Über die Freiheit

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  • Über die Freiheit

    Die drei Arten der Freiheit

    Ich meine mich zu erinnern, dass es der französische Existentialist Jean Paul Sartre (Der Ekel: Verurteilt zur Freiheit) war, der sinngemäß sagte, er kenne nur zwei Arten von Freiheit: die geistige Freiheit und die Handlungsfreiheit. Leider habe ich trotz Recherche nicht herausfinden können, wo er das sagte. Möglicher Weis ein "Das Sein und das Nichts". Ich selbst habe aber den Gedanken aufgegriffen, und diesen beiden Arten der Freiheit noch eine dritte hinzugefügt: Die Willensfreiheit. Damit sind es dann drei Arten von Freiheit:die geistige Freiheit, die Willensfreiheit und die Handlungsfreiheit. Meines Erachtens sind es diese drei, die die persönliche Freiheit des Menschen ausmachen.

    Positive und negative Freiheit

    Nietzsche war es, der zwischen positiver Freiheit (Freiheit "zu" etwas) und negativer Freiheit (Freiheit "von" etwas) unterschied. Auch das wäre machbar. Es ist nur ein ganz anderer Zugriff. Die positive Freiheit (Freiheit "zu" etwas) würde dann praktisch der Handlungsfreiheit entsprechen. Ich sage gleich noch was dazu. Die negative Freiheit (Freiheit "von" etwas) taucht in meinem obigen Abschnitt noch nicht auf. Gemeint wäre damit etwa

    ein Freisein von Übeln,
    ein Freisein vom Bösen,
    ein Freisein vom Laster,
    ein Freisein von Sorgen,
    ein Freisein von Gewalt,
    ein Freisein von Unterdrückung,
    ein Freisein von Fesseln,
    ein Freisein von Angst,
    ein Freisein von Hass,
    ein Freisein von Krankheit,
    ein Freisein von Zwängen
    und vieles anders mehr.

    So etwas lässt sich praktisch weder systematisieren, noch je erschöpfend behandeln. Ähnlich verhält es sich mit der positiven Freiheit (Freiheit "zu" etwas), die ich mit der Handlungsfreiheit gleichsetze. Der positiven Freiheit sind da schon eher systematisch Möglichkeiten gesetzt, wenngleich auch das kaum je erschöpfend zu behandeln ist, wie wir gleich sehen werden. Wir können ja einmal positive Freiheiten, also Handlungsfreiheiten wie in einem Brainstorming sammeln. Ich fange gleich einmal an, und stelle vor, was ich im Laufe der Jahre so alles gefunden habe:-

    - Gewissensfreiheit
    - Entscheidungsfreiheit
    - Meinungsfreiheit
    - Redefreiheit
    - Handlungsfreiheit
    - Pressefreiheit
    - Versammlungsfreiheit
    - Demonstrationsfreiheit
    - Wahlfreiheit

    Da fällt mir ein, es gibt noch einen ganze Menge von positiven Freiheiten, die mit unter die grundgesetzlich garantierten Freiheitsrechte fallen, aber auch unter die unveräußerlichen Menschenrechte, sei es denen der Vereinten Nationen, sei es denen der EU (Charter der Grundrechte), was ja oft ineinander übergeht... Was fällt mir denn so ein?

    - Religionsfreiheit
    - Freiheit der Wissenschaft
    - Freiheit der Kunst und des Kunstschaffens
    - Freiheit der Wahl des Arbeitsplatzes
    - Freiheit der Wahl des Wohnortes
    - Reisefreiheit
    - Bewegungsfreiheit
    - Freiheit in der Wahl der Sexualausübung
    - Freie Schulwahl- Bildungsmittelfreiheit
    - Freiheit der Ärztewahl

    Sicher ließen sich da noch weitere Freiheiten finden. Ja ich sehe schon, anders, als ich zunächst dachte, ist es eben doch weder systematisierbar, noch je erschöpfend zu behandeln.

    Freiheit als Einsicht

    So, als nächstes in meiner Systematik wären dann Spinoza, Hegel und F. Engels dran:

    Freiheit ist Einsicht in Notwendigkeit und das Handeln danach.

