Es gibt Gott <UND> es gibt keinen Gott 1/2

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  • Gottes Reich, so höre ich oft, steht uns bevor und sei ein Schlussstrich, der Weltuntergang den Gott herbeiführt. Aber das Nichtende grenzt doch direkt an meine Seiendheit, als ein Nächstgelegenes zu meinem Sein, in beide Richtungen in die Zeit, ist der Weltuntergang direkt hier, selbig der Weltaufgang. Und das Hier und Jetzt ist eigentlich Nichts. Unendlichkeit hat keinen Anfang. Ich gönne es den Menschen den Weltuntergang drohend vor sich zu sehen, und ich bin mir durchaus auch der positiven Auswirkungen dieser Vorstellung auf unser Konstrukt Welt bewusst. Mit diesem Aufsatz möchte ich mir jedenfalls mein eigenes Bild von Gottes Reich zimmern. Selbstverständlich wird dieses Bild nicht dem meines Lesers entsprechen, das ist auch gut so. Vermutlich ist kaum etwas gefährlicher als die Rechtgläubigkeit. Und soweit ich weiß, kritisiert und unterläuft der Gedanke eines Reiches Gottes überhaupt alle Machtsysteme des Menschen. Seit der Trennung aus Gottes Reich, in der Erklärung, welche ein Gottes Reich kennt und diesem Dinge zuschreibt, gibt es auch die Idee dieses göttlichen Reiches. Mit meiner Frage nach Gottes Reich ergeben sich andere Fragen, wie die Frage nach Gut und Böse, und eben die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht. Gerade letzterer Frage möchte ich nicht nachgehen. Ich muss die Begriffe Gott oder Gut und Böse verwenden, um mich mit der Frage nach Gottes Reich deckungsgleich mit dem darüber existierenden Denken in der Welt, auseinandersetzen zu können. Es gibt hier weder Gott noch gibt es keinen Gott, denn beide Betrachtungen schließen zwar einander aus, sind aber doch als Weltkonstrukt zueinander verfügt. Ich kann nicht sagen, ob einer dieser Ströme wahr ist, wohl aber, dass sie beide als Strom schon wahr sind. Ich möchte daher sowohl mythologische Erklärungen als auch wissenschaftliche Erklärungen der Welt für meine Betrachtung dieses utopischen Reiches heranziehen. Ich lasse also methodisch einfach das ganze Spektrum der Erklärungen zu. Mein kleiner Aufsatz ist daher keine wissenschaftliche Analyse und führt auch zu keinem Ergebnis, sondern ist mein eigener lebens-philosophischer und hermeneutischer Spaziergang. Ich werde keine wissenschaftlichen Tatsachen leugnen. Das Konstrukt der Wissenschaft ist voll und allgemein gültig für alle. Wie immer, so auch hier, kommt eine Existenzerhellung, weil sie auch gegenstandslos ist, zu keinem Ergebnis, wie es Karl Jaspers sagte. Etwas, dass Theodor W. Adorno als Vorwurf an Martin Heideggers Existenzphilosophie (im „Jargon der Eigentlichkeit“) mit einem „Eben.“bestätigte. Dieser bekannte Holzweg führt also nirgendwohin, er bringt kein positives Wissen. Eben! Denn der Baum der Erkenntnis (Wissen über X) ist nicht der Baum des Lebens (das X Sein). Und ich befürchte,weil dies so ist, haben wir überhaupt Bewusstsein von etwas. Wenn auch graduell, so gibt es doch da einen Riss in der unerlebenden Welt zum Erlebenden. Der Schöpfungsmythos setzt bekanntlich bei diesem Riss an, er ist eine aus der Sprache hervorgehende Erklärung der Welt. Hier steht das Denken im Dienst der Sprache. Wir haben zwei große Lager der Betrachtung von Sprache. Die Einen sehen es als System von Lauten, eine im Verlauf der Geschichte gemachte Erfindung. Die Anderen sehen in der Ur-Nennung den Akt des Ursprungs, also die Bedingung der Möglichkeit von Geschichte. Sprache sorgt insofern für die Weltlichkeit des Daseins, weil sie die Beziehungsganzheit der Welt konstituiert. „Kein Ding, wo das Wort gebricht.“(Stefan George „Das Wort“). Als die Welt laut Schöpfungsmythos mit dem Ur-Wort begann, mit jemanden dem Welt erscheint, einem bewussten Beobachter, waren wir tatsächlich so nackt wie Adam und Eva. Wenn diese Beschränkung auf den Anfang in Form der Trennung zu einem Erlebenden auch einseitig ist, genau hier setzt der Schöpfungsgedanken eben an. „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ (Genesis 1:1) heißt es bei den Christen. Und sowohl die Erde (Universum), als auch der Himmel (Welt,Bewusstsein) expandiert. Die Welt entsteht hier erst mit der Trennung vom Sein zum Dasein, mit dem Heraustreten aus sich selbst zu einem Offline- Beobachter. Bei Tieren gibt es keine Trennung geistiger und motorischer Fähigkeiten. Sie denken sozusagen nur situationsabhängig (Online). Aber nur ein Offline-Beobachter hat Welt, ist sich bewusst, weil, wie Jean-Paul Sartre sagt: „Bewusstsein das ist, was es nicht ist“. „Aber wie und Warum führen physische Vorgänge zu bewussten Erleben? Warum finden diese Vorgänge nicht im Dunkeln statt, ohne von bewussten Erlebnissen begleitet zu sein? Das ist das zentrale Mysterium des Bewusstseins.“ (David Chalmers). Laut christlicher Schöpfungstheorie ist diese Trennung zum Offline-Seienden durch den Sündenfall Adam und Evas im Paradies von Gott, dem Besitzer dieses Paradieses, angeordnet, bzw. haben wir durch den Sündenfall uns selbst in das Off, ins nackte Da-sein, entschieden. Laut christlicher Schöpfungstheorie müssen wir nun leidvoll erkennen, da wir in Sünde gefallen sind, was gut und was böse ist. Der Baum der Erkenntnis (Wissen) von Gut und Böse befindet sich zusammen mit dem Baum des Lebens (Existenz im Paradies. Der frisch geschaffene Mensch darf alle Früchte essen, aber nicht die Frucht des Baumes der Erkenntnis. Gott verbietet es ausdrücklich. Äßen wir davon würden wir sterblich. Der Tod hält dann Einzug in das Geschöpf. Er wird daher auch der Baum des Todes genannt. „Und Gott der Herr pflanzte einen Garten Eden im Osten, und er setzte dorthin den Menschen, den er gebildet hatte. Und Gott, der Herr ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzusehen und gut zur Nahrung, und den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens, und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.“ (1. Mose 2:8-9) "Und Gott, der Herr, nahm den Menschen und setze ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren.Und Gott, der Herr, gebot dem Menschen und sprach:Von jedem Baum des Gartens darfst du essen. Aber vom Baum der Erkenntnis vonGuten und Bösen, davon darfst du nicht essen, denn an dem Tag, da du davonisst, musst du sterben!