheitsgeschichte gab, wo eine Unterscheidung nicht thematisiert wurde, also auch wenn bestimmte Unterscheidungen nicht vollzogen wurden, muss es das Unterscheidbare trotzdem (wie auch immer) gegeben haben, denn das Substrat der Unterscheidung, wird doch durch die Unterscheidung nicht materialiter geschaffen.
      (Die Bedingungen für die Unterscheidungen in der Pflanzen- und Tierwelt bestanden schon vor der Erfindung der biologisch klassifizierenden Taxonomien und wurden nicht durch sie geschaffen und die Evolutionstheorie hat die Evolution nicht inszeniert.)


      (1) Problem der individuellen Originalität (-> "Genie"-Thematik) beim ursprünglichen Hervorbringen einer Unterscheidung. Dh was an der Unterscheidung ist dem kulturgeschichtlichen Horizont und was der individuellen kreativen Originalität geschuldet?

      Dieser Beitrag wurde bereits 13 mal editiert, zuletzt von Verena ()

    • (Die Unterschiede in der Pflanzen- und Tierwelt gab es schon vor der Erfindung der biologisch klassifizierenden Taxonomien



      Die Unterschiede mussten aber auch erst erfunden werden, das heißt des Focus auf Wesentliches zu richten und anderes zu reduzieren.
      Ob sich dieses nun innerhalb eines kulturgeschichtlichen Horizont abspielt oder individuell, macht da erstmal keinen Unterschied :)
      Probleme mit solchen Unterscheidungen gibt es übrigens bei den Pilzen, wo man nicht genau sagen kann ob Tier oder Planze.

      Solche Konzepte wie Natur und Kultur sind somit eigentlich nur Unterschiedssammlungen die je nach Epoche neu sortiert, gefüllt oder auch gar nichts werden. Das es auch Unterschiede auf materieller Ebene gibt ist natürlich Vorausetzung :)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Trist ()

    • Original von Trist
      ...Die Unterschiede mussten aber auch erst erfunden werden, das heißt des Focus auf Wesentliches zu richten und anderes zu reduzieren.
      Ob sich dieses nun innerhalb eines kulturgeschichtlichen Horizont abspielt oder individuell, macht da erstmal keinen Unterschied :) ...

      (Ich hab mein Kleingeschriebenes korrigiert, weil es missverständlich war - man muss hier schon sorgfältig formulieren.)
      Deshalb - um es nochmal deutlicher zu sagen:
      ME müssen (mindestens) zwei notwendige Bedingungen dafür gegeben/erfüllt sein, daß Unterschiede (Absonderungen, Einteilungen, usw.) gemacht werden können:
      Es muss einerseits Unterscheidbares gegeben sein (als Substrat der Unterscheidung); andrerseits müssen Gesichtspunkte "erfunden" werden (bzw. bereits gegeben sein), damit die Unterschiede (im Unterscheidbaren) "entdeckt" werden können. Erst wenn beide Bedingungen gewährleistet sind, kann es Unterschiede "geben", vorher nicht.
      (Als 3. Bedingung möglicherweise noch den- oder dasjenige, was die Unterscheidung erfindet und/oder faktisch vollzieht.)

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Verena ()

    • Original von Trist
      Ist doch fast dasselbe was ich geschrieben hab, bloß ein bischen anders formuliert :)

      Geschrieben?
      Aber wenn du das auch gemeint hast - umso besser. ;)
      Ich wollte oben Bedingungen dafür, daß ein Unterschied (gegeben) ist, einfach mal explizit formulieren.

      ...Focus auf Wesentliches zu richten und anderes zu reduzieren.

      Diese Formulierung finde ich allerdings etwas problematisch:
      @ "Wesentlich" - wer sagt denn, welche Unterscheidungen "Wesentliches" thematisieren?
      @ "reduzieren" - reduziert wird eigentlich gar nichts; wenn man auf etwas abhebt, wird anderes vernachlässigt, meinst du wahrscheinlich?

      Je nach Gesichtpunkt (Epoche) ändert sich diese Unterschiedssammlung.

      Jo - das ist der kulturhistorische Gesichtspunkt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Verena ()

    • Diese Formulierung finde ich allerdings etwas problematisch: @ "Wesentlich" - wer sagt denn, welche Unterscheidungen "Wesentliches" thematisieren? @ "reduzieren" - reduziert wird eigentlich gar nichts; wenn man auf etwas abhebt, wird anderes vernachlässigt, meinst du wahrscheinlich?



      Vielleicht meinen wir hier ja wieder dasselbe..

      wenn ich mich auf die Unterscheidung Tier Pflanze konzentriere
      dann muss ich dafür andere Merkmale vernachlässigen, sozusagen das Ding auf diese reduzieren. Was die Unterscheidung thematisiert ist für die Unterscheidung immer wesentlich :)
    • Der Begriff "wesentlich" ist für mich ziemlich metaphysisch vorbelastet - ich würde dafür lieber "wichtig" sagen. Gerade in einer Erörterung, welche feststellt, daß "Eigenschaften" von Dingen eine Funktion (bzw. abhängig) von Betrachtungsweisen (bzw. bestimmter Gesichtspunkte) sind, find ich den Begriff "wesentlich" einfach etwas problematisch.
      Aber vielleicht bin ich auch einfach zu vorbelastet, um diesen Begriff in einer "harmloseren" Bedeutung verwenden zu können.
      Spielst du damit auf die phänomenologische "Wesenschau" an?

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Verena ()

    • Original von Trist
      Bei mir ist der Begriff platonisch vorgeprägt. Es geht da auch um Unterscheidungen und welche Merkmale wesentlich für eine Unterscheidung ist und welche man einfach weglassen kann.
      Sowas ist glaubig auch die phänomenologische "Wesenschau" oder?

      Die Verfahrensweisen sollte man trotz vielleicht vordergründiger Ähnlichkeiten (Ideation) aber auf keinen Fall gleichsetzen.
      Aus der phänomenologischen "Wesenschau" resultiert ja keine ontologische Verfassung der Dinge, sondern "lediglich" deren epistemologische Verfasstheit, dh Thema ist nicht die Verfassung der Dinge als an sich Seiendes, sondern sofern sie als erkannte Dinge (als Phänomene) für uns gegeben sind. Die "Ideation" liefert nicht die Verfasstheit von an sich seienden Gegenständen, sondern von Erkenntnisphänomenen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Verena ()

    • Original von Trist
      "lediglich" deren epistemologische Verfasstheit

      Über nichts anderes haben wir hier doch gesprochen oder? :)

      Der Ausgangs- und Knackpunkt war der metaphysische Begriff "wesentlich", den ich im Kontext der Diskussion nicht verwenden würde - auch nicht im phänomenologischen Sinn, sondern gar nicht (um keine Missverständnisse zu provozieren). 8)

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Verena ()

    • Nehmen wir an, wir laufen barfuß über einen mit Kieselsteinen abgestreuten Weg. In vielerlei Hinsicht ließen sich die einzelnen Kieselsteine voneinander unterscheiden (Farbe, Größe, Form usw.), aber das kümmert niemanden, solange kein besonders spitzer drunter ist, der einem beim Drauftreten die Haut aufschlitzt.
      Unterscheidbarkeiten bekommen ihre Relevanz im Hinblick auf etwas. Dann sind Unterschiede sogar wesentlich, nämlich im Hinblick auf die Unversehrtheit der Füße beim Drübergehen, deren Wesen ich in diesem Zusammenhang gern bewahrt sehen würde *g*.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).