    Und Steiner stimmt in den Tenor ein mit seinem eigensinnigen: Freiheit ist Einsicht in den jeweiligen Gesamtzusammenhang wobei er schlicht vergessen hat, anzufügen: und das Handeln danach. Dadurch war bei mir lange Zeit ein völlig falscher Widerhall des Satzes entstanden. Und das ist umso erstaunlicher, als dass die Philosophie der Freiheit ja gerade zwei Teile hat, einen theoretischen und einen praktischen, oder genauer, einen Erkenntnistheoretischen und einen Praktischen. Ganz in den Anfängen hatte ich auch noch gesagt: Freiheit ist Einsicht in Notwendigkeit (ohne Zusatz), aber im Zuge meiner Steinerrezeption habe ich mich von dieser ganzen Linie abgewendet, und nach etwas komplett anderem gesucht, wobei ich zunächst nicht wusste, wonach ich eigentlich suchte.

    Geistige Freiheit


    Ich fand den Satz von Sartre, dass er nur zwei Arten von Freiheit kenne, und dann kam Beuys mit seiner plastischen Theorie (Denken = Plastik) und seinem geradezu genialen Wissenschaftsbegriff, der mich so wahnsinnig fasziniert hat:

    Denken = Wissenschaft = Freiheit

    Das wurde in der Tat für Jahre mein Mantra. Ich war nun nur noch an der geistigen Freiheit interessiert. Schließlich steckte ich in einem ziemlich komplizierten Prozess der Selbstbefreiung. Andererseits, ich kam ja von Marx her, war auch meine Liebe zu Descartes noch ungebrochen, und über allem stand das Cogito ergo sum von Descartes. Aber ich sah auch die Schwäche die darin liegt, und irgendwann folgte ich einer Intuition und fragt einmal ganz frech, was bin ich denn eigentlich, wenn ich denke? Und da hatte ich es sofort: Ich bin Frei.

    Ich denke, also bin ich frei.


    Ich ließ mir den Satz in Achberg von einem alten Lateiner übersetzen:

    Cogito ergo ligber sum.


    Na, wenn das keine göttliche Fügung war. Und bedeutete das Denken selbst dann nicht Freiheit? Und war Freiheit dann nicht vielleicht gleich Denken? Denken = Freiheit? Erst war ich noch unsicher, Aber dann fand ich genau diese Aussage bei Steiner, und zwar in den Karmavorträgen. Ich notierte damals dies: „Sollte Freiheit sich etwa aus dem Denken selber ergeben? Als ich dann die Karmavorträge von Steiner las, stieß ich dann auf die entscheidende Mitteilung, die sich auf die Philosophie der Freiheit bezog. Dort sagt Steiner, er hätte nie die Willensfreiheit gemeint, die nur sehr schwer zu begründen ist. Er hätte die Freiheit immer nur auf das Denken selber bezogen. Das war für mich wie eine Initialzündung und auch die Lösung des Problems. Geistige Freiheit muss im Denken selber gesehen werden. Geistige Freiheit ist im Denken selber begründet.

    Denken = Freiheit


    Willensfreiheit

    Und wenn wir so weit sind, dass wir die geistige Freiheit verstanden haben, können wir auch endlich die Willensfreiheit begründen. „Wie wohl die meisten Menschen, glaube auch ich an die Existenz der Willensfreiheit. Genau wie Kant möchte auch ich eine Lanze für die Willensfreiheit brechen. Zunächst einmal scheint es die Willensfreiheit überraschender Weise „nicht“ zu geben, denn der Wille ist grundsätzlich eine abhängige Größe. Er ist abhängig z.B. von den Trieben, den Begierden und den Leidenschaften. Wie kann er da frei sein? Doch nur, wenn er irgendwie von der Freiheit bestimmt wird. Die Freiheit ist aber bedingt durch das Denken. Wenn wir nun den Willen durch unser Denken und der Vernunft bestimmen, wenn wir den Willen also unter die Herrschaft des Denkens und der Vernunft stellen, so wird unser Wille tatsächlich frei. Wille und Denken sind nur zwei Seiten ein und derselben Medaille. Zunächst liegt der Wille dem Denken zugrunde. Dann bestimmt aber das Denken wiederum den dann freien Willen. Allerdings ist der Wille immer nur mehr oder weniger frei, wie wir gleich sehen werden.