“ (1.Mose 2:15-17). Gott stellt den Menschen explizit vor die Entscheidung ein sterbliches Dasein zu führen, insofern Sie sich für sich, für ihre Selbstverantwortung entscheiden. Er stellt sie vor die Entscheidung, nimmt sie aber dem Wesen Mensch nicht ab. Wir hatten die Möglichkeit zu gehorchen und dafür im Paradies zu bleiben oder uns für die Erkenntnis von Gut und Böse zu entscheiden, die uns insofern wir Gut und Böse erkennen könnten, wieder ins Paradies führt. Die Entscheidung zur Entzweiung mit Gott hat er uns, in seiner Güte, selbst überlassen. „Und die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Und sie sprach zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Vonallen Bäumen des Gartens dürft ihr nicht essen? Da sagte die Frau zur Schlange:Von den Früchten des Baumes des Gartens essen wir, aber von den Früchten desBaumes in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Ihr sollt nicht davonessen und sollt sie nicht berühren, damit ihr nicht sterbt! Da sagte dieSchlange zur Frau: Keineswegs werdet ihr sterben, sondern Gott weiß, dass andem Tag, da ihr davon esst, eure Augen aufgetan werden und ihr sein werdet wie Gott,erkennend Gutes und Böses.“ (1.Buch Mose 3:1-5). Die Schlange (Gottes Geschöpf) hat die Neugier geweckt, sie hat das Verlangen nach göttlichen Wissen geschürt, hat Misstrauen gegenüber Gott gesät und Zweifel an seiner Güte aufkommen lassen. Die Frucht war sehr verlockend, wir wollten auch Wissen, koste es was es wolle. Wir haben auf die Schöpfung des Schöpfers gehört, aber nicht auf den Schöpfer selbst, haben die Schöpfung akzeptiert, und gegen den Schöpfer revoltiert. Die Schöpfung des Schöpfers hat uns zum Ungehorsam verleitet. Adam und Eva haben die Meinung der Schlange, Gottes Schöpfung, akzeptiert, und gegen Gott revoltiert. Sie hätten gegen die Schöpfung Gottes revoltieren sollen und Gott akzeptieren. Als der Mensch sich nun entschloss unabhängig sein Leben von Gott in eigener Regie zu führen, sich zur eigenen Mündigkeit entschieden, hatte dies Konsequenzen für ihn als Geschöpf, nämlich die Trennung von Gott, die Trennung vom Paradies, zu einer Welt in der Welt, zu Dasein im Dasein. Adam und Eva sind in sich selbst verlegt. „Und die Frau sah, dass der Baum gut zur Speise und dass er eine Lust für die Augen und das der Baum begehrenswert war, Einsicht zu geben. Und sie nahm von seinerFrucht und aß, und sie gab auch ihrem Mann bei ihr, und er aß. Da wurden ihrerbeider Augen aufgetan, und sie erkannten, dass sie nackt waren, und siehefteten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.“(1.Buch Mose 3:6-7). Und nirgends wird behauptet, dass der Baum der Erkenntnis, also das Wissen böse ist. An der Frucht des Baumes ist im Kern nichts böses oder schlechtes. Unser Sündenfall ist, dass wir vom Baum des Todes aßen, ohne zuvor vom Baum des Lebens gegessen zu haben. Mit dem Naschen vom Baum der Erkenntnis geht der Verlust unserer ursprünglichen Harmonie zwischen Schöpfer und Geschöpf einher. Gott ist ohne Sünde, er erkennt gut und böse, und genau dies trennt uns nun von ihm. Damit wir nun nicht noch vom Baum des Lebens essen, als Sünder im Paradies lebend, werden wir ausgesperrt von Gott. Man könnte aber auch sagen, wir sind selbst in das nackte Dasein gestolpert. Und Gott, der Herr, rief den Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du? Da sagte er: Ich hörte deine Stimme im Garten und ich fürchtete mich, weil ichnackt bin, und ich versteckte mich. Und er sprach: Wer hat dir das erzählt, dassdu nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem ich dir gebotenhabe, du sollst nicht davon essen?... So sei der Erdboden verflucht umdeinetwillen: mit Mühsal sollst du davon essen alle Tage deines Lebens, undDornen und Disteln wird er dir sprossen lassen, und du wirst das Kraut desFeldes essen! Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis zuzurückkehrst zum Erdboden, denn von ihm bist du genommen. Denn Staub bist duund zum Staub wirst du zurückkehren! Und Gott, der Herr, machte Adam und seinerFrau Leibröcke aus Fell und bekleidete sie. Und Gott, der Herr, sprach: Siehe,der Mensch ist geworden wie einer von uns, zu erkennen Gutes und Böses. Und nun, dass er nicht etwa seine Hand ausstreckte und auch noch von dem Baum des Lebens nehme und esse und ewig lebe. Und Gott, der Herr, schickte ihn aus dem Garten Eden hinaus, den Erdboden zu bebauen, von dem er genommen war.“ (1.Mose 3:9-23 ) Nun müssen wir uns den Garten Eden erst wieder verdienen. Wir müssen lernen mit solch einem Paradies umzugehen, ein langer und schmerzlicher Weg für Adam und Eva. Aber wir erarbeiten zunehmend Wertanteile an dieser Freiheit. Mit Jesus Christus, dem besseren Adam, sind wir laut Christentum wieder mit Gott versöhnt. Die Überwindung der Trennung durch den Sündenfall ist mit Jesus angebrochen. Jesus ist als erster in Gottes Reich vorgedrungen, wenn auch schon andere Befreiungsversuche der Vernunft vorangingen, z.B. als Sokrates. Aber erst in Jesus hat sich der ganze Logos erhoben zum Dasein beim Sein. Der Logos ist das ganze Seiende und ist nicht das Sein, sondern Dasein beim Sein. Das Dasein beim Sein ist auch das nicht-menschliche Dasein des menschlichen Seins. Jesus war die autonomste Gestalt, die erste vollständige Erhebung eines Daseins innerhalb des Daseins zum ganzen Dasein beim Sein, also Könige in Gottes Reich, statt Menschen im Reich der Könige. Gott ist nämlich nicht das ganze Dasein, sondern der Wille der Gehorsam gegenüber dem ganzen Dasein fordert. Jesus hat erwirkt, dass wir potenziell wieder in das Paradies kommen können. Noch sind Adam und Eva nicht reif für das Paradies, aber sie haben es erwirkt mit einer einzelnen fast vollkommen Geste und reifen Frucht wieder die Aufmerksamkeit Gottes zu haben. Die Tür dazu Steht uns wieder offen. „Die Zeit ist erfüllt,das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt diese gute Botschaft.“(Markus Evangelium 1:15 ). Dieser Gott möchte gerne das, was durch den Sündenfall in uns zerstört wurde, was uns des Paradieses verwehrt, wieder Erneuern. Schritt für Schritt sollen wir zu seinem Ebenbild, zu Einen von Ihnen werden. Er ermöglicht uns diese Heilung und Ganzwerdung. Er gibt uns das Potenzial dazu. „Ihr sollt vollkommen sein, wie der himmlische Vater vollkommen ist.