[Sozialphilosophie] Platon

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  • Störig: Platon (Auszug)
    1. Platons Leben


    Ich lasse nun zuerst einen Auszug aus dem Platon-Kapitel aus dem Werk „Kleine Weltgeschichte der Philosophie von Hans Joachim Störig folgen:

    "Als ich einst jung war, ging es mir wie vielen anderen: Ich hatte im Sinn, sobald ich mein eigener Herr wäre, mich sofort der Politik zu widmen. Diesem Entschluss stellten sich aber folgende Erfahrungen im öffentlichen Leben in den Weg. Unsere damalige Verfassung galt in weiten Kreisen als minderwertig, und so kam es zu einem Umsturz. An der Spitze der neuen Verfassung standen 51 Männer... 30 aber übernahmen die gesamte Regierung mit unumschränkter Gewalt. Unter ihnen hatte ich einige Verwandte und Bekannte, und diese versuchten nun sogleich mich heranzuziehen... Die Erfahrungen, die ich hierbei infolge meiner Jugend machte, sind weiter nicht verwunderlich. Ich hatte geglaubt, sie würden die Staatsverfassung aus einem ungerechten Leben in die Bahn der Gerechtigkeit lenken, und so achtete ich gespannt darauf, was sie tun würden. Und da sah ich dann, dass diese Männer in kurzer Zeit die frühere Verfassung als das reine Gold erscheinen ließen. Abgesehen von anderem beauftragten sie einen mir befreundeten älteren Mann, Sokrates, den ich nicht anstehe, den rechtschaffensten Mann jener Zeit zu nennen, mit anderen, einen Bürger mit Gewalt zur Hinrichtung herbeizuführen, um ihn so... an ihrer Politik mitschuldig zu machen. Dieser aber gehorchte ihnen nicht, sondern riskierte lieber alles, als sich an ihren frevelhaften Handlungen zu beteiligen. Als ich das alles sah und noch manches andere derart und nicht eben Kleinigkeiten, da erfasste mich ein Widerwille, und ich zog mich von diesem verbrecherischen Regiment zurück. Bald darauf wurden die dreißig und mit ihnen die ganzeVerfassung gestürzt. Da begann mich wieder, zwar viel langsamer, aber eben dennoch die Lust zu politischer Tätigkeit zu erfassen... Nun geschah es aber, dass einige der Machthaber jenen unseren Freund Sokrates vor Gericht zogen, indem sie die frevelhafteste Beschuldigunggegen ihn erhoben, die am allerwenigsten auf Sokrates passte: Sie zogen ihn nämlich wegen Gottlosigkeit vor Gericht, verurteilten ihn und ließen ihn hinrichten, ihn, der damals an dem ruchlosen Vorgehen gegen einen Gesinnungsgenossen ihrer damals verbannten Freunde nicht hatte teilnehmen wollen... Als ich dies sah und die Leute, die die Regierung führten, die Gesetze und die Sitten, und je mehr ich bei fortschreitendem Alter dies ganze Getriebe durchschaute, desto mehr kam ich zu der richtigen Einsicht, wie schwer es sei, Politik zu treiben. Denn ohne Freunde und zuverlässige Parteigenossen war überhaupt nichts auszurichten... Auch nahmen die Verderbnis in der Gesetzgebung und der Sittenverfall in erstaunlicher Weise zu. Und so ergriff mich, der ich anfangs voll Eifer für politische Tätigkeit gewesen war, bei Blick auf diese Vorgänge und bei der Betrachtung dieses ganzen plan- und ziellosen Treibens schließlich ein Schwindel. Zwar ließ ich nicht ab, mir Gedanken darüber zu machen, wie es denn mit diesen Dingen und mit dem ganzen Staatswesen besser werden könnte, und wartete immer wieder auf eine Gelegenheit zum Handeln, schließlich aber kam ich zu der Erkenntnis, dass die bestehenden Staaten insgesamt in einer üblen Verfassung seien. Denn ihr gesetzlicher Zustand ist nahezu unheilbar, wenn nicht eine wunderbare Neuorganisation unter günstigen Umständen ihnen zu Hilfe kommt. Und so sah ich mich denn genötigt, in Anerkennung der wahren Philosophie es auszusprechen, dass nur sie den Blick für die Gerechtigkeit im gesamten öffentlichen und privaten Leben verleiht und dass das Unglück des Menschengeschlechts nicht aufhören wird, bis entweder das Geschlecht des rechten und wahren Philosophie in den Staaten zur Regierung gelangt oder die Machthaber in den Staaten infolge einer göttlichen Fügung wirklich Philosophen werden." (Platon: Brief VII, 324 B - 326 B)

    Und hier der Wiki-Artikel zu Platon:

    de.wikipedia.org/wiki/Platon

    Und hier die vollständigen Materialen zu Platon als PDF-Datei:

    joachimstiller.de/download/sozialwissenschaft_platon2.pdf

    Gruß Joachim Stiller Münster

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