    Determinismus und Indeterminismus

    Der absolute Determinismus und der absolute Indeterminismus sind die beiden äußeren Pole der Existenz, die sich zwischen Abhängigkeit und Freiheit bewegt. Der Determinismus hat von der Möglichkeit des Zufalls einmal abgesehen, seine Gültigkeit in der physischen Welt. Der Indeterminismus hingegen hat seine Gültigkeit in der geistigen Welt und bei Gott. Zwischen diesen beiden Polen von Abhängigkeit und Freiheit erstreckt sich eine ganze Hierarchie von Zwischenstufen. Die Pflanze als Lebewesen ist schon etwas weniger determiniert, als die bloß physische Materie, das Tier ist noch weniger determiniert, der Mensch steht vielleicht irgendwo in der Mitte zwischen Determinismus und Freiheit, und noch höhere Wesen sind entsprechend noch freier, als der Mensch. Beuys sagte einmal: „Nicht ist der Mensch nur frei, und nicht ist er nur abhängig, sondern er arbeitet mit diesen beiden Elementen in sinnvoller eise. Das sollte sein. ... Die Freiheit ist grundsätzlich eine relative Größe. Man kann immer nur mehr oder weniger frei sein. Dass ich mich als Kompatibilist (von Freiheit und Determinismus) bezeichne, hängt einfach damit zusammen, dass ich den Begriff des Libertarismus nicht sonderlich mag. Ich lehne ihn als einseitig und damit als unbrauchbar ab. Ich selbst bin schwacher Indeterminst. Noch einmal: „Nicht ist der Mensch nur frei, und nicht ist er nur abhängig, sondern er arbeitet mit diesen beiden Elementen in sinnvoller Weise. Das sollte sein.“ (Beuys) Hier einmal die drei Hauptpositionen:

    Position ................................Welt ...............................Mensch
    -----------------------------------------------------------------------------------------------------
    1. Starker Indeterminismus ..........Indeterminismus .................Indeterminismus

    2. Schwacher Indeterminismus ......Determinismus ..................Indeterminismus

    3. Starker Determinismus ............Determinismus ...................Determinismus

    Über die Freiheit

    Das Werk von John Stuart Mill „Über die Freiheit“ habe ich leider nie gelesen.

    John Stuart Mill: „Über die Freiheit“

    Erste Aphorismen

    Ich habe mir mit diesem Text wirklich die größte Mühe gegeben, denn das Thema der Freiheit ist mir persönlich ein durchaus wichtiges. Es war für mein eigenes Denken lange Zeit absolut zentral. Und nachdem ich für mich selbst eine Lösung gefunden hatte, die sich - natürlich nur für mich selbst - "gut anfühlte" begann ich auch meine ersten Aphorismen zu schreiben, indem ich die Grundlagen meines damaligen Denkens etwa auf die folgenden Formeln brachte:

    Denken = Freiheit

    Kreativität = Kapital

    Soziale Kunst = Interaktion


    Hier noch eben der Wiki-Artiekle zum Begriff Freiheit:

    de.wikipedia.org/wiki/Freiheit

    Und heir noch eben die PDF zu diesem Blogbeitrag:

    joachimstiller.de/download/philosophie_freiheit.pdf

    Joachim Stiller Münster, bis 2013

    1.022 mal gelesen

Kommentare 4

  • Joachim Stiller -

    Frei nach Rosa Luxemburg... Ich weiß... :finger:

  • OrloZ -

    freiheit ist immer die freiheit der anderen

  • Joachim Stiller -

    Der Determinismus ist definitiv falsch... Richtig sit allerdings, dass der Mensch immer nur mehr oder weniger frei ist...Freiheit sit also eine relative Größe...

  • grietKe -

    Wenn ich so viel Freiheit hätte, würde ich sicherlich auch nicht von Newtons Gesetze bestimmt sein und frei im Raum flottieren ^^