“(Matthäus Evangelium 5:48 ). Sind wir reif, brechen wir durch vom Dasein im Dasein hinein in das Dasein beim Sein. Der Weg ist sozusagen bereitet, aber es muss jeder Daseiende in Gottes Reich aufrutschen, solange müssen Adam und Eva weiter an sich arbeiten. Und wir arbeiten wie verrückt an uns. Wir suchen doch mit allen Mitteln den Weg zurück ins Paradies, so schmal der Grat dorthin auch sein mag. Jesus verkündet, dass dieses Reich nicht so kommt, dass man es beobachten kann. „Das Reich Gottes kommt[i]nicht so, dass man es an äußeren Anzeichen erkennen kann. Man wird auch nicht sagen können: Seht, hier ist es! Oder: Es ist dort! Nein, das Reich Gottes istmitten unter Euch.“ (Lukas Evangelium 17:20 ). Wir müssen aber zuvor erkennen, was gut und böse ist, d.h. Gottes Reich beginnt da, wo gut und böse erkannt ist, und nach Heidegger gesprochen, damit gleichsam das <in-die-Welt- Geworfensein>endet und der Mensch in der Wahrheit steht, und damit die Wahrheit wieder selbst zu setzen weiß. wenn die Wahrheit der Erdboden ist, in den unsere Wurzeln (die Metaphysik - das ontologische Fundament) als unterstes und erstes im Denken ragen, dann ist Gottes Reich da, wo der Daseiende von ganz unten nach oben blickend den ganzen Baum der Erkenntnis über sich erblickt, wenn er vor seinen eigenen Gründen liegt und diese erkennen kann. Er befindet sich dort Jenseits von Gut und Böse“ (Friedrich Nietzsche), und nur das ermöglicht ihm zu erkennen, was gut und was böse ist, weil genau das erst für eine moralische Integrität sorgt, die jeder wirklich guten und gerechten Entscheidung vorausgehen muss, um in einem Paradies leben zu können. Wir müssen erkennen, was alles Baum (Dasein) ist, um uns im Garten Eden wiederzufinden. Das ganze Dasein erwirtschaftet immer mehr Anteile am Paradies, genau die Anteile, denen es schon entspricht. „Was aus Liebe getan wird, geschieht immer jenseits von gut und böse.“ (Friedrich Nietzsche). Auch der Islam baut auf dem Sündenfall Adam und Evas. Der Garten Eden meint hier aber weniger eine Überwelt, sondern vielmehr die Welt vor der Trennung, in der sich noch kein Adam und keine Eva zum Zeugendasein im Dasein erhoben haben. Die Schöpfung beginnt auch hier mit Gott und endet mit Gott, dem Überlebenden, dem Wiederholer, dem Urheber, dem einzig Unabhängigen, dem Erhabenen usw. (Allahs 99 Namen). “Oh Adam, wandle du und dein Weib in dem Garten und esset, wo immer ihr wollt, und nähert euch nicht diesem Baume, sonst seid ihr Ungerechte. Doch Satan flüsterte ihnen böses ein, dass er ihnen kundtun möchte, was ihnen verborgen war von ihrer Scham. Er sprach: Euer Herr hat euch diesen Baum nur deshalb verboten, damit ihr nicht Engelwerdet oder Ewiglebende. Und er schwor ihnen: Gewiss, ich bin ein aufrichtigerRatgeber. So verführte er sie durch Trug. Und als sie von dem Baume kosteten,da ward ihre Scham ihnen offenbar und sie begannen, sich in die Blätter desGartens zu hüllen. Und ihr Herr rief sie: Habe ich euch nicht diesen Baumverwehrt und euch gesagt: „Wahrlich, Satan ist euch ein offenkundiger Feind.?“Sie sprachen: Unser Herr, wir haben wider uns selbst gesündigt, und wenn du unsnicht verzeihst und dich unser erbarmst, dann werden wir gewiss unter den Verlorenensein. Er sprach: Hinab mit euch; die einen von euch sind den anderen Feind. Undes sei euch auf der Erde ein Aufenthaltsort und eine Versorgung auf Zeit.Er sprach: Dort sollt ihr leben, und dort sollt ihr sterben, und von dort solltihr hervorgebracht werden. Oh Kinder Adams, wir gaben euch Kleidung, eure Scham zu bedecken, und zum Schmuck, doch das Kleid der Frömmigkeit – das ist das beste.Dies ist eins der Zeichen Allahs, auf dass sie dessen eingedenk sein mögen. Oh Kinder Adams, lasst Satan euch nicht verführen, wie er eure Eltern aus dem Garten vertrieb, ihnen ihre Kleidung raubend, auf dass er ihnen ihre Scham zeigte. Wahrlich, er sieht euch, er und seine Schar, von wo ihr sie nicht seht. ..“(Sura 7:20-28 ). Im Koran werden alle Propheten, auch die anderer Religionen, als Erinnerer an Sinn und Zweck und dieser Vollendung entgegen Führende angesehen. Und jede Kultur hat ihre eigenen Offenbarungen herab gesandt bekommen. Vor dem islamischen Gott sind alle Kulturen und Völker prinzipiell gleich, denn er ist Ursprung ihrer aller Schöpfung. Die Kulturen sollen aber untereinander um die Vollkommenheit wetteifern. Im Koran heißt es, dass indirekt alle Menschen dem Allah gehorsam sind, auch die, die Allah zu Irrenden erklärt. Denn genau sie stellen für die Gläubigen die Prüfung dar, sich als gerecht auch gegenüber dem Ungläubigen zu erweisen, die Prüfungen zu ertragen und geduldig zu sein. Der Gläubige soll sich auf seinen Glauben konzentrieren, nicht auf den Ungläubigen. In Sure 30 (Übersetzung von Hadhrat Mirza Masroor Ahmad) heißt es, dass niemand den Irregeleiteten leiten kann, außer eben Allah. Der Ungläubige ist von Allah als Prüfinstrument für den Gläubigen geduldet, und an und um jene Prüfung muss der Gläubige sich als gerecht erweisen. Er soll sich aber nicht wähnen, den Ungläubigen leiten zu können.
    “Sein ist, wer in den Himmeln und auf der Erde ist. Alle sind ihm gehorsam.“(30:27) „Die Ungerechten aber folgen ihren bösen Gelüsten ohne Einsicht. Und wer kann den leiten, den Allah zum Irrenden erklärt? Für solche wird es keine Helfer geben. ..So richte deinAntlitz auf den Glauben wie ein Aufrechter der Natur die Allah geschaffen....“(30:30-31) “Doch wenn sie mit dir eifern, damit du mir das zur Seite setzest, wovon du keine Kenntnis hast, dann gehorche ihnen nicht. In weltlichen Dingen aberverkehre mit ihnen auf geziemende Weise. ..“(31:16) „Oh, mein lieber Sohn, verrichte das Gebet und gebiete Gutes undverbiete Böses und ertrage geduldig, was dich auch treffen mag. Das ist fürwahrein Merkmal einer festen Gemütsart.“ (31:18 ) „Und weise deine Wange nicht verächtlich den Menschen und wandle nicht hochmütig auf Erden, denn Allah liebt keinen eingebildeten Prahler.“(31:19) Und wandle gemessenen Schrittes und dämpfe deine Stimme, denn wahrlich, die widerwärtigste der Stimmenist der Eselsschrei.“(31:20) Und jener, der ungläubig ist, lass seinen Unglauben dich nicht bekümmern.Zu uns wird ihre Heimkehr sein, dann werden wir ihnen verkünden, was sie getan,denn Allah weiß recht wohl, was in den Herzen ist.“ (31:24) „Einige hat er geleitet,anderen aber ward nach Gebühr Irrtum zuteil....“(7:31).
