Houellebecq-Gedichte

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  • Vor etlichen Jahren hab ich mal drei Houellebecq-Gedichte übersetzt. Insbesondere die Tatsache, dass der Kerl reimt, erwieß sich dabei als große Hürde und spannende Herausforderung :) Ich geb' die Gedichte samt (sehr freier) Übersetzung einfach mal zum Besten:


    La Liberté me semble un mythe,
    Ou bien c'est un surnom du vide;
    La liberté, franchement, m'irrite,
    On atteint vite à l'insipide.

    J'ai eu diverses choses à dire
    Ce Matin, très tôt, vers six heures
    J'ai basculé dans le délire,
    Puis j'ai passé l'aspirateur.


    Le non-être flotte alentour
    Et ce colle à nos peaux humides;
    De temps en temps on fait l'amour,
    Nos corps sont las. Le ciel est vide.

    (Houellebecq)


    Freiheiten: Sie scheinen mir Mythen,
    Oder besser: Beinamen des Nichts.
    "Freiheit" reizt mich, ein wenig zu wüten ...
    Dann wieder Leere im Feld des Gesichts.

    Ich hatte das oder dies zu sagen
    Sehr früh, gegen sechs, heut morgen
    Begann ich den Wahnsinn zu jagen,
    Später musste ich Kippen besorgen.

    Das Nicht-Sein verstellt unseren Blick
    Und verklebt unsere feuchten Poren;
    Von Zeit zu Zeit gibt's einen Fick,
    Die Körper sind müde, der Himmel verloren.

    (meine Übersetzung)

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    Il faut préciser que je n’étais pas seul dans la voiture,
    J’etais avec la morte ;
    La nuit tournait sans bruit, comme une porte,
    Nous traversions les gonds du monde ;
    Les cheveux de la nuit,
    L’approche du solstice,
    Le corps désemparé qui transpire et qui glisse.

    Et la nuit était bleue
    Comme un poisson nerveux,
    La nuit soufflait partout,
    Dans tes yeux s’allumait un regard un peu fou.

    La nuit était très floue,
    La nuit était partout,
    Les images glissaient
    Comme une rêve de craie.

    Cette nuit, nous avons apercu l’autre face.

    (Houellebecq)


    Es muss gesagt werden, ich war nicht allein im Wagen,
    Die Tote saß neben mir.
    Die Nacht kreiste leise wie eine Tür,
    Wir übertraten die Schwellen der Welt;
    Die Haare der Nacht,
    Das Nahen der Sonnenwende,
    Der Körper schwitzend, gleitend und wehrlos am Ende.

    Diese Nacht war frisch
    Im schwarzen Blau ein nervöser Fisch,
    Ortlos blies diese Nacht,
    Ein bisschen verrückt schien der Blick, den dein Auge entfacht.

    Diese Nacht war einmal immer da,
    Ihre Bilder sind wie Kreide: nicht klar.
    Sie durchschritten den Raum
    Wie ein vergehender Traum.

    In jener Nacht haben wir die andere Seite gesehen.

    (meine Übersetzung)

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    Je referme mon stylo:
    Suis-je content de ma phrase ?
    Mon stylo n’est pas beau,
    Je veux faire table rase.


    Je me jette un regard dans la posture « artiste »
    Et je trouve le spectacle à peu près répugnant.
    J’ai beau être un artiste, je suis quand même très triste,
    Entouré de salauds qui me montrent les dents
    Stylo, salaud !

    C’est mon stylo, ejaculant
    Des semi-veérités poussives
    Qui est responsable, maintenant :
    « Je cherche un monde où les gens vivent ».

    (Houellebecq)


    Ich lege meinen Stift weg:
    Zufrieden mit den Sachen?
    Das ist alles nur Dreck ...
    ... jetzt reinen Tisch machen!

    Ich betrachte meine Pose - mein Künstler-Ich:
    Ein Schauspiel zum Arsch ablecken.
    Der große Künstler - ganz jämmerlich.
    Rings nur Idioten, die Zähne blecken ...

    (Der Stift spritzt Gift.)

    Mein Stift, der es sich selber macht,
    Sich halb nur an die Wahrheit hält,
    Hat das Sagen in dieser Nacht:
    "Ich suche lebende Menschen in der Welt."

    (meine Übersetzung)

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