    Einst klärte gerade der Koran gegen jeglichen Wunderglauben auf, den die Christen aufsaßen. Der Koran war ein weiterer Versuch eine solche Verkündigung, eine Ansprache des Seins an den Logos (Ant-Worter des Sophos), aber diesmal vermeintlich besser und sicherer festzunageln, denn man hatte schön von Außen gesehen, wie sich die Christen von ihrem Verkünder entfernte. Sie bemerkten schon die mythologische Verstellung, durch den zeitlich- erkenntnistheoretischen Abstand vom Akt der Verkündigung. Aber man umgeht die mythologische Verstellung erst recht nicht durch das exakte Aufbewahren und auswendig Lernen. Jedenfalls erkannten gerade andere Kulturkreise durchaus, dass die Christen zwar an Jesus und den Akt der Kreuzigung festhielten, aber der Selbstläuterung gar nicht nachkamen. Vergebung vor Gott erlangt man nicht durch Glauben an die Kreuzigung und dem Anbeten von Jesus, sondern nur durch geistige Reinheit, wie sie u.A. eben Jesus postulierte und auch umsetzte. Wenn überhaupt etwas gut belegt ist von Jesus, dann die Botschaft dieses Reich Gottes, in das er gelangte. Er verkündet dieses Reich im Hier und Jetzt und uns zum Dort-sein befähigt. Seine Anhänger aber verkünden Jesus. Dessen Absicht und seine Botschaft waren aber nicht er selbst, also seine Person, sondern eben das in das Hier und Jetzt geholte Reich, dessen Weg er nicht nur bereitet hat und beschreibt, sondern auch selbst geht. Er wollte Nachfolger. Und so wie Friedrich Nietzsche schrieb, ist wohl das Christentum ein immer größer werdendes Missverständnis des Aktes Jesu. Die Kirchen sind das
    „Reich Gottes im Geheimnis“ (Kierkegaard), ein Geheimnis von dem man sich erzählt, über welches man nur schaudert vor Schrecken, oder welches man einfach ausgelassen belächelt. Aber als ein Geheimnis ist es schon unter uns. Sören Kierkegaard beschreibt dies in seiner Wildgans-Parabel: „In der Sonntagspredigt erzählt der alte Gänserich den zahmen Gänsen davon, wie frei doch die wilden Gänse sind. Sie können sich in die Lüfte erheben wann und wo sie wollen, sind nicht eingesperrt, und müssen auch nicht auf den Tag warten an dem sie geschlachtet werden. Ein erstrebenswertes Leben also, das den zahmen Gänsen in einer beschaulichen Predigt geschildert wird,und die darauf wieder in ihre Ställe zurückkehren. Während die Rede am Sonntag so feierlich klang, wussten sich die Gänse am Montag zu erzählen, wie es einerGans ergangen war, die mit Hilfe der Flügel ernst hatte damit machen wollen, welche Schrecken sie durchmachen musste. Über sie hieß es unter den Gänsen: Da sieht man wohin das führt, wenn man ernst damit macht fliegen zu wollen.“. Das Reich Gottes ist kein positives Wissen. Es ist auch keine Trickserei, auch kein Zauberland, welches sich durch Wunder bemerkbar machen würde. Es ist nicht einmal zeitlich aufzufassen. Aber man hat diese Glaubensgemeinschaft anfangs noch als dunkle Esoterik betrachtet oder als magische Machenschaften. Man kann nur an Wunder glauben, wenn man für etwas, dass man nicht erklären kann, darin Gottes Handeln erfährt, statt eben ein merkwürdiges oder glückliches Ereignis. Gottes Reich aber ist der Zustand bei dem sich das Dasein zur Welt erhebt und sich als Welt in Gottes Reich befindet, und damit Wahrheit selbst setzt, und genau das macht das Paradies ja aus. Als Johannes der Täufer Jünger zu Jesus schickte mit der Frage: „Bist du der von Gott gesandte König, der Messias, mit dem das Reich Gottes beginnt?" (Matthäus Evangelium 11:2), antwortet Jesus mit dem Verweis auf das, wie sich Gottes Herrschaft ankündigt: Blinde sehen, Lahme gehen, Kranke auf den Weg zur Heilung gebracht.“Man darf dies nämlich nicht als Heilung im Sinne von Medizin und Wissenschaft verstehen. Jesus befähigt die Menschen zu der Umkehr (Metanoia) von Außen nach Innen. Gottes Reich finden wir in uns. „Das Reich Gottes ist in euch.“(Lukas Evangelium 17:21). Wer in Gottes Reich gelangt lebt ein Schicksal nach eigenem Maß. Er kombiniert seine eigene Wahrheit, besser gesagt kombiniert er sich eine eigene Welt, weil er vor seinen eigenen Entscheidungen stehen kann. Gott ist mir näher als ich mir selber bin.“(M. Eckhart). Diese Wunder sind also die eigene negative (innere) Freiheit, die einer positiven Freiheit vorausgehen muss, damit es überhaupt zu Freiheit, die positiv ist, kommen kann. Es ist genau das Stück, was jemanden fehlt, der sich in eine ungerechte, unbarmherzige Natur oder Welt geworfen fühlt, die es einem schwer macht. Solange man das fehlende Stück nicht hat, trägt man nur weiter selbst zur Ungerechtigkeit. Bei jemanden der die Welt so erfährt, sind Leben und Denken noch nicht Eines. Erlangt er das Stück dazu, ist er nicht mehr in eine Natur geworfen, sondern ist selbst Welt und befindet sich in Gottes Reich. „Das Königreich des Vaters ist ausgebreitet über die Erde und die Menschen sehen es nicht.“(Thomas Evangelium Legion 113). Es kommt eben drauf an wahr zu sein, und wann ist man denn wahrer als wenn man die ganze Welt ist?“fragt Heidegger. „Ein Grund dafür, dass unser fühlendes, wahrnehmendes und denkendes Ich in unseren Naturwissenschaftlichen Weltbild nirgends auftritt, kann leicht in fünf Worten ausgedrückt werden: Es ist selbst dieses Weltbild.“ (Erwin Schrödinger). Der Mensch hat vom Baum der Erkenntnis gegessen. Er hat vorgegriffen auf die höhere Erkenntnis. Wir müssen jede Erkenntnis durchleben, sind aber zuvor immer schon das, was wir an uns noch nicht erkannt haben. Es klafft eine Lücke zwischen Wissen und Sein. Wer also Gott akzeptiert und nicht gegen die Schöpfung (Schlange) revoltiert kann nicht in Gottes Reich. Wer aber gegen die Schöpfung revoltiert, aber Gott nicht akzeptiert kann ebenfalls nicht in Gottes Reich. „Gott akzeptieren“ bedeutet lediglich alles Wirkende bzw. Wirkliche in der Welt erkennen können. Wirklich in der Welt sind aber auch Dinge die gar nicht vorhanden sind. Wer sagt denn, dass Wahrheit (im Sinne von Echtes) mehr wert sei als Schein (im Sinne von Einbildung) trotz ihrer Wechselwirkung und Verwobenheit? Zeit ist auch nichts vorhandenes Seiendes unter Seienden, kein Gegenstand und wirkt dennoch. Zeit ist ein Konstrukt und Koordinatensystem des Daseins, in einer an sich zeitlosen oder höheren oder tiefer zeitlichen Welt. Je objektiver die Beobachtung, desto mehr ent-zeitlicht ist diese. In einer kompletten Beschreibung der Welt würden Zeitpunkt und Zeitrichtung fehlen. In der Physik gibt es keine Gegenwart, wenn überhaupt nur viele Jetzte. Denn die Gesetze der Physik sind zeit-symmetrisch bzw. ahistorisch, schon allein weil sie in Mathematik geschrieben sind. Mathematik, Physik, Teile der Philosophie und Religionen machen Aussagen über diese, von uns aus betrachtete, Ewigkeit. Ohne die Idee der Ewigkeit gäbe es überhaupt keine Wissenschaften. „Die Idee der Unsterblichkeit ist das Leben selber, das lebendige Leben.“(Friedrich Nietzsche). Und es hat mit oder ohne Ende doch keinen bzw. den selben Wert.„Hinter das Leben kann das Denken nicht zurückgehen.“(Wilhelm Dilthey). Existieren (X sein) ist etwas ganz anderes als Wissen (über X). Wissenschaftliche Erkenntnis ist nicht Seinserkenntnis. Wissenschaft beschäftigt ich ihrer Struktur nach mit dem Seienden, sie legt schon Vorhandenes, welches behandlungsbedürftig ist, frei. Wissenschaftliche Erkenntnis gibt aber weder Ziele für das Leben, noch Antworten nach dem eigenen Sinn und kann ich auch nicht selbst erklären. Die Physik kann mit Physik nicht die Physik erklären. Wissenschaft erklärt „Wie“ etwas funktioniert, sie erklärt nicht „Was“ es an sich ist. Wissenschaft begrenzt sich methodisch selbst zu Wissenschaftszweigen, Forschungsgebieten und Fachbereichen. Sie selbst denkt nicht einmal. Das Dasein riegelt sich sogar mit diesen methodischen Verstellungen im Denken selbst gegen sich ab und richtet seine Aufmerksamkeit auf das, was entwicklungsbedürftig ist, seit Dasein sich vom Sein trennte. Wissenschaft ist immer ein Heraustreten aus dem Ganzen. Wissenschaftliche Erkenntnis ist immer mit einem Verzicht erkauft worden."(Werner Heisenberg). Die Wissenschaft scheitert immer an der Wirklichkeit, nämlich an dem, was ich schon bin. Die Wahrheit ist in Bewegung, sie kann mit keinen Sätzen oder Systemen gelehrt werden. „Wo das Chaos auf die Ordnung trifft, gewinnt meist das Chaos, weil es besser organisiert ist“ sagte Nietzsche. Aber ab wann ist man die Bewegung des Denkens selbst? Dann, wenn der ganze Ozean des Denkens frei befahrbar ist, das ganze Spektrum des Denkens in mir selbst ist. Dann wenn man sowohl das Logische als auch das Unlogische in sich zugänglich hat, das Rationale und Irrationale, das Sinnlose (leere Plattform bzw. destruiertes Konstrukt) und Sinnkonstrukt (persönliches Ich-Plattform bzw. Konstrukt), ganz und gar die Dualismen der Welt in sich selbst verlegt, statt sie in der Welt zu belassen. Dieses „in sich selbst verlegen der Widersprüche der Welt“ ist kein höheres positives Wissen, sondern durch Destruktion des eigenen Denkens (die Innenkehr) ein negatives bewusstes Nichtwissen, ein tiefer Denken. Ein Danken“ sagt Martin Heidegger. „Wir müssen nicht nur danach suchen,was Ordnung ist, sondern danach, was Unordnung ist.“(Jiddu Krishnamurti). Jede noch so gut bewiesene Theorie kann sich als falsch herausstellen. Wissenschaft ist zwar Wahrheitssuche, aber nie Wahrheitsfindung, denn sie weiß aus Erfahrung bereits, sie könnte irgendwann einmal auf ganz anderen Fundamenten stehen und dann ganz andere, völlig fremde Bedeutungszusammenhänge erschließen, die alle Kenntnisse neu-bedeutet förmlich verpuffen lassen. Die Welt ist immer zu groß oder immer schon weiter draußen, um sie mit Wissenschaft erklären zu können. „Wir wissen heute ganz genau, es gibt wieder einen Tag,wo es wieder heißen wird, wir wissen so gut wie nix.“(Harald Lesch). Wissenschaftlich müssen wir in einem engen Korsett fragen und bewerten. Aber als Mensch kommt es immer noch drauf an, ob ich das künstlich angelegte Korsett als ein solches erkenne, und bei der persönlichen Bedeutung der aus Wissenschaft gewonnenen Tatsachen und Fakten, (auch) ohne das Korsett bedeuten kann. Die größten Naturwissenschaftler und Geisteswissenschaftler haben ihre Größe daher, dass sie ihre eigenen Annahmen und Vorurteile genau kennen, die sie aber dennoch ökonomisch vor-geurteilt, aber dann mit mehr Bewusstsein für das Werkzeug, methodisch begehen. Solche großen Mathematiker, Physiker und Philosophen setzen die Vorurteile, da sie ihnen bekannt sind, bei der persönlichen Bewertung der gewonnenen Tatsachen durchaus wieder zurück. Es wundert daher nicht, dass gerade die größten Köpfe in der Wissenschaft nicht gerade abgeneigt sind an Gott, Ewigkeit oder Wiederherstellung zu glauben, und dabei dennoch gegen die Schöpfung revoltieren können, ja sogar Kreation und Selbstorganisation ganz einfach vereinen können. Je weniger unbeweisbare Annahmen und Vorurteile im eigenen Denken sich verstecken, desto mehr rutscht man im Denken auf das gesamte Denken auf, und schluckt dabei die Widersprüche der Welt in sich selbst und desto näher ist man direkt als Da-sein beim Sein. „Religion und Naturwissenschaft sie schließen sich nicht aus, wie manche heutzutage glauben oder fürchten, sondern sie ergänzen und bedingen einander.Wohl den unmittelbarsten Beweis für die Verträglichkeit von Religion undNaturwissenschaft auch bei gründlichkritischer Betrachtung bildet die historischeTatsache, dass gerade die größten Naturforscher aller Zeiten, Männer wie Kepler, Newton, Leibniz von tiefer Religiosität durchdrungen waren.“ (Max Planck) .Wissenschaft definiert sich durch das, was unwissenschaftlich ist. Wer die Welt als etwas Rationales bestimmen möchte, muss dabei das Irrationale selbstverständlich zum Maßstab nehmen und voraussetzen. Ebenso wichtig wie die Erfolge einzelner Forschungsgebiete, wäre das Wissen um die Annahmen, die das Forschungsgebiet überhaupt begrenzen und zum Erfolg führten, denn genau diese müssen bei der Bewertung des erfolgten Wissens nicht mitübernommen werden. "Tja, man macht was, hat damit Erfolg, also macht man damit weiter.“(Harald Lesch zur Quantenphysik). Jede sichere Erkenntnis ist eine Gerinnung zu einer Form in der Form, das haben Wissenschaft und Religion neben ihrer Mission, Organisation und Profitsuche (Religion – emotionaler Gewinn; Wissenschaft – epistemischer Gewinn)gemeinsam. Man opfert entweder die Rationalität oder die Irrationalität ein Stück weit. Dabei sind sie in aller Feinheit strengst verwoben. Die Logik ist solch ein Gerüst im Gerüst. Die Lehre vom Logos ist ein abstraktes Werkzeug des Daseins selbst. Als eine solche Wahrheitsmaschine (gar ein Wahrheitsmaschinen-Park) zur Freilegung von Seienden ist sie der Haltbarkeit wegen aus unbeweisbaren Annahmen gebaut. Sie setzt zum Beispiel das „Alles“ und das „Nichts“ (Allquantor - „für alle X gilt/gilt nicht...“) und die „Existenz“ (Existenzquantor - „es existiert ein/kein...“) schon voraus. Dies meint nicht die Annahmen die sie verarbeitet, sondern die Annahmen aus denen die Aussagen verarbeitende Maschine überhaupt besteht. Erst wenn ich Prämissen setzen kann ich das logisch Denken anfangen. Wenngleich methodisch unerlässlich um Vorhandenes zu entdecken, um Dinge ans Licht zu holen, die sich von selbst nicht zeigen, und jene auf ihre Verwendbarkeit zu prüfen, ist sie als Ontologie des Vorhandenen (Seienden) nie absolut gültig. Das ganze Seiende (Alles) ist nicht das Sein des ganzen Seienden (Wesen des Alles). Die Logik ist mit Absicht eine so enge Fassung, sodass sie auf das Sein (Wesen des Seienden) nicht anwendbar ist. Sie kommt also selbst nicht ohne metaphysische Annahmen aus, die selbst nicht logisch abgeleitet werden können und einfach gesetzt sind. Man muss auch die Grenzen und Voraussetzungen der Logik erkennen können, und die Logik keinesfalls zum Götzen adeln. Eine Philosophie die sich in die Logik oder allgemein in Wissenschaftsbereiche einschließt ist blind. Außerhalb der Logik bedeutet nicht Unnützlichkeit, denn viel Gutes entsteht auch aus dem Unlogischen. Die Philosophie ist der ganze Rahmen, die ganze Bandbreite des Denkens, welches in seinen Grenzen an das Sein stößt. Sie, die Mutter der Wissenschaften gebiert und beinhaltet die Wissenschaften. Erfolgreich ist sie dort, wo jene Kinder erfolgreich und selbstständig geworden sind. Die Philosophie umrahmt sie aber weiterhin, denn der Rahmen wächst zwar mit, ist aber unverändert. Wir bleiben immer in diesem Rahmen, historisch und strukturell verwurzelt. Sie umrahmt sie sogar so eng, dass die Philosophie sich auch mit jedem Wissenschaftszweig ein Stück weit mit einschließt. Ab dem Punkt wo jener Zweig endet beginnt wieder die sich ausgeschlossene Philosophie. Sie wird niemals überflüssig und durch Wissenschaften ersetzt. Die Wissenschaft arbeitet überhaupt nicht an diesem Rahmen, sondern der Rahmen eröffnet, wie und was wir an uns selbst entdecken und herstellen. Die wesentliche Philosophie muss auch von den Wissenschaften unabhängig bleiben, denn hier sind die Grenzen des Denkens an sich relevant. Sie kann sich nicht in die von ihr selbst gesteckten Grenzen der Erkenntnis innerhalb des Denkens einschließen, und wenn dann nur methodisch und partiell. Neben der Faktenfabrik brauchen wir nunmal auch die Konzeptfabrik. Es müssen erst stets einige Philosophen, die natürlich auch zudem Wissenschaftler sein können, Bereiche eröffnen, die überhaupt befähigen Wissen zu schaffen. Würden wir bei allen Tatsachen aus dem selbst formulierten Bereich nicht mehr über jenen hinaus bewerten können, würden wir nur auf dem schon geöffneten Wahrheitsbereich handeln. Handelten wir nur auf Wissen basierend, würden wir gar nicht handeln. So würde auch die Wissenschaft ihren Rahmen verlieren, in und durch welchen die Wissenschaft bestehen kann. Forschungsgebiete sind Einschlüsse, eingebettet in einem größer dimensionierten Denken. Um Wissen zu schaffen müssen wir aus dem Denken so theoretisch abblenden, dass wir nur das Geheure (Seiende) betrachten können, durch Elimination der subjektiven Perspektive, das Ganze des Seienden erfassend als Summe seiner Teile. Das Ungeheure wird aber als Teil der Summe des ganzen des Seiendes erfasst.„Die Unwahrheit als Lebensbedingung zugestehn: das heißt freilich auf eine gefährliche Weise dengewohnten Wertgefühlen Widerstand leisten; und eine Philosophie, die das wagt,stellt sich damit allein schon jenseits von Gut und Böse.“ (Friedrich Nietzsche) Stünde man mit dieser ursprünglichen Mutter Philosophie jenseits von Gut Und Böse, müsste man doch die Wahrheit quasi selbst setzen. Gibt es denn Menschen in der Geschichte, welche die Wahrheit selbst gesetzt haben? Ich denke schon, nämlich eben genau da, wo die Philosophie das ganze Dach, das ganze Denken, selbst ist. „Diese ganz und gar passend erscheinende Welteinrichtung verkünde ich dir; So wird gewisslichniemals irgendeine Ansicht von Sterblichen dich Überholen.“ (Göttin zu Parmenides). Parmenides einer der wichtigsten vorsokratischen Philosophen bekam sein Wissen, wie Sokrates von seinem Daimonion, oder Jesus vom Abba („Vati“ – hat Jesus aus der Stoa übernommen), direkt von einer Göttin offenbart. Auch Sokrates der Lehrer aller Lehrer bekam vom Orakel von Delphi offenbart, er sei der weiseste Mensch. Auch Parmenides wusste indirekt, dass sein Denken so aufgerissen sein muss, dass es immer für alle möglichen Welten gilt, dass es alles nachfolgende darauf erbaute Denken für immer bestimmt. Dies ist aber kein positives Wissen sondern die Tiefe des Risses, der an das Sein stößt und damit den regulativen Rahmen darstellt, ein selbstgemachtes: Bis hier her und nicht weiter! Und tatsächlich sind wir nicht weiter, sondern bleiben innerhalb dieses Rahmens, der historisch und strukturell im Moment des Denkens unser Fundament und Rahmen ist. Die 2500 Jahre alten zenonischen Paradoxa wurden schon zu oft widerlegt, undstellen sich in jeder Epoche erneut, heute z.B. als Quantum-Zeno-Effect. Oder nehmen wir Nietzsche, der lange vor seinen Hauptwerken ankündigte, er werde einmal Zentauren gebären. Er entschuldigt sich im Voraus dafür, dass er schreckliche Kriege bringen wird. Er sagte auch, dass er die ganze Last der Menschheit trägt.Wissenschaft, Kunst und Philosophie wachsen jetzt so sehr in mir zusammen, dass ich jedenfalls einmal Zentauren gebären werde.“; „Ich bin wohl bei Weitem der furchtbarste Mensch,den es gegeben hat, aber das schließt nicht aus, dass ich der Wohltätigste sein werde.“; „Ich trage das Schicksal der Menschheit auf der Schulter.“(Friedrich Nietzsche). Aber das Über-Ich (Baum) fordert auch seinen Preis, wenn man zu lange darin bleibt, das endete bei Nietzsche in völliger Katatonie. Er ist gleich dort geblieben und nicht mehr zurückgekommen, das Unter-Ich (den Ast) verlassen. „Der Tod ist eine Weise zu sein, die das Dasein übernimmt, sobald es ist.“(Martin Heidegger). Es gibt kein Konzept mehr weder in Wissenschaft noch in Philosophie, dass sich mit einem „Leben nach dem Tod“ abgibt. Und das ist auch gar nicht mehr nötig, wenn wir erkennen wer wir sind. Uns stört jedenfalls nicht, dass wir an all den Erfolgen der Zukunft nicht mehr teilhaben werden. Irgendwie sind es doch unsere Erfolge, weil wir auch ein Gesamtorganismus sind. Das Leben ist bisher jedenfalls nicht gestorben. Wir sagen ja auch „Wir“ obwohl wir nie dabei sein werden, werden Wir es erreichen. Der Erfolg der Zukunft ist auch unser Erfolg. Auch wenn ich diese Erkenntnis nicht habe, so falle ich im Tod vom Zeugen-Dasein zu mir (diesem stetigen Ich) selbst zurück. „Was mich betrifft als ein unsterblicher Gott reise ich umher,nicht mehr sterblich.“(Empedokles). Auch steigt unser objektives Wissen so stark an, dass es zunehmend sowieso nur noch vom Gesamtorganismus bewältigt werden kann. Und alle Autoritäten, die sich zwischen mir (der einen Seite des Spektrums des Daseins) und allen Anderen inklusive mir (der anderen Seite des Spektrums des Daseins) befinden werden gleichsam verschwinden. Das Dasein besorgt sich durch sich selbst selbst, weil es sich selbst anweist. Aber nur „Dem wird befohlen, dersich nicht selber gehorchen kann.“(Friedrich Nietzsche). Da ich übrigens nicht weiß, wer noch alles bewusst oder nicht bewusst ist (graduell Tiere oder Außerirdische) und Teil der Welt ist bzw. Welt hat, verwende ich auch lieber das Dasein als Entität, an Stelle von Menschheit. Ich kann meine Existenz im Sinne von Leben nicht gedanklich erfahren, ich kann sie nur Leben. Wir sind schon lange das, was wir uns an-demonstrieren. Aber ich kann in meinem Leben(Baum des Lebens) und meinem Denken (Baum der Erkenntnis) wieder ungeteilt und heil sein. Dann kann ich über Gott dennoch nichts wissen, doch aber sehr wohl Gott erfahren, also vor der „Wissung“ sozusagen. Denn über seine existentielle Seite verfügt der Mensch nich in seinen Gedanken, da er nicht daneben steht und es betrachten kann, sondern: er ist es. Daher kann der Mensch Gott nicht erblicken, er kann nur eine existentielle Beziehung zu ihm haben. „Blicke können ihn nicht erreichen.“ steht auch im Koran (Sure 6:104) geschrieben. Das Reich Gottes lässt sich nicht ins Diesseits verobjektivieren, ich stehe dem nicht gegenüber. Die Beziehung zu Gott ist eine Frage des Gefühls von Gott, nicht des Beweises. In dem Moment, wo ich die Erfahrung Gottes mit einer Bestimmung verbinde, negiere ich sie. In Grenzsituationen in denen der Verstand versagt und die Erfahrung sich der Vernunft entzieht, kann ich Gott existentiell erfahren. „Entweder rede ich über die Liebe als Erkenntnisgegenstand meiner Erörterung, oder ich rede von der Liebe als Gegebenheit meiner existentiellen Erfahrung,d.h. ich rede in existentieller Betroffenheit.“(Rudolf Bultmann). Die Ansprache des Seins ist eben nicht an die Vernunft gerichtet, sondern an den Hörer als ein Selbst. Es ist ja die Vernunft selbst, und nicht durch die Vernunft einzufangen. „Du darfst nicht wähnen, dass deine Vernunft dazu aufwachsen könne, dass du Gott zu erkennen vermöchtest.“(M.Eckhart). Seine eigene Geschichte kann der Mensch nicht betrachten. Es gibt keine objektive Geschichtsbetrachtung, wie es objektive ahistorische Naturbetrachtungen gibt. Und doch sind wir die volle Geschichtlichkeit. Das Fehlen von Historie ist kein Beweis gegen die Geschichtlichkeit des Daseins, denn auch das Unhistorische ist Geschichtlich. Das, was ist wurde schon verstanden, weil es ist. Und das, was verstanden wird, ist schon vorhanden. „Je mehr du weißt, wenn das Wissen eine Art Insel ist, desto mehr Ufer hast du zu dem,was du nicht weißt.“ (Eckart Hirschhausen).
    Wahrheit darf daher nicht mit sicheren Wissen verwechselt werden. Reales ist nur entdeckbar auf Grund einer schon erschlossenen, schon verstandenen Welt, und nur so kann Reales (Seiendes) auch noch ver-borgen bleiben. Es gibt also zwei Wahrheitsebenen. Die primäre Wahrheit ist der Ort der Aussage. Auch eine falsche Aussage ist schon eine wahre Aussage und trägt und wirkt zu dem Konstrukt Welt bei. Unter jedem sekundären Wahr und Falsch steht schon ein primäres Wahr. Diese Primäre Wahrheit ist nicht das Entdeckte, sondern das Entdeckend-sein. Die primäre Wahrheit ist Synthesis und Diaeresis. Sie ermöglicht überhaupt, dass wir etwas voraussetzen können, was sich als falsch erweisen kann. Wenn wir urteilen haben wir die Wahrheit schon vorausgesetzt.
    „Sie fassen es eh nicht, sie sind da und doch nicht da.“ (Heraklit). Würden sich die Naturkonstanten verändern, wie die Ausbreitung des Lichtes im Vakuum, blieben sie dennoch gleich. Wir wissen nicht, ob die Naturkonstante an sich konstant ist, wir haben nur keinen „weiter Außen gelegenen“ Vergleich mehr, daher sind sie immer gleich. Verschöbe sich die Lichtgeschwindigkeit, wäre dies für uns unmerklich, denn die Schwingungen, die wir messen, von dieser selbstgesteckten Grenze aus, blieben immer gleich. So können sich physikalisch 13,7 Milliarden Jahre der Entwicklung durchaus in wenigen Minuten ereignen, oder vor 6000 Jahren ereignet haben. Und selbst, wenn dies falsch ist, könnte es von Bedeutung sein. „A=A ist wahr aberbedeutungslos; A=B ist falsch aber bedeutsam.“ (Antisthenes). Das Quantum (Materie-Welle) ist unbestimmt und jedenfalls noch nicht wohl definiert zur Eigenschaft des Quantums. Auch der Anfang des Universums wird nur durch uns den Beobachter definiert. Wir können nicht wissen, ob den Objekten unseres Geistes tatsächlich eine unabhängige Existenz zukommt. Das, was wir als unsere Vergangenheit betrachten ist unsere eigene Bedeutungsstruktur. Alles bis zum Urknall ist von uns aus um-zu-uns verbunden. Ein anderer Anfang kommt eben dann, wenn wir einem anderen Anfang entsprechen. „Aber sie kennen meine Vorliebe für das Paradoxe, die ich damit rechtfertige, dass Paradoxie ein Merkmal der Wahrheit ist, als ein elementarer Niederschlag verallgemeinerndem Halbverstehens,in dem Verhältnis zu der Wahrheit, wie der Schwefeldampf, den der Blitz zurücklässt. Wahrheit ist nie Element.“(Graf Yorck)
    Gesetz und Zufall schließen sich so wenig aus, wie Determination und Freiheit, warum dann Schöpfung und Selbstorganisation? Selbstorganisation bedeutet ja eine unwissentliche Selbstkreation. Die Theisten verwenden nicht Gott als Annahme, sondern Gott ist Resultat ihrer Annahmen. Es sind Annahmen, die einen Antinaturalisten zum Antinaturalisten und einen Naturalisten zum Naturalisten machen, bzw. Gott oder das Wirken einer unabhängigen Natur erfahren lassen. Wenn niemand da ist, es kein Dasein gibt, dann gibt es auch keine Unabhängigkeit, dann ist weder etwas entdeckbar, noch unentdeckt. Der Glauben an die Realität der Außenwelt, mit der ich doch aber niemals direkt in Verbindung stehe, setzt, seine eigenen Annahmen nicht durchschauend, ein autonomes Subjekt voraus, welches ja noch keine Welt hat, und sich erst einer Welt versichern muss. Und falls wir uns als Subjekt der Welt versichern, so sind wir aber erst genau dann
    „..in dem Moment in]Kontakt mit der Wirklichkeit, wenn unsere Theorien an ihr scheitern.“, stellt Karl Popper klar. Es mag vielleicht sinnlos sein von einem besonderen subjektiven Erleben zu behaupten, aber evolutiv ist es überhaupt nicht sinnlos von einem solchen Erleben zu behaupten. Schließlich sind wir damit geworden, was wir sind. Natürlich ist das Bedürfnis nach Gott oder Unsterblichkeit kein Beweis für diese, aber es ist etwas notwendiges. Wer sagt, dass dem nicht so wäre, verleugnet die Umstände, die uns zu dem machen, was wir sind, und muss sich darüber klar sein, dass er ein Idealist ist, wenn ihm die tatsächlichen Umstände nicht recht sind. Die Welt jedenfalls wird wohl alles andere als entzaubert, wohl eher rätselhafter. Witzig, wer da von der großen Naturalisierung spricht. Naturalismus und Antinaturalismus überantworten sich wie eh und je. Jedes Argument, dass der Naturalist bringt mit welchem er sagt: die Natur macht es doch aber so und so, ist ein klassischer Scheinbeweis (petitio principii) und geht völlig am Antinaturalismus vorbei, der ja die Mutter Natur gerade bestreitet. Man wirft den Gottesfürchtigen vor, sie würden ja Gott nicht beweisen können. Aber auch der Realist kann den Realismus nicht beweisen, und schon gar nicht mit Realem. Gott ist wie man die Natur erfährt und kein kosmisches Wesen. Und der einzige echte Realist wäre Gott. „Realisten machen sich nicht vor, sie sehen nur das, was sie glauben.“(Alexander Eiler). Man muss zuvor das voraussetzen oder nicht voraussetzen, was uns Gott erfahren lässt, um Gott zu erfahren. Es ist eben alles nur eine Frage der Perspektive oder der Art der Kombination von Welt, und jene hängt ab von der Wahl oder Nicht-Wahl unbeweisbarer Annahmen. Überhaupt jedes Wissen wurzelt auf solchen Annahmen. „Jedes Wort ist ein Vorurteil.“ (Friedrich Nietzsche). „Wir können uns nie sicher sein, dass wir uns nicht geirrt haben.Alles ist durchwebt von Vermutungen.“ (Karl Popper). Die Meinung, dass gesellschaftlicher Fortschritt und Aufklärung zu einer Zunahme von Atheismus führt ist weit verbreitet, aber veraltet. Heute hat sich die Mehrheit der Forscher von dieser These wieder verabschiedet. Es existiert nämlich gar kein gesetzesartiger Zusammenhang zwischen Fortschritt und Atheismus. Beispiele dafür finden sich überall auf der Welt, wie z.B. in Asien oder den USA. In vielen Regionen der Welt explodiert mit dem Fortschritt auch die Religion. Man sollte sich nicht täuschen, die Religionen florieren. Das Christentum gefolgt vom Islam expandieren stark, vor allem in Afrika und Südamerika, wenn auch z.T. durch Zwangskonversionen und territoriale Übertritte. In den großen Weltstädten entsteht zunehmend eine a-religiöse Haltung, die sich überhaupt nicht mehr an Glauben und Religionen anderer stören. Gerade 23% der Deutschen halten sich für weder spirituell noch religiös (Quelle: Gehirn&Geist 3/2011). Von den anderen 77% sind rund die Hälfte aber intrinsisch religiös, das heißt sie schließen sich nicht extrinsisch zu religiösen Glaubensgemeinschaften zusammen und sind an kein festes religiöses Konzept mehr gebunden. Glück, Zufriedenheit und Gesundheit haben viel mit religiösen oder spirituellen Überzeugungen zu tun. Sie schützen vor Sinnverlust und Depressionen. Menschen, die sonst nichts haben, haben wenigstens ihren Gott. „Wer hat das Kreuz erhoben, zum Schutz für jedes Herz?“ (Novalis). In Südamerika, wo dieser „heilige Geist“ gerade erst über die Menschen kommt, kann man beobachten, wie der Glaube an diesen neuen christlichen Gott dort Geisterhebend wirkt. Die Menschen wachsen über sich hinaus, sie spüren eine Kraft, die es ihnen ermöglicht aufzustehen, Dinge zu tun, die sie vorher nicht gemacht haben, wie frei und öffentlich die eigene Meinung zu vertreten. „Der Glaube an den[i]einigen Gott wirkt immer Geisterhebend, in dem er den Menschen auf die Einheitseines eigenen Inneren zurückweist.“ (Goethe). Es gibt eben mehr als eine Form des Erkenntnisfortschritts. Spiritualität ist unentbehrlich und der eigentliche Kern der religiösen als auch der wissenschaftlichen Methode, wenn auch sie selbst nicht spirituell sind, denn Spiritualität ist die einzige Form intrinsisch-epistemischen Handelns. Bei Spiritualität geht es um die Selbstvervollkommnung, Selbsterkenntnis, Destruktion von Konstrukten bzw. die Auflösung des Selbst. Spiritualität ist Loslassen, es kann nicht gelehrt werden mit einem System. Es ist das Gegenteil von einem System folgen. Mit dem PET (Positronen-Emissions-Tomograph) konnte beispielsweise gezeigt werden, dass eine spirituelle Ganzheitserfahrung tatsächlich mit einer Verminderung von Hirnaktivität im Orientierungsareal im hinteren Scheitellappen des Gehirns einhergeht. Als ein Netzwerk ist diese Region vor allem dafür zuständig, die Grenzen des Körpers im Bewusstsein präsent zu halten. Für eine Ganzheitserfahrung wird dieses System, dieses in alle anderen Netzwerke eingebettete Netzwerk, außer Kraft gesetzt. Es sei auch erwähnt, dass die schnellsten neuronalen Oszillationen bei solch Ganzheitserleben gemessen werden können. Es ist auch da förmlich so, als ob sich der Meditierende an die Taktung der Welt annähert oder angleicht (subjektive Zeit an objektive Zeit). Der Spirituelle teilt sein Wissen mit einem idealen Beobachter. Jesus verkündete einst das ideale Gericht und den jüngsten Richter im hier und jetzt, also als die höchste Form der Bewusstwerdung. Religion bedeutet Rückbindung, und zwar genau an diese Erhebung des Daseins, an den Akt der existentiellen Erhebung zum idealen Beobachter hin. Sie binden sich und damit die Menschen so zurück, auf das wir auch nicht zu hoch hinausgreifen, ehe wir nicht reif genug sind. Und so Zurückgebunden verwandeln sie sich ja schließlich mit dem Fortschreiten bzw. der Weltexpansion zu einem dogmatischen oder gar fideistischen System. Aber die große Zahl der Menschen halten sich dennoch für spirituell oder intrinsisch religiös, selbst wenn religiöse Lehren im Mythos versinken. „Statt institutionalisierte Lehren sollte man die religiösen Erfahrungenzum Maßstab nehmen, um Religiosität zu erfassen." (Hans Jonas) [/i][/i]
    others have excuses, but i have my reasons